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08:49 22 August 2019
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    US-Kampfdrohne MQ-9 „Reaper“ (Archiv)

    Warnzeichen für Russland: USA verlegen Kampfdrohnen nach Polen

    © Foto: U.S. Air Force/Airman 1st Class Haley Stevens
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    Andrej Stanawow
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    Nichts Besonderes, nur aufklären und erkunden für die US Air Force. So hat das Weiße Haus die Pläne begründet, ein Geschwader unbemannter Fluggeräte in Polen zu stationieren. Es handelt sich um die Drohne MQ-9 „Reaper“. Dass diese Drohne nicht nur beobachten kann, versucht man zu verschweigen. Aber sie kann auch zuschlagen – präzise und tödlich.

    Das Wort „Drohne“ trifft es eigentlich nicht. Die MQ-9 „Reaper“ ist eher ein echtes Kampfflugzeug: 4,7 Tonnen schwer, mit einer Propellerturbine im Heck, mit hochmoderner Aufklärungstechnik und sechs Laststationen für tödliche Waffen. Über 100 dieser Maschinen stehen dem Pentagon gegenwärtig zur Verfügung. Und die Stückzahl steigt stetig.

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    Die MQ-9 kann sehr viel: Die Landschaft scannen und auf Armeekarten übertragen, hochauflösend fotografieren, im Dunkeln sehen, Entfernungen zwischen Objekten am Boden vermessen und bei Bedarf alle im US-Arsenal vorhandenen Präzisionsgeschosse auf die Objekte lenken, von der Lenkbombe bis zur Lenkrakete.

    Mit einer Tankfüllung kann die MQ-9 auf 15 Kilometer steigen und 6.000 Kilometer weit fliegen – oder 24 Stunden in der Luft patrouillieren. Höchstgeschwindigkeit: fast 500 Stundenkilometer. Gesteuert wird das Gerät von einer hochkomplexen Software, GPS-gestützt. Der Pilot, eigentlich Operator, sendet die Befehle per Satellit an das Fluggerät.

    Die Betreiber der „Reaper“ versuchen die Drohne vor allem als harmloses Aufklärungsgerät zu vermitteln. Dabei setzen die USA die Drohne regelmäßig zu präzisen Schlägen tief im Feindesgebiet ein: 2010, 2012 und 2016 wurden damit wichtige Al-Qaida-Leute getötet, in Afghanistan und Jemen. Auch sind diese Kampfdrohnen in Nordafrika, in Syrien, in der Ukraine und über dem Südchinesischen Meer gesichtet worden.

    „Höllenfeuer“: punktgenau, bei jedem Wetter

    Die Bewaffnung der „Reaper“ ist relativ bescheiden, aber für lokale Missionen der US Air Force absolut ausreichend. „Hellfire“-Raketen sind Standard. Außerdem kann die „Aufklärungsdrohne“ GPS-gesteuerte Gleit- und Lenkbomben aufnehmen: die GBU-12 „Paveway“ zum Beispiel oder de JDAM (Joint Direct Attack Munition). Sie treffen ihre Ziele bei jedem Wetter mit geringster Abweichung.

    In Irak und Afghanistan haben die US-Truppen gelernt, die MQ-9 unter den verschiedensten Kampfbedingungen einzusetzen. Sie haben die Regierung davon überzeugen können, dass Drohnen auf Bodenziele ebenso gut einwirken können wie bemannte Kampfjets. Und dies – das ist der Vorteil – ohne das Risiko von Personalverlusten.

    Für die nahe Zukunft plant das Pentagon, die MQ-9 mit Luft-Luft-Raketen zu bestücken, damit die Drohne sich im Einsatz vor Abwehrraketen oder Abfangjägern schützen kann. Auch die Fähigkeiten im Bodenkampf sollen erweitert werden.

    Mit der GBU-39, einer sog. Kleindurchmesser-Bombe, wird die „Reaper“ Wertziele auf lange Distanz bekämpfen können, ohne in den Wirkungsbereich der gegnerischen Flugabwehr fliegen zu müssen. Gegenwärtig wird diese Bombe nur von amerikanischen Jagd- und Stealth-Flugzeugen eingesetzt.

    Russlands belastende Nachbarn

    Ob ein MQ-9-Geschwader in Polen eine große Gefahr für Russland sein wird, sei dahingestellt. Zu einer Belastung wird die Verlegung der Drohne auf jeden Fall. Vor allem für das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen Russland und der Nato, betonen Experten.

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    „Für die Flugabwehr ist die Drohne ein schweres Ziel. Kleine Radarsignatur, geringe Geschwindigkeit. So ein Gerät zu orten und zu begleiten ist sehr schwierig, vor allem in geringen Höhen“, sagte der Militärexperte Michail Chodarjonok im Sputnik-Gespräch.  Eine Gefahr sei aber nur gegeben, wenn die Drohne in den russischen Luftraum eindringe. „Ich denke, dazu wird es nicht kommen“, so der Experte.

    Ohnehin ist die Nato unter US-Führung unermüdlich dabei, an der russischen Westgrenze zu spionieren, erinnert der Militärexperte Wiktor Murachowski. „Strategische Aufklärungsdrohnen ‚Global Hawk‘, Aufklärungsjets RC-135 und Seefernaufklärer tauchen sehr regelmäßig an Russlands westlichen Grenzen auf. Die MQ-9-Drohne wird diese Einsätze nicht wirklich aufwerten können.“

    Ein MQ-9-Geschwader, das sind nach Einschätzung von Fachleuten allerhöchsten zwei Dutzend Fluggeräte. Keine große Schlagkraft. Das Problem dabei ist jedoch weniger die Anzahl der Maschinen als deren Verlegung in die Nähe der russischen Grenzen.

    Der Entschluss dazu steht fest: Präsident Trump und sein polnischer Amtskollege Duda haben am Mittwoch ein entsprechendes Dokument unterzeichnet. Dies allein ist schon als Warnzeichen an Russland zu werten. Das russische Außenministerium zeigte sich jedenfalls sehr besorgt und bezeichnete das amerikanisch-polnische Vorgehen als einen „schweren Schlag gegen eine der Hauptbestimmungen der grundlegenden Russland-Nato-Akte“.

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    Lenkbombe, Fotografieren, Waffen, Verlegung, Stationierung, US-Verteidigungsministerium, Pentagon, Pentagon, US-Luftstreitkräfte, US-Luftwaffe, Fluggeräte, Geschwader, Drohne, Reaper, MQ-9 Kampfdrohne, Kampfdrohne, Russland, Polen, USA