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10:18 22 September 2019
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    Angehöriger der kosovarischen Sonderpolizei nahe der Stadt Mitrovica

    Eskalation im Kosovo: „Das war eine Einschüchterungsaktion“

    © AFP 2019 / ARMEND NIMANI
    Politik
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    Die Behörden im Kosovo haben bei einer Gewaltaktion im Norden der Region 19 Menschen festgenommen. Dabei sind mehrere Mitarbeiter der dortigen UN-Mission verletzt worden. Der Politologe Stefan Filipovic sprach in einem Interview für Sputnik über den Zwischenfall. Nach seinen Worten handelte es sich dabei um eine „Einschüchterungsaktion“.

    Der serbische Präsident Aleksandar Vucic informierte das Parlament über die jüngsten Ereignisse in der selbsternannten Republik Kosovo.

    „Laut jüngsten Angaben wurden im südlichen Teil von Kosovska-Mitrovica 19 Menschen festgenommen. Zuvor hatten wir Informationen über eine größere Zahl, aber es handelte sich um eine größere Zahl von Durchsuchungen, und jetzt haben wir die bestätigte Information“, betonte Vucic.

    Die Aktion der kosovarischen Polizei hatte am Dienstagvormittag begonnen. Die Polizeibeamten setzten dabei Panzerfahrzeuge ein. Laut früher verbreiteten Informationen wurden dabei mehrere Menschen verletzt, unter anderem ein russisches Mitglied der UN-Mission (UNMIK) namens Michail Krasnoschtschokow.

    Laut einer UNMIK-Mitteilung wurde der Russe von der kosovarischen Polizei festgenommen, aber in ein Krankenhaus gebracht. Auch ein anderes Mitglied der Mission brauchte demnach medizinische Hilfe. Später wurde berichtet, dass Krasnoschtschokow freigelassen worden sei.

    Der serbische Präsident Vucic ließ die nationale Armee und das Innenministerium in volle Einsatzbereitschaft versetzen.

    „Es war bei uns im Süden alles ruhig. Natürlich hatte ich Kontakte mit meinen Freunden und meinen Eltern, die dort, im Norden, leben. Die Situation war beunruhigend und kompliziert, es ging um Gewaltanwendung der kosovarischen Geheimdienste, die ihre Gewalt missbraucht haben, was zu noch größeren Problemen hätte führen können. Es hätte noch mehr Opfer geben können“, sagte Filipovic gegenüber Sputnik.

    Inzwischen habe sich die Lage teilweise beruhigt, aber die Einwohner blieben sehr angespannt, so der Politologe weiter. Das sei zwar nicht der erste solche Zwischenfall in den vergangenen anderthalb Jahren, aber diese seien natürlich sehr stressig, betonte er. In Kosovska-Mitrovica habe sich die Situation etwas entspannt, aber in Subin-Potok bleibe sie immer noch angespannt.

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    Heute Vormittag gab es Informationen, dass die Einwohner ihre Häuser verlassen und auf die Straße gehen und Barrikaden aufstellen würden, die von der Polizei jedoch zerstört würden. Inzwischen seien die Einwohner in ihre Häuser zurückgekehrt. „Die Menschen verstanden immerhin, dass es zu einer noch intensiveren Eskalation kommen würde, wenn sie noch mehr Widerstand leisten würden“, so der Politologe Filipovic. „Dann könnte es auch zu Opfern kommen.“

    Er erinnerte daran, dass die kosovarischen Spezialkräfte ROSU 2011 einen Versuch unternommen hatten, zu Kontrollstellen zwischen den nördlichen Gemeinden im Kosovo und dem Zentralem Serbien zu gelangen, aber die Serben hätten ihnen einen verbissenen Widerstand geleistet. Und damals habe es tatsächlich Opfer gegeben. „Heute wollten die Menschen eine verbale Kommunikation mit den ROSU-Kräften aufnehmen, ihnen etwas erklären. Aber sie waren doch mit Panzerfahrzeugen gekommen, waren bewaffnet… Ich habe gehört, dass einige Menschen mit Gewehrkolben geschlagen wurden. Es wurde mehr Gewalt angewendet, als nötig  war.“

    „Die offizielle Position der kosovarischen Polizei war, sie würde die Kriminalität bekämpfen und Verbrecher festnehmen. Also wurden unter anderem auch kosovarische Polizisten festgenommen, egal ob Bosnier, Albaner oder auch Serben“, so Filipovic weiter. „Aber es war gar nicht nötig, Panzerwagen einzusetzen. (…) Diese Menschen könnten gegen das Gesetz verstoßen haben. Aber es war nicht nötig, sie um 06.00 Uhr festzunehmen. Das war eine Einschüchterungsaktion. Man hätte alles viel effizienter und professioneller machen können. Aber mehr als 50 Einheiten Panzertechnik einzusetzen, um einen Polizisten festzunehmen, der Beweise für irgendeine Schmuggelware versteckt hatte – das ist doch lächerlich!“

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    Tags:
    Opfer, Festnahme, Polizei, Einschüchterung, Verletzte, Mitarbeiter, UN-Mission, Eskalation, Kosovo