Widgets Magazine
12:28 21 Oktober 2019
SNA Radio
    Serbische Nationalisten bei der Proteste während des kosovo-albanischen Festivals in Belgrad am 29. Mai 2019

    Testlauf für ethnisches Säubern? Experten über Pristinas Zugriff auf Serbisch-Kosovo

    © REUTERS / MARKO DJURICA
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    2220107
    Abonnieren

    Eine Kampfansage nicht nur an Belgrad, auch an die Uno – so werten Analysten den Vorstoß der kosovarischen Regierung im serbischen Teil der Stadt Mitrovica. Kann Präsident Thaçi auch diesmal mit der Nato rechnen, falls er einen Angriff auf die Kosovo-Serben beschließt? Hat Serbien genug internationalen Rückhalt, um darauf entschlossen zu reagieren?

    Serbiens Präsident und Regierung sandten in einer Parlamentssitzung am Montag dieser Woche (27.05.2019) eine Botschaft an die Albaner: „Wir möchten weiterverhandeln. Wir möchten eine friedliche Lösung im Kosovo. Wir möchten, dass Serben und Albaner endlich Frieden schließen.“ So umschreibt der serbische Abgeordnete Milovan Drecun die Botschaft, die von Belgrad ausgegangen sei. Der Politiker ist Vorsitzender des Parlamentsausschusses zu Kosovo und Metochien.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Eskalation im Kosovo: „Das war eine Einschüchterungsaktion“<<<

    „Und wir haben eine Antwort bekommen“, so der Ausschussvorsitzende: „Auf diese Friedensbotschaft haben die Albaner mit einer brutalen Aktion reagiert, in deren Verlauf sie versuchten, die Serben dazu zu zwingen Kosovo zu verlassen.“

    Mit dem Sondereinsatz vom Dienstag (28.05.2019) habe die kosovarische Führung klar zu verstehen gegeben, dass sie weder Frieden noch Verständigung suche. Mehr noch: Der Übergriff kosovarischer Spezialpolizisten auf die serbische Gemeinde ist laut dem Politiker als ein Zeichen für anstehende ethnische Säuberungen zu verstehen, die Pristina geplant habe.

    Eine sonderbare Rolle übernimmt dabei nach Ansicht des Politikers die KFOR-Truppe der Nato. Trotz der Verpflichtung, das serbische Volk zu beschützen, seien die KFOR-Soldaten während des Zugriffs durch kosovarische Sonderkräfte untätig gewesen.

    Die Entschlossenheit des Westens, Serbien durch Eskalationsdruck dazu zu bringen, die selbsterklärte Unabhängigkeit Kosovos anzuerkennen, erschwere die Lage zusätzlich, erklärt der Parlamentarier. Indes nutzt Pristina laut dem Politiker die Unterstützung seiner westlichen Lehrmeister, um durch rechtswidriges Verhalten und einseitiges Vorgehen eine neue Wirklichkeit zu schaffen: Eine Realität, in der den Albanern alles erlaubt wäre.

    „Sie gewöhnen uns allmählich an diese Wirklichkeit, in der nur eines zählt: Entweder Serbien erkennt die Unabhängigkeit an. Oder es folgen weitere Aktionen.“ Gerade jetzt sei es sehr wichtig, so Drecun, dass Präsident Thaçi und die internationale Gemeinschaft die Botschaft aus Belgrad ernst nehmen: „Sollten die Albaner wieder einen Pogrom gegen die serbische Bevölkerung beginnen, werden wir das nicht zulassen – unabhängig davon, dass in Kosovo Nato-Truppen stationiert sind.“

    Ein anderer serbischer Politiker, Nebojsa Covic, Ex-Vorsitzender des Koordinationsrats zu Kosovo und Metochien, warnt: Nächste Woche seien weitere Provokationen zu erwarten. Denn vom 5. bis 12. Juni feiere Pristina seine „Unabhängigkeit“.

    >>>Andere Sputnik-Artikel: Serbiens Präsident gesteht Machtverlust im Kosovo ein<<<

    Dabei werden laut dem Experten, Geschichten verbreitet vom Kampf gegen Korruption und Kriminalität – als Vorwand, um die serbische Bevölkerung einzuschüchtern. „Aber die Zeiten, als man Serbien bombardieren konnte, sind vorbei“, so Covic.

    Belgrads Möglichkeiten, auf die Lage in Kosovo Einfluss zu nehmen, seien zwar begrenzt, sagt der Parlamentarier Drecun. Aber sie seien dennoch vorhanden: „Die serbische Bevölkerung in Kosovo ist eine Möglichkeit. Deswegen ist es so wichtig, die Einheit des serbischen Volkes zu erhalten. Zum anderen ist Belgrad diplomatisch aktiv: Einerseits hinsichtlich freundschaftlicher Länder wie Russland und China. Andererseits in Bezug auf die Länder, die Einfluss auf Pristina ausüben können – und auf das KFOR-Kontingent, ohne dessen stillschweigende Zustimmung solche Aktionen wie gestern unmöglich wären.“

    Und: „Präventionsmaßnahmen“ seien auch möglich, sagt der Politiker: „Die Versetzung der serbischen Truppen in Gefechtsbereitschaft müsste ausreichen, damit die Albaner die Lage nicht noch mehr eskalieren.“

    Jedenfalls werde sich Präsident Thaçi nicht verstecken können „hinter der Nato“. Die Allianz werde ihn nicht decken, „wenn er versuchen wird, wieder Pogrome gegen Serben anzuschüren“. Auch die Nato müsse wissen, „wenn ihr nicht fähig seid, das serbische Volk zu schützen, sollt ihr nicht mal daran denken, euch mit uns anzulegen“, so Drecun. „Die Umstände sind längst nicht mehr die alten.“

    Außerdem: Auf den Vorfall in Nordkosovo müsse auch der Generalsekretär der Vereinten Nationen reagieren, fordert Nebojsa Covic. Denn bei dem Übergriff kosovarischer Spezialkräfte sei ein russischer UN-Mitarbeiter verletzt worden.

    Der russische Staatsbürger Michail Krasnoschtschjokow ist ein Mitarbeiter der UNMIK (Interimsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo). Er wurde von kosovarischen Spezialkräften bei seiner Festnahme schwer verletzt und musste infolge dessen in einer Intensivstation behandelt werden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    UN, Unabhängigkeit, Stationierung, Truppen, Druck, Eskalation, Westen, NATO, Kampf, ethnische Säuberungen, Hashim Thaçi, Kosovo, Serbien