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12:45 12 November 2019
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    Ölgewinnung in Venezuela (Symbolbild)

    Dieses Land kann zu einer „Geheimwaffe“ der USA gegen Venezuela werden – Expertin

    © AP Photo / Fernando Llano
    Politik
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    Das zweitärmste Land in Lateinamerika, Guyana, kann im Laufe von wenigen Jahrzehnten eine der größten Ölproduktionen pro Kopf entwickeln. Die Expertin des Strategischen Lateinamerikanischen Zentrums für Geopolitik Tamara Lajtman hat in einem Interview mit Sputnik aufgeklärt, welche Pläne die USA hinsichtlich dieses kleinen Karibikstaates haben.

    Das von dem Erdölkonzern ExxonMobil auf dem sogenannten Stabroek Block vor der Küste Guyanas entdeckte Ölvorkommen soll schätzungsweise über 5,5 Milliarden Barrel förderbares Öl enthalten.

    Allerdings würden reiche Naturressourcen bei weitem noch keine Prosperität eines Landes nach sich ziehen. Nun könnte das kleine Karibikland zu einem kleinen Stückchen des Puzzles werden, das die Vereinigten Staaten in der Region zusammensetzen würden, sagte die Expertin in einem Interview mit Sputnik.

    Die Geschichte der Beziehungen zwischen den USA einerseits und den Staaten von Lateinamerika und der Karibik andererseits weise darauf hin, dass es die US-amerikanischen transnationalen Unternehmen seien, die von der Entdeckung des riesigen Ölfeldes vor der guyanischen Küste am meisten profitieren würden.

    Guyana statt Venezuela?

    Lajtman beruft sich auf die Meinungen von US-Experten, denen zufolge Washington die Öllieferungen aus Venezuela mit Lieferungen aus Guyana ersetzen könnte, denn Guyana sei ein durchaus verlässlicher Lieferant.

    Ende 2018 habe die Nichtregierungsorganisation American Security Project (ASP) die Konferenz „Guyana: Aufbau der nachhaltigen Sicherheit“ (Guyana: Building Sustainable Security) veranstaltet. Der Organisation, die sich mit Forschungen im Bereich der Nationalen Sicherheit beschäftige, würden Politiker wie der einstige US-Außenminister John Kerry und der Ex-Verteidigungsminister Chuck Hagel angehören. An der Konferenz habe unter anderem der ehemalige Chef des Südkommandos der US-Marine, Vizeadmiral Kevin Green, teilgenommen.

    Angesichts der Besprechungen während der Konferenz habe die APS einen Bericht vorgelegt, der den US-Politikern engere Beziehungen mit Guyana empfohlen habe. Da die Krise in Venezuela sich verschärfe, könnte ein blühendes aufstrebendes Guyana zu einer Achse der Stabilität in der Karibik werden.

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    Nach Angaben des privaten US-amerikanischen Informationsdienstes Stratfor haben einige US-Erdölunternehmen bereits mit der Ölförderung in Guyana begonnen. Dies würde zwar die Einnahmen der Regierung des südamerikanischen Landes erhöhen, die meisten Bürger würden jedoch keinen Vorteil davon zu spüren bekommen: Die neu zu schaffenden Arbeitsplätze seien im Großen und Ganzen für Ausländer bestimmt, betonte Lajtman.

    Allerdings könnte der wachsende Anteil der US-Unternehmen an der Erdölförderung in Guyana zur Kriminalitätsbekämpfung in dem südamerikanischen Land beitragen. Seit Jahrzehnten gilt Guyana als einer der Drogen-Transitstaaten Südamerikas. Die vor allem in Kolumbien hergestellten Drogen würden in erster Linie in die USA gebracht. Mit dem Wachstum der Einnahmen aus dem Ölhandel könnte die Regierung von Guyana mehr für die Bekämpfung des Drogenhandels und des Terrorismus ausgeben.

    Militärpräsenz

    Die Expertin wies darauf hin, dass das Kommando der US-Marine Anfang Mai die Militärübung New Horizons in Guyana gestartet habe. Angesichts der Krise im benachbarten Venezuela und der Aussichten des Landes in der Energiewirtschaft werde dieses Manöver zu einem durchaus passenden Zeitpunkt abgehalten, so die Meinung der Nichtregierungsorganisation ASP.

    Außerdem werde die Situation durch einen Territorialstreit zwischen Guyana und Venezuela erschwert, betonte Lajtman. Es gehe um das Gebiet entlang des Flusses Essequibo, das von Caracas jahrhundertelang beansprucht werde. Nach Ansicht der Vereinigten Staaten gefährdet diese Streitigkeit die Bohrarbeiten in der Nähe der Meeresgrenze zwischen Venezuela und Guyana.

    Chinesisches Engagement

    Allerdings habe auch China seine geostrategischen Interessen im Lande: Im Juli 2018 habe Gyana sich dem chinesischen Projekt „Neue Seidenstraße“ angeschlossen, das Investitionen in den Bau von Straßen und Häfen vorsehe. Die Initiative soll die Fristen der Güterbeförderung nach Nordbrasilien (Brasilien ist der wichtigste Handelspartner Chinas in der Region – Anm.d. Red. ) verkürzen und den Weg zum Panamakanal beschleunigen.

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    Zudem verfüge der chinesische Ölkonzern CNOOC einen 25-prozentigen Anteil am Stabroek-Block des Ölriesen ExxonMobil, fügte die Expertin hinzu.

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    Tags:
    China, Ölförderung, Öl, Venezuela, Guyana, USA