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19:47 21 August 2019
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     Japans Premier Shinzo Abe und der iranische Präsident Hassan Rohani bei dem Wirtschaftsforum in Davos 2014

    Iran contra USA: Europa auf der Seitenlinie, kann Japan helfen?

    © REUTERS / Denis Balibouse
    Politik
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    Bolle Selke
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    Außenminister Heiko Maas hat auf seiner Krisenmission in Teheran keine Erfolge erzielt. Iran und die USA überziehen sich im Atomstreit weiter mit Drohungen. Nun will Japan vermitteln: Könnte Premierminister Shinzo Abe mehr Erfolg haben?

    „Die Fronten zwischen den USA und den Iranern sind festgefahren“, sagt der Nah- und Mittelost-Experte Udo Steinbach im Sputnik-Interview. „Die Europäer haben gezeigt, dass sie sich auf der Seitenlinie befinden, da war also wirklich nichts zu erwarten“, beurteilt er den Besuch von Außenminister Heiko Maas Anfang der Woche.

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    Was kann Abe erreichen?

    „Der nächste Schritt wird sein, was der japanische Ministerpräsident zustande bringt. Der ist immerhin ein besserer Freund von Präsident Trump als die deutsche Seite, die sich von den USA entfremdet hat. Auch das war natürlich ein Handicap in den gestrigen Gesprächen. Als Vermittler kann Deutschland kaum auftreten.“

    Um den Konflikt zu entschärfen, will Japans Premier Shinzo Abe in den Iran reisen. An diesem Mittwoch wird er in Teheran erwartet. Aber auch da werden sich die Iraner schwerlich bewegen, so Steinbach. Das hänge mit der innenpolitischen Konstellation im Iran zusammen:

    „Da stehen sich Befürworter und Gegner gegenüber und schauen sich in die Augen. So sind die Spielräume der iranischen Regierung sehr gering.“

    „Trump steht am Anfang der Krise“

    Wo Abe etwas bewegen könne, wäre gegenüber Donald Trump. Immerhin hätten die beiden Golf miteinander gespielt, und US-Präsident Trump hat kürzlich Tokio besucht.

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    Steinbach betont aber, dass die USA das Atomabkommen verletzt und aufgekündigt hätten. Trump stehe am Anfang der Krise und habe auch den Wirtschaftskrieg entfacht. Nun würden sich alle Augen auf Teheran richten und fragen: Wie werden die Iraner reagieren? Wird es in Iran militärische Kräfte geben, die einen Konflikt vom Zaun brechen können, gerade weil sie den Krieg wollen?

    Können sich die Militanten im Iran durchsetzen?

    Der Islamwissenschaftler Steinbach sieht zwei mögliche Szenarien:

    „Die optimistischere Variante: Es kommt doch noch ein Deal zustande, wenn alle Beteiligten sehen, dass es nur Verlierer gäbe, falls es zu einem bewaffneten Konflikt käme. Iran wäre der Verlierer, die USA wären der Verlierer, Israel wäre der Verlierer, die ganze Region wäre der Verlierer und natürlich Europa mit seinen Flüchtlingsproblemen dann auch. Vor diesem Hintergrund darf man vielleicht auf die Einsicht setzen, dass es zu einem Deal kommt.

    Wenn das nicht der Fall ist, wenn die Europäer dann auch die Sanktionen wieder in Kraft setzen und die Iraner vollständig mit dem Rücken zur Wand stehen, dann könnten die Militanten im Iran, die immer gegen das Atomabkommen gewesen sind, die immer gesagt haben, es war eine Unterwerfung unter den Willen des Westens, unter den Willen der USA – dann könnten sie zur Aktion übergehen. Dann könnte es tatsächlich zu kriegerischen Handlungen kommen.“

    Dann werde man sehen, in welcher Weise sich dieser Konflikt möglicherweise zu einem Krieg in der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens hochschaukeln würde.

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    Das komplette Interview mit Professor Udo Steinbach zum Nachhören:

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    Tags:
    Mittlerer Osten, Westen, Westen, Wirtschaftssanktionen, US-Sanktionen, Sanktionen, Wirtschaftskrieg, Atomabkommen, Kräftekonstellation, Teheran, Konflikt, Donald Trump, Nahostregion, Nahosten, Nahost, Nahost, Udo Steinbach, Krise, Experte, Vermittlung, Shinzo Abe, Hassan Rohani, Heiko Maas, Drohungen, Atomstreitkräfte, Deutschland, Europa, Iran, USA, Japan