23:09 20 November 2019
SNA Radio
    UN-Sonderberichterstatter Nils Melzer in Genf, 31. Mai 2019

    UN-Experte: Assange hat psychologische Folter erlitten

    © REUTERS / DENIS BALIBOUSE
    Politik
    Zum Kurzlink
    6065
    Abonnieren

    Laut dem UN-Sonderberichterstatter zum Thema Folter, Nils Melzer, ist WikiLeaks-Gründer Julian Assange über Jahre hinweg psychologischer Folter ausgesetzt worden, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

    Melzer besuchte Assange, dessen Gesundheitszustand sich verschlechtert hatte, am 9. Mai im Londoner Gefängnis, so die Agentur. Den UN-Sonderberichterstatter begleiteten zwei medizinische Experten, die sich auf die Untersuchung möglicher Opfer von Folter und anderem Missbrauch spezialisieren.

    >>>Weitere Soutnik-Artikel: Assange offenbar schwerkrank: WikiLeaks-Gründer auf Gefängnis-Krankenstation verlegt<<<

    „Neben körperlichen Leiden hat Herr Assange alle Symptome aufgewiesen, die für eine längere Exposition durch psychologische Folter typisch sind, darunter extremer Stress, chronische Angst und ein schweres psychologisches Trauma“, zitiert Reuters Melzer.

    Es sei offensichtlich, dass Assanges Gesundheit „ernsthaft durch das extrem feindselige und willkürliche Umfeld“, in dem er sich im Laufe von „zu vielen Jahren befunden“ habe, beeinträchtigt worden sei.

    >>>Weitere Soutnik-Artikel: 17 weitere Anschuldigungen: US-Justiz verschärft Anklage gegen Julian Assange<<<

    „Herr Assange ist im Laufe mehrerer Jahre absichtlich schwereren Formen von grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung ausgesetzt worden. Ihre kumulativen Wirkungen können nur als psychologische Folter beschrieben werden“.

    London kontert Folter-Vorwürfen

    Der britische Außenminister, Jeremy Hunt, wies Melzers Vorwürfe als falsch zurück. In einem Twitter-Eintrag forderte der Minister, dass der UN-Sonderberichterstatter britischen Gerichten erlauben sollte, „Urteile ohne seine Einmischung und aufrührerischen Beschuldigungen zu fällen“.

    „Assange hat sich entschieden, sich in der Botschaft (Ecuadors – Anm. d. Red.) zu verstecken. Er ist immer frei gewesen, sie zu verlassen und sich vor Gericht zu verantworten“.

    Fall Assange

    Schweden hatte Assange 2010 wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung angeklagt. Seit 2012 hatte sich der Whistleblower in der ecuadorianischen Botschaft in London verborgen gehalten, um der Auslieferung nach Schweden zu entgehen.

    Im April 2019 hat Ecuador die Asylgewährung für Julian Assange widerrufen und ihn aus der Botschaft in London verwiesen. Der WikiLeaks-Gründer wurde anhand der von Schweden und den USA erteilten Haftbefehle von der Polizei in London festgenommen.

    >>>Weitere Soutnik-Artikel: Fall Assange: US-Behörden verhaften wieder WikiLeaks-Informantin Chelsea Manning<<<

    Die US-Behörden hatten weitere Anschuldigungen gegen den Whistleblower zu 17 Episoden erhoben, die mit rechtswidriger Gewinnung und Offenlegung von Geheiminformationen im Zusammenhang stehen sollen. Nun drohen dem WikiLeaks-Gründer bis zu 175 Jahre Haft. 

    Assanges Gesundheit verschlechterte sich wesentlich, er wurde auf die Krankenstation des britischen Gefängnisses Belmarsh verlegt, teilte WikiLeaks am Mittwoch mit.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Inhaftierte, Knast, Haft, Gefängnis, Folter, Whistle Blower, Whistleblower, Jeremy Hunt, Nils Melzer, Uno, UN, WikiLeaks, Julian Assange, Schweden, USA, Großbritannien