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18:45 20 Oktober 2019
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    Juso-Chef Kevin Kühnert (Archiv)

    „Kevin Kühnert hat nichts weiteres als Schnapsideen“ – Brandt-Berater Müller

    © AFP 2019 / MICHAEL KAPPELER
    Politik
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    Wenn die SPD mit falschen Leuten eine Partei gestalten und gleich regieren will, dann kann man sie laut dem einstigen Kanzler-Berater Albrecht Müller gleich begraben. An dem umjubelten Juso-Chef Kevin Kühnert, den, übrigens, anscheinend die Sputnik-Leser präferieren, lässt er im Sputnik-Gespräch kein gutes Haar.

    „Es ist interessant und bedrückend, wie Kevin Kühnert von den deutschen Leitmedien wie dem ‚Spiegel’ zum nächsten SPD-Vorsitzenden hochgeschrieben wird“, sagt der Volkswirt und Ex-Politiker der SPD Albrecht Müller, einst Berater der beiden Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt, gegenüber Sputnik. „Der Alfa-Kevin“ heißt übrigens die Titelgeschichte der letzten Spiegel-Ausgabe, die der 29-jährige Juso-Chef als furchtloser Aufmischer „seiner Partei und des Restes der Republik“ darstellt. Niemand stehe so sehr für die Disruption wie Kevin Kühnert, so die Botschaft, sein Wirken hinterlasse überall in der Hauptstadt Verunsicherung, selbst in der CDU steige die Nervosität. Auch die Mehrheit der Sputnik-Leser hat sich kürzlich für Kühnert als den künftigen SPD-Chef ausgesprochen.

    „Was hat denn dieser junge Mann für seine Partei schon geleistet da, wo er nun so gefeiert wird?“, fragt Müller zurück. „Er hat sich nur gegen die Groko profiliert, hat aber nie die Frage beantwortet, was die Alternative ist. Übrigens wollten die Jusos schon 1969 alles sozialisieren“.

    Auch Kühnerts vermeintlich linkes Image hält Müller für kalt kalkuliert, denn mit dem Schlagwort „demokratischer Sozialismus“ habe er eigentlich nichts Konkretes vorgeschlagen.

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    „Kollektivierung von Großunternehmen will er, ohne zu reflektieren, dass unsere größten Aktiengesellschaften unter dem Einfluss der ausländischen, vor allem der US-Investoren sind“, verweist der 81-jährige Volkswirt. Die neue Studie des Deutschen Investor Relations Verbands offenbarte kürzlich, was manche Wirtschaftsstrategen lieber verschweigen: Die Deutschland AG gehört nicht mehr den Deutschen. Es heißt: 85 Prozent des Dax befinden sich inzwischen in ausländischer Hand.

    Aber die mit Kühnert sympathisierenden Leute finden, dass bei ihm da zumindest etwas „sprudele“, wobei die anderen wortkarg und ideenarm da stehen würden, lässt sich auf Müllers Worte erwidern.

    „Kollektivierung ist wohl nur eine Schnapsidee“, kontert Müller darauf. Wie übrigens die einstige Idee von Kühnert, den Iran mit Militärschlägen zu überfallen, meint Müller weiter.

    Es gab sie dennoch vor ein paar Jahren, als sich die Berliner Jusos mit Kühnert als Landesvorsitzenden im Gegensatz zur Mutterpartei SPD für einen Militärschlag gegen den Iran ausgesprochen hatten, um dessen nukleare Aufrüstung zu stoppen. Heute schweige Kühnert bei Gefahr internationaler Konflikte mit, so Müller. Er wage es nicht, Außenminister Heiko Maas für dessen erfolgloses „Krisenmanagement“ zu kritisieren und spreche sich nicht für eine Entspannungspolitik, unter anderem gegenüber Russland, aus.

    „Soll das ein Nachfolger von Willy Brandt werden?“, fragt Müller und betont, die SPD brauche einen Menschen, der sich für eine gute Nachbarschaft mit allen Ländern einsetzen würde. Kevin Kühnert habe da keine Ideen. Außerdem kümmere er sich nicht um die soziale Sicherheit der "kleinen Leute", also jener Menschen ohne großes Finanzvermögen. Sich um die soziale Sicherheit der Mehrheit zu kümmern, müsste ein Anliegen der SPD sein. Kühnerts SPD wäre so profillos wie die heutige.

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    Am 24. Juni will der SPD-Vorstand das Verfahren für die Neuwahl der Spitze festlegen. Albrecht Müller sieht momentan in dem aktuellen Vorstand auch keinen, der die Spitzenrolle übernehmen könnte. Zwar würde er die Sache dem Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Stephan Weil, anvertrauen, aber auch eher mit Mühe und Not.

    Es müsse allerdings eine Person sein, die Mut habe, sowie konfliktbereit und sprachfähig sei. Hauptsache, es würde keiner aus der einseitigen Gruppe der Partei sein. „Das Elend der letzten Zeit war es nämlich, dass die konservativen Gruppen das Sagen haben und Ideen, mit denen man keine Wahlen gewinnt“, erklärte der Experte anschließend.

    Gegen Kevin Kühnert als SPD-Chef haben sich bisher schon Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) und der frühere Kanzlerkandidat der SPD Peer Steinbrück ausgesprochen. Die beiden bekannten sich allerdings dazu, Kühnert in zehn Jahren vielleicht doch unterstützen zu können.

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    Tags:
    Jusos, Kevin Kühnert, SPD, spd, Albrecht Müller