16:35 21 November 2019
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    Flugzeugträger USS John C. Stennis in der Straße von Hormus, 2019 (Archiv)

    Weltmacht gegen Iran: Einschätzung aus den USA zur möglichen Lageentwicklung

    © Foto: U.S. Navy/Mass Communication Specialist 2nd Class Joseph Miller
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    Das US-Militär schickt immer mehr Truppen und Kriegsgerät in und an den Persischen Golf. Sachkenner aus den US-Geheimdiensten und dem Pentagon schätzen die Folgen einer Eskalation im Nahen Osten ab. Amerikanische Fachblätter schreiben darüber, wie ein Konflikt mit Iran verlaufen könnte. Die Zeitung „Gazeta“ fasst die Lagebilder zusammen.

    Was könnte einen Krisenfall mit Iran auslösen? Wie würde der Konflikt verlaufen, wie würde er ausgehen? Über ein Dutzend Militärexperten und Pentagon-Mitarbeiter haben US-Journalisten dazu befragt, schreibt die Zeitung. Und die meisten Einschätzungen drehen sich hauptsächlich um die eine strategisch wichtige Meerenge: Die Straße von Hormus.

    „Ein heftiger Stoß erschüttert ein Schiff der US Navy, mitten in der Nacht, unweit der iranischen Küste. Ein iranisches Mini-U-Boot oder vielleicht eine Drohne hat zugeschlagen“ – so sieht das Fachportal „Defense News“ den Ausbruch eines militärischen Konflikts im Persischen Golf.

    Über mehrere Stunden nach der Explosion erklärt die iranische Führung, es sei keine absichtliche Attacke gewesen. Aber laut dem Portal versucht Teheran damit nur, die Weltöffentlichkeit zu täuschen. Über alle verfügbaren Kanäle tauschen Washington und Teheran Drohgebärden aus, wobei beide Seiten zugleich betonen, keinen Krieg zu wollen.

    Rund um amerikanische Einrichtungen in und außerhalb von Iran versammeln sich Anhänger der iranischen Regierung: Erst fliegen Steine, dann kommt es zu Anschlägen. Das US-Militär startet eine Gegenoffensive.

    Amerikanische Truppen verlegen zu Gefechtspositionen und zu Stützpunkten in den nahöstlichen Partnerländern. Cyberattacken folgen aufeinander, es kommt zu Stromausfällen. Amerikanische Spezialeinheiten und verbündete Gruppen schalten wichtige Ziele und Einrichtungen auf iranischem Gebiet aus.

    Gefechte zur See

    Statt eines Frontalangriffs gegen die US Navy setzt die iranische Marine einen Schwarm von Schnellbooten, Kampfdrohnen und Seeminen gegen die gegnerischen Streitkräfte ein – eine Taktik, die sich besonders für die enge Straße von Hormus eignet.

    Die iranischen U-Boote der „Fateh“-Klasse sind zusätzlich eine Gefahr für die Navy. Denn sie haben Boden-Boden-Raketen an Bord, die bis zu 2.000 km weit fliegen können.

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    Klein aber für die Navy auch gefährlich sind die U-Boote der „Ghadir“-Klasse. 23 dieser 115-Tonnen-leichten Mini-U-Boote hat die iranische Marine gegenwärtig. Die mit 18 Mann besetzte Submarine ist nur 2,5 Meter hoch, rund 3 Meter breit und 29 Meter lang. Mit Minen und zwei Torpedorohren bewaffnet, erreicht es unter Wasser ein Tempo von elf Knoten.

    „Die U-Boote der ‚Ghadir‘-Klasse sind sehr kompakt und können deshalb problemlos in den seichten Gewässern des Persischen Golfs operieren“, sagt der renommierte Militärexperte Bryan Clark vom Zentrum für Strategie- und Budgetprüfung CSBA. Außerdem: „Die iranischen U-Boote sind mit dem Sonar schwer zu orten, weil sie geräuscharm sind, wenn sie mit Akkus fahren.“

    Die Navy hätte im Persischen Golf indes nicht genug Platz für ein massives Manöver und könnte nur zeitverzögert auf einen Angriff der iranischen U-Boote reagieren, erklärt der Analyst. Und würde die iranische Marine der US-Armada auch nur geringfügig schaden, wäre dies in den Augen der Weltöffentlichkeit ein großer Erfolg für die iranische Führung.

    Einsätze am Boden

    Sich den Einsatz der US Army auf iranischem Boden als einen Vorstoß zahlloser „Abrams“- und „Stryker“-Panzer durch die iranische Wüste vorzustellen, wäre weithergeholt, schreibt die Zeitung. Natürlich wären amerikanische Bodentruppen an einem Konflikt mit Iran maßgeblich beteiligt, aber sicherlich nicht zur Intervention des Landes.

    Stattdessen würde die Army einen Verbund von Artillerieraketen und Flugabwehrsystemen aufstellen. Kampfhubschrauber würden dieses Netzwerk aus der Luft unterstützen. Den Rest übernehmen Spezialeinheiten, schreibt das Fachportal „Military Times“. Kommt es zum Waffenkonflikt zwischen den USA und Iran, „dann wird er bestimmt durch massiven Einsatz hochpräziser Waffen, durch die Entsendung einer kleinen Zahl von Sondereinsatzkräften und durch breitangelegte Cyberattacken“, sagt Militärexperte Dave Deptula vom Mitchell Institute for Aerospace Studies laut dem Portal.

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    Raketenstellungen zerstören, Kommunikationsleitungen kappen, den Nachschub behindern und Atomanlagen vernichten – das wäre im Konflikt die Mission US-amerikanischer Spezialeinheiten im Iran, sagt der Fachmann. Dazu gehören natürlich auch Erkundungseinsätze tief im Landesinneren und die Vorbereitung einer Infrastruktur für nachrückende Kräfte.

    Krieg aus der Luft

    Um Iran militärisch in die Knie zu zwingen, müssen die Vereinigten Staaten die Radar- und Flugabwehrstellungen des Landes gleich am Anfang des Konflikts entweder physisch vernichten oder durch den Einsatz elektronischer Systeme einsatzuntauglich machen. Dafür eignen sich in erster Linie Stealth-Flugzeuge. Sie würden die iranischen Fla-Systeme S-300 (aus russischer Fertigung) und die „Bravar“-Abwehrraketen ansteuern und ausschalten. Es ist in so einem Fall mit dem massiven Einsatz von F-22- und F-35-Kampfjets zu rechnen, schreibt „Defense News“.

    Militärexperte Dave Deptula präzisiert: Die iranische Flugabwehr ist ein Problem – aber ein lösbares. Die Airforce werde „schnell, hart und entschlossen“ zuschlagen. Nach „einigen Tagen oder Wochen“ wäre dieser Auftrag erledigt. Es wäre ein Einsatz wie die Operation „Wüstensturm“ gegen den Irak.

    Nur: Bei so einem Szenario würden Menschen im Iran sich unabhängig ihrer politischen Überzeugungen hinter der Führung im Teheran versammeln, um das Regime im Kampf gegen den äußeren Aggressor zu stützen, mahnen Experten aus den USA. Dann würde auch das iranische Atomprogramm neustarten. 

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    Tags:
    Luftabwehr, Szenario, Flotte, Straße von Hormus, Persischer Golf, Strategie, Geheimdienst, Naher Osten, Eskalation, Konflikt, Lage, Iran, USA