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05:04 14 Oktober 2019
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    Kanzlerin Angela Merkel hält die Rede bei der 368. Eröffnungsübung an der Universität Cambridge, Massachusetts, USA, am 30. Mai 2019

    Globalismus-Heldin Merkel für „Rede gegen Trump“ in USA gefeiert

    © REUTERS / BRIAN SNYDER
    Politik
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    In ihrer Rede an die junge US-Elite sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts an und zeigte sich weltoffen, stabil und multilateralismusfreundlich. Indirekt, aber hart nahm sie auch vieles aufs Korn, was US-Präsident Donald Trump durchzusetzen sucht – und erntete dafür stehende Ovationen.

    Merkel hält unverändert an ihrer Flüchtlingspolitik fest. Beim Auftritt an der US-Eliteuniversität Harvard äußerte Merkel, sie habe mit Ihrer Entscheidung, in großer Zahl Migranten und Flüchtlinge ins Land zu lassen, „für das eingestanden, was sie für richtig gehalten habe“, auch wenn dies unpopulär sei. Explizit gelobt hat die Präsidentin der Harvard Alumni Association, Margret Wang, ihren Slogan „Wir schaffen das“ in der Flüchtlingskrise, der ihr in Deutschland viel Kritik eingebracht hatte – und nannte die diplomierte Physikerin Merkel bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde eine der respektiertesten globalen Führungspersönlichkeiten. Auch Merkels Vorgehen in der europäischen Schuldenkrise soll das auszuzeichnende Beispiel ihres verantwortungsvollen Engagements für die Welt sein.

    Merkel kritisierte die aktuelle US-Politik Trumps, ohne diesen beim Namen zu nennen.

    „Protektionismus und Handelskonflikte gefährden den freien Welthandel und damit die Grundlagen unseres Wohlstandes“, sagte sie. Wenige Stunden später kündigte Trump erhöhte Zölle für Importe aus Mexiko an. Merkel weiter: „Mehr denn je müssen wir multilateral statt unilateral denken und handeln. Global statt national. Weltoffen statt isolationistisch. Kurzum: gemeinsam statt allein.“

    Toleranz, Empathie und Respekt vor Religion, Geschichte, Tradition und Identitäten, aber auch Zurückhaltung bei den ersten Impulsen, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit  sind Merkel zufolge besonders wichtig für die Politik. „Dazu gehört, dass wir Lügen nicht Wahrheiten nennen und Wahrheiten nicht Lügen.“

    Gegenbild zu Trump?

    Bundeskanzlerin in der US-Eliteuniversität Harvard am 30. Mai 2019
    © REUTERS / BRIAN SNYDER
    Knapp 30 Mal bedankt sich das Publikum bei Angela Merkel während ihrer halbstündigen Rede mit Beifall. Während einiger Passagen applaudiert es sogar nach jedem Satz. Offenbar wird die deutsche Kanzlerin bei vielen liberalen Amerikanern als das Gegenbild und geradezu als Antithese zu US-Präsident Donald Trump gefeiert. Mit indirektem Bezug zu Trumps Mauer-Projekt an der Grenze zu Mexiko, sagte Merkel: „Wenn wir die Mauern, die uns einengen, einreißen, wenn wir ins Offene gehen und Neuanfänge wagen, dann ist alles möglich.“ Und übrigens: „Reißen Sie die Mauer von Ignoranz und Engstirnigkeit nieder!“

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    Auch ihre Ziele der Klimapolitik ließ Merkel nicht unbeachtet, selbst wenn sie als angesagte Klimafreundin bisher fast nichts erreicht hat. „Der Klimawandel bedroht die natürlichen Lebensgrundlagen“, betonte sie in ihrer Rede erneut. So müssen die Politiker, die heute in der Verantwortung sind, und die Politiker, die morgen die Verantwortung tragen, laut Merkel alles Menschenmögliche tun, um diese Herausforderungen der Menschheit zu bestehen.

    „Ich werde mich deshalb mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass Deutschland, mein Land, im Jahr 2050 das Ziel der Klimaneutralität erreichen wird“, so Merkel.

    Ihre Rede begann sie mit sehr persönlichen Anmerkungen zu ihrer Vergangenheit in der DDR im Angesicht der Mauer in Ostberlin: „Jeden Tag musste ich kurz vor der Freiheit abbiegen“, sagte die Spitzenpolitikerin. „Nichts muss so bleiben, wie es ist.“ Sie lobte unter anderem den Marshallplan und beschwor die deutsch-amerikanische Freundschaft, über 70 Jahre Frieden. Donald Trump fand für sie keine Zeit.

    Am Donnerstagsnachmittag brach sie nach Berlin auf. Am Freitag empfängt sie in der deutschen Hauptstadt US-Außenminister Mike Pompeo, einen treuen Gefährten Trumps.

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    Tags:
    Flüchtlingskrise, Klima, Harvard Universität, Angela Merkel