Widgets Magazine
19:40 20 Juli 2019
SNA Radio
    Besucher einer Messe der Lebensmittelinnovationen in Shanghai (Archiv)

    “Volkskampf”: Chinesen trotzen Trump mit Boykott von US-Marken

    © REUTERS / ALY SONG
    Politik
    Zum Kurzlink
    Natalja Dembinskaja
    1214587

    Während Peking und Washington sich gegenseitig mit höheren Zöllen bekämpfen, haben sich in den Konflikt der beiden weltweit größten Wirtschaftsmächte die chinesischen Unternehmen und die einfachen Verbraucher des Landes eingemischt.

    Unternehmen fordern von ihren Angestellten, auf US-amerikanische Autos, Smartphones und Marken zu verzichten und nicht mehr zu McDonald’s zu gehen. Es wird sogar mit Entlassungen gedroht. In den Sozialen Netzwerken wird auch zum Boykott von US-Waren aufgerufen. Über die Entwicklung des Volkskampfes zwischen den USA und China lesen sie in diesem Artikel.

    Volkskampf

    Die antiamerikanische Propaganda in China hat ihren Höhepunkt erreicht – das Huawei-Verbot des US-Präsidenten Donald Trump brachte das Fass zum Überlaufen. Alle führenden US-amerikanischen IT-Unternehmen, darunter Google, Microsoft, Intel, ARM, Qualcomm, Broadcom weigerten sich, Software, Technologien und Ausrüstungen an den chinesischen Technologie-Giganten zu verkaufen.

    >>>Mehr zum Thema: So viel muss die Welt für den US-chinesischen Handelskrieg blechen – Bloomberg<<<

    Vor einigen Wochen rief die staatliche chinesische Zeitung „The Global Times“ zum „Volkskrieg“ gegen die USA auf.

    Die Reaktion erfolgte unverzüglich. In den Sozialen Netzwerken wird zum Boykott von US-Waren und zum Kauf von Huawei-Geräten aufgerufen. Gegen Apple-Geräte wurde eine Kampagne gestartet.

    „Ich werde ebenfalls Huawei-Smartphone kaufen und auch auf den geplanten Kauf einer Apple-Watch verzichten, ähnliche Produkte gibt es auch bei chinesischen Unternehmen. Die USA verspotten es einfach“, schrieb ein Weibo-Nutzer.

    „Man sollte nicht darüber phantasieren, wie man Huawei stoppt. Stattdessen werden wir Apple stoppen“, schrieb ein anderer Nutzer.

    Die Zeitung „Global Times“ befragte in der vergangenen Woche mehrere Huawei-Vertreter zu diesem Handelskrieg, der auf dem Rücken der Verbraucher ausgetragen wird. Alle zeigten sich zuversichtlich.

    „Als die Medien mitteilten, dass das Land A Maßnahmen gegen unsere Firma ergreift, ging ich gelassen zur Arbeit, erfüllte gelassen alle Aufgaben, nahm gelassen an allen Sitzungen teil“, sagte eine Mitarbeiterin. „Ich bin nur eine einfache Soldatin unserer Firma. Unabhängig von den Schwierigkeiten glaube ich, dass jeder Huawei-Vertreter treu bleibt und sich weiterhin im Job anstrengt, dann können wir nicht besiegt werden!“.

    „Ich bin neu in der Firma, doch arbeite ich gewissenhaft, jede Zeile des von mir geschriebenen Codes macht das Unternehmen stärker“, sagte ein anderer Huawei-Mitarbeiter. „Für jene, die in den 1990er-Jahren geboren sind, ist Geld nicht das wichtigste. Trotz aller Schwierigkeiten kümmern wir uns um den Wert unserer Arbeit für die Firma, die Gesellschaft und das Land. Ich wünsche uns, alle Schwierigkeiten zu überwinden und dass das Land prosperiert!“.

    Nach Angaben der Zeitung werden die Huawei-Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit von Freunden und Verwandten unterstützt. „Als die USA in der vergangenen Woche Sanktionen gegen Huawei verhängten, erfuhr meine Freundin auch davon, obwohl sie sich nie für Nachrichten interessierte“, sagte ein Mitarbeiter des Konzerns. „Sie sagte, sie werde nicht mehr mit mir streiten und würde eine ruhige und angenehme Atmosphäre schaffen, damit ich arbeite und meinen Beitrag zum Triumph gegen die USA leiste“.

    Made in China

    Dem Volkskrieg gegen US-Waren schlossen sich auch chinesische Firmen an. Der Entwickler von Internetprodukten Mengpai Technology offerierte seiner Belegschaft und Auftragnehmern einen 15-Prozent-Rabatt beim Kauf von Huawei-Smartphones und drohte mit Geldstrafen für Angestellte mit iPhones in Höhe ihres Wertes. Zudem wurde vom Unternehmen verboten, US-amerikanische Büroausstattung und Autos zu kaufen.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Der erste Krieg von Donald Trump: Venezuela, Iran oder doch China?<<<

    Auch andere Firmen machen mit. Der Hersteller von elektronischen Bauteilen Shenzhen Huiyisheng zahlte seinen Mitarbeitern mit Huawei-Smartphones eine Geldprämie in Höhe von 500 Yuan (etwa 72 Dollar). Auf iPhones muss hingegen verzichtet werden, sonst droht die Entlassung.

    Die Firma Jinggang Motor Vehicle Inspection Station informierte alle Mitarbeiter – fortan dürfen keine US-Waren gekauft werden. Man darf keine iPhones und US-Autos nutzen, US-Fastfoodketten besuchen oder US-Bedarfsgüter kaufen.

    „Statt iPhones einheimische Smartphones wie Huawei. Nicht erlaubt sind Autos chinesisch-amerikanischer Gemeinschaftsunternehmen – nur 100 Prozent einheimische Produkte. Verboten sind die Fastfoodketten McDonald’s bzw. KFC, Waren von Procter & Gamble, Amway und alle anderen US-Marken. Verboten sind Touristenreisen in die USA“, zitiert die Zeitung „The Epoch Times“ eine Mitteilung der Firma Jinggang an die Belegschaft.

    Nach Angaben der Unternehmensführung will man damit dem Land helfen, diesen Krieg zu gewinnen. Jenen, die gegen diese Verbote verstoßen, droht die sofortige Entlassung.

    Die Handelskammer Shanghais versprach ebenfalls Prämien für den Kauf von Huawei-Smartphones und drastische Strafen für jene, bei denen Apple-Geräte gesehen werden.

    Das propagandistische Lied „Handelskrieg“ des ehemaligen chinesischen Beamten Zhao Liangtian verbreitete sich in den Sozialen Netzwerken rasant:

    „Chinesen leben seit Tausenden Jahren und halten seit Tausenden Jahren gegen den gemeinsamen Feind zusammen“, heißt es im Lied. „Wir fürchten uns nicht, wenn wir in den Handelskrieg eintreten. Wenn Feinde den Krieg entfachen, werden wir genug Mut haben, ihnen eine Antwort zu geben. Wenn der Gegner einen Schlag wagt, würden die Regierung und das Volk sich dagegen wehren. Wenn der Gegner einen Schlag wagt, werden wir so schlagen, dass ihm der Kopf schwindlig wird und Hören und Sehen vergehen“.

    Kein Schritt zurück

    Analysten zufolge beschränkt diese patriotische Welle den Handlungsspielraum Pekings, wobei Kompromisse mit Washington ausgeschlossen werden. Unter Druck der öffentlichen Meinung müssen die chinesischen Behörden härter vorgehen.

    Peking kündigte Anti-Dumping-Zölle für den Phenol-Import ab dem 27. Mai an – eines der wichtigsten Produkte für Ölraffinerie, Pharmakologie, Chemie-, Textilindustrie und für andere Branchen. Wie es im chinesischen Handelsministerium hieß, betreffen die Zölle Produkte aus der EU, Südkorea, den USA und Japan, wobei für jeden Lieferanten eine eigene Gebühr festgeschrieben wird – von 11,9 bis 129,6 Prozent. Die höchste Gebühr ist wohl für die Amerikaner bestimmt.

    Zudem führt China Lizenzen für den Export von Seltenerdmetallen ein – sehr wichtige Rohstoffe in der modernen Elektronik. Das teilte das Handelsministerium mit.

    US-Hersteller decken heute zu 80 Prozent den Bedarf an Seltenerdmetallen dank China. Bei einem Lieferstopp würde vielen Fabriken in den USA das Aus drohen.

    Wie Bloomberg berichtete, sind die Erwartungen an eine Regelung der Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA so gering wie niemals zuvor. Dabei wird betont, dass auf asiatischen Märkten ein massiver Ausverkauf der Aktien der US-Unternehmen begonnen hat. Dahinter stehen offensichtlich die Chinesen.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Technologie-Krieg der USA: China kann zu weitaus gewaltigeren Gegenschlägen ausholen – Experten<<<

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Aktien, Erwartungen, Bloomberg, Elektronikkampf, Lizenz, Export, US-Fastfood-Kette McDonalds, Geldstrafe, US-Sanktionen, Sanktionen, Zeitung, Gesellschaft, Maßnahmen, Verbraucher, Apple, Ausrüstungen, Technologien, Software, Intel, Microsoft, Google, Propaganda, Soziale Netzwerke, Autos, Smartphones, McDonald’s, Unternehmen, Wirtschaft, Zölle, Washington, Peking, Donald Trump, Boykott, Global Times, Huawei, Huawei, USA, China, Handelskrieg