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    Start der Trägerrakete Atlas V mit einem Satellit für US-Navy (Archiv)

    Spionage, GPS, Wetter und mehr: US-Militär längst im All aktiv – Fachmagazin

    © Foto: US Air Force/Pat Corkery
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    US-Präsident Donald Trump hat die US-Streitkräfte in den Kosmos befohlen und den Aufbau der „US Space Force“ angekündigt. Ob damit alte „Star Wars“-Pläne neu aufgelegt werden, wird sich zeigen. Das Fachmagazin „Flug Revue“ berichtet unterdessen darüber, was das US-Militär bereits im Kosmos treibt.

    Aus einer Flughöhe von 500 Kilometern können US-Spionagesatelliten ein Objekt von 12 Zentimeter Länge erkennen. Das US-Kriegsministerium Pentagon hat zwei dieser Satelliten vom Typ WFIRST der US-Raumfahrtbehörde NAS überlassen. Diese setzt sie als Weltraumteleskop ähnlich dem „Hubble“-Teleskop ein, wie das Fachmagazin „Flugrevue“ in einem Beitrag über US-Militärsatelliten berichtet.

    Das WFIRST-Teleskop hat dem Bericht in der aktuellen Magazin-Ausgabe 07/2019 nach einen ähnlich großen Hauptspiegel wie „Hubble“, mit 2,4 Metern. Ein solcher Satellit könne aber immer nur Schnappschüsse von der überflogenen Region machen und senden. Er sei nicht geostationär über der Erde platziert, von wo aus er eine Region fest im Visier hätte. Doch bei der dafür notwendigen Entfernung von 36.000 Kilometern wäre der Satellit zu weit weg für gute Bilder, so die „Flugrevue“.

    Bei Spionagesatelliten, die auch zur zivilen, wissenschaftlichen Erdbeobachtung eingesetzt werden könnten, komme es nicht nur auf die Auflösung an. Bei zu vielen Bildern entstehe auch eine zu hohe Datenmenge, die kaum beherrschbar sei. Die USA betreiben dem Magazin nach nur drei oder vier dieser Satelliten gleichzeitig.

    Hilfe von kommerziellen Partnern

    „Kleinere, billigere Satelliten erreichen zwar nicht die gleiche Auflösung, können aber größere Regionen beobachten.“ Zudem könnten mehrere von ihnen gleichzeitig eingesetzt werden, so dass eine Zielregion häufiger überflogen werden könne. Das US-Militär nutze dabei auch Satelliten von kommerziellen Anbietern, mit einer Auflösungsfähigkeit von 0,5 bis 5 Metern.

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    Diese Probleme gebe es bei Spionagesatelliten für Radiofrequenzen nicht. Sie würden geostationär über der Erde platziert und Funksignale auf der Oberfläche orten. Das helfe beim Schutz vor feindlichen Truppen. Das Abhören von Kommunikation im All sei aber schwieriger, wie es im Magazin heißt. Das erfolge mit gerichteten Parabolantennen und sei nur in der Nähe gegnerischer Zielsatelliten möglich. Das erleichtere wiederum Gegenmaßnahmen der ausgespähten Seite.

    Militärische Aktivitäten im All sind so alt wie die Raumfahrt seit dem Start von „Sputnik 1“ am 4. Oktober 1957. Fast alle Staaten, die bis heute aktiv Raumflugkörper in den Kosmos schicken, nutzen diese auch für militärische Zwecke.

    Nicht so geheim wie gedacht

    Der Beitrag in der „Flugrevue“ beschreibt außerdem, wie trotz Geheimhaltung Militärsatelliten beobachtet werden können. Das sei selbst Amateuren möglich, anhand von Raketenstarts, die nach internationalem Reglement gemeldet werden müssen, aufgrund gesperrten Flugraums oder durch das Aufspüren der Satelliten am Himmel.

    „Das Gleiche tut auch das Militär unter der Bezeichnung ‚Space Situational Awareness‘“, so das Magazin. Die Teleskope würden dabei durch leistungsfähige Radaranlagen ergänzt, die Teile bis etwa zehn Zentimeter Größe im Orbit erfassen könnten. Daten zu Trümmern würden zu dem öffentlich bekanntgemacht, um Kollisionen im All zu verhindern.

    Das US-Militär nutzt laut „Flugrevue“ neben Wettersatelliten Raumflugkörper vor allem für die eigene abhörsichere, verschlüsselte Kommunikation. Dafür würden ältere „Milstar“-Satelliten und das „Defense Satellite Communications Systems“ ebenso wie modernere „Satcom“- und AEHF- sowie EPS-Raumflugkörper genutzt.

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    Militär könnte GPS abschalten

    Geostationäre Orbits seien nur entlang des Erdäquators möglich, so das Magazin. Um die Regionen von Nord- und Südpol zu erreichen würden Satelliten in stark elliptischen, sogenannten Molniya-Umlaufbahnen platziert, benannt nach den früheren gleichnamigen sowjetischen Satelliten. Dabei bewegen sich die Satelliten in den erdfernen Etappen nur sehr langsam.

    Da es mit diesen Militär-Satelliten für die Kommunikation während des Krieges in Afghanistan und gegen den Irak 2003 Probleme wegen Überlastung gab, seien kommerzielle Systeme mitgenutzt worden. Dazu gehören laut „Flugrevue“ die in den 1990er Jahren gestarteten „Iridium“- und „Globstar“-Telefonie-Netzwerk-Satelliten. Diese kommerziellen Anbieter seien durch die Verträge des US-Militärs auch wirtschaftlich gerettet worden.

    Das bundesdeutsche Fachmagazin erinnert daran, dass das von vielen im Alltag mit dem Smartphone genutzte „Global Positioning System“ (GPS) auf Basis von US-Militärsatelliten funktioniert. „Im Ernstfall könnte GPS jederzeit vom US-Militär gestört oder abgeschaltet werden.“ Das militärische System werde seit 1983 auch zivil genutzt – nach dem Abschuss eines mutmaßlich verirrten südkoreanischen Zivilflugzeuges (Flug KAL 007) durch einen sowjetischen Kampfjet nahe Kamtschatka.

    Das Projekt des Mini-Shuttle X-37B und die wenigen Veröffentlichungen dazu zeigen laut „Flugrevue“, wie eng in den USA die zivile und militärische Raumfahrt miteinander verflochten sind. „Auf der ansonsten streng geheimen Mission wurde auch ein Hall-Effekt-Plasmatriebwerk für Aerojet-Rocketdyne getestet, das auch in kommerziellen Satelliten zum Einsatz kommen soll.“ (tg)

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    Tags:
    Krieg, Kommunikation, Sammlung, Daten, Hubble-Teleskop, Wetter, GPS, Satelliten, Spionage, Truppen, Weltraum, Star Wars, Donald Trump, USA