SNA Radio
    Bundeswehrsoldaten der schnellen NATO-Eingreiftruppe „Very High Readiness Joint Task Force“ (VJTF) bei einer Übung , 20. Mai 2019

    „Nukleare Drohung“ Russlands soll Europa zum Griff in den Beutel zwingen – General

    © REUTERS / FABIAN BIMMER
    Politik
    Zum Kurzlink
    Von
    221286
    Abonnieren

    Der Angegriffene soll jeder Anfeindung etwas Positives abgewinnen, äußerte der Präsident der Akademie für geopolitische Probleme Leonid Iwaschow zu der in der WELT AM SONNTAG beschriebenen neuen Militärstrategie, die mit der „nuklearen Bedrohung“ Russlands und den „neuen Herausforderungen im Osten und Süden“ begründet wurde.

    Dabei mahnte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg Deutschland zu höheren Verteidigungsausgaben. Im Sputnik-Interview meinte Generaloberst Iwaschow: „Der Umstand, dass die Nato inzwischen immer öfter von einer russischen Gefahr spricht, und noch dazu im Zusammenhang mit der atomaren Problematik, zeugt nur davon, dass es innerhalb der Nato nicht so ungetrübt aussieht. Grund dafür ist aber nicht Russland, sondern die Frage, die sich heute viele Europäer stellen müssen: Brauchen sie die Allianz überhaupt? Wenn nicht, wozu sollte man dann Geld dafür ausgeben? Das Bündnis weist beim Erreichen der erklärten Ziele, etwa bei der Bekämpfung der Terrorismusgefahr, der Massenmigration und des Drogenhandels, keine greifbaren Erfolge auf.“

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: Deutsche Regierung will Bundeswehrmandat für Einsatz in Nahost verlängern – „Spiegel“<<<

    In den Hauptstädten der Nato werde, so der Geoanalytiker, immer häufiger die Frage aufgeworfen, „wer Europas Sicherheit gegen die realen Gefahren schützen würde“. Dabei erweist sich, dass gerade die Nato keinen Schutz vor diesen Gefahren bieten kann. „Die Nato-Mitgliedsstaaten steigern gegenwärtig ihre Ausgaben für Sicherheitsdienste der einzelnen Länder, dementsprechend sollten natürlich die Ausgaben für die nutzlose Nato gekürzt werden. So müssen Gefahren erfunden werden, um den Europäern Angst einzujagen, um die Allianz den USA als ihre Domäne vorzubehalten und die Leute zum Griff in den Beutel zu zwingen. Es bleibt nichts anderes übrig, als allen mit Russland Angst einzujagen.“

    Die Tatsache allerdings, dass von der Nato Kernwaffen ins Gespräch gebracht wurden, ist laut General Iwaschow für Russland günstig. „Wenn wir nämlich nur das strategische Atomgleichgewicht aufrechterhalten, werden wir mit dem Westen vergleichbar stark sein. Andere Trümpfe haben wir nicht, weder in der Wirtschaft noch bei den konventionellen Waffen, an denen uns die Nato deutlich übertrifft. Deshalb stellen für uns heute die Kernwaffen eine Sicherheitsgarantie dar und erhöhen Russlands internationalen Stellenwert.“

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: Roskosmos: Pentagon zerstört US-russische Beziehungen im All<<<

    General Iwaschow offenbarte noch ein Geheimnis: „Keiner der Nato-Mitgliedsstaaten will Krieg gegen Russland führen, da sie sich dessen bewusst sind, dass jeder bewaffnete Konflikt mit Russland in einer Katastrophe münden muss. Auch die USA wünschen sich keinen Krieg gegen Russland. Sie ziehen es vor, die Schiiten gegen die Sunniten, Indien gegen Pakistan kämpfen zu lassen und die Europäer in einen Konflikt mit Russland zu verwickeln. Ihre Strategie des „gelenkten Chaos“ lebt immer noch. Aber die Amerikaner selbst… Ich glaube nicht, dass sie einen Krieg im großen Stil gegen Russland vom Zaun brechen möchten, und erst recht nicht unter Einsatz von Kernwaffen.“

    Der Experte ist der Meinung, dass die Kriegshysterie und die militärischen Aktivitäten entlang der russischen Grenze vor allem mit der amerikanischen Wirtschaft zu tun haben, weil Trump sich ab seiner Wahl vorgenommen hat, die industrielle Größe der USA wiederherzustellen und die US-Wirtschaft auf die 6. Innovationsebene zurückzubringen. „Es gelingt ihm auch in mancher Hinsicht. Es gibt mehr Arbeitsplätze, die Arbeitslosenrate geht zurück, die Produktion beginnt zu wachsen. Er möchte aber nicht stark von der Fed mit ihrer Kreditpolitik abhängen und keine großen Anleihen machen. Er gibt sich Mühe, Geldbestände durch Lieferungen zu erwirtschaften. Dabei kann er sie unter anderem  etwa von eigenem Gas auf dem europäischen Markt bekommen, folglich muss er den Bau der russischen Pipelines, die iranischen Gaslieferungen usw. eindämmen.“

    Früher hatte der Nato-Generalsekretär Stoltenberg erklärt, Russland und die Nato hätten das richtige Verhältnis zwischen Macht und Dialog zu finden, war aber nicht in der Lage, den Zeitpunkt der Verbesserung ihrer Beziehungen vorauszusagen. Sowohl Russland, als auch die Nato geben oft zu, dass man der Deeskalation und Entspannung zusteuern muss, doch ist die Allianz nicht bereit, die militärischen Kontakte wiederaufzunehmen. Iwaschow berief sich auf die Nato-Russland-Grundakte, die vier Ebenen der Zusammenarbeit zwischen Russland und der Nato festlegt: gemeinsame Gefahreneinschätzung, gemeinsame Beschlussfassung, gemeinsames Vorgehen zur Neutralisierung von Gefahren und gemeinsame Friedenseinsätze. „Kaum hatte aber der Nato-Russland-Rat seine Tätigkeit aufgenommen, begannen die Luftangriffe auf Jugoslawien, und die Kontakte wurden eingefroren.“

    >>>Weitere Sputnik-Artikel: Arbeitsgruppe für S-400-Systeme: Trump nimmt Erdogans Angebot an – Medien<<<

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Zusammenarbeit, Entspannung, Deeskalation, Macht, US-Notenbank FED, Donald Trump, Kriegshysterie, Katastrophe, Konflikt, Krieg, Konventionelle Waffen, Gleichgewicht, Kräftegleichgewicht, Strategisches Gleichgewicht, Kernwaffen, Angst, USA, Drogenhandel, Migration, Terrorismus, Europäer, Gefahr, Interview, Deutschland, Jens Stoltenberg, Osten, Osten, Militärbedrohung, Raketenbedrohung, Bedrohung, Leonid Iwaschow, Akademie für geopolitische Probleme, geopolitische Interessen, geopolitische Gründe, Russland-NATO-Rat, US-Wirtschaft, Garantien, Russland, Russland, Europa, Erhöhung, NATO