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08:45 22 August 2019
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    Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton (l.), die ehemalige Staatssekretärin Madeleine Albright (i.d.Mitte) und der Präsdient von Kosovo Hashim Thachi (r.) bei der Eröffnung des Denkmals von Madeleine Albright

    Kosovo: Balkan-Disneyland von Clinton und Albright

    © REUTERS / Florion Goga
    Politik
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    Nikola Joksimovic
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    Ex-Präsident Bill Clinton und die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright werden im Kosovo als Helden gefeiert. In Pristina wurden Denkmäler von ihnen aufgestellt und Straßen nach ihnen benannt. Dieser Tage reisten beide nach Pristina, um den vor 20 Jahren vor der „Barbarei der Serben“ geretteten kosovarischen Albanern zu gratulieren.

    Ihnen zufolge ist das Kosovo ein prosperierendes zivilisiertes Land, ein Beispiel des Sieges von Demokratie und Wohlstand. Also ein wahres Disneyland. Was die kosovarischen Serben dazu sagen, die das Glück haben, in dieser märchenhaften Provinz zu leben – darüber lesen sie in diesem Artikel.

    Sputnik-Serbia-Korrespondent Nikola Joksimovic reiste nach Pristina und Gracanica und schaute sich an, wie dieses Jubiläum gefeiert wurde und wie man lebt.

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    Am 12. Juni wurde in Pristina der 20. Jahrestag des Einzugs der Nato-Friedenstruppen im Kosovo gefeiert. Auf dem Skanderberg-Platz (Georg Kastriota – Nationalheld Albaniens, Anführer des antiosmanischen Aufstandes im 15. Jh,), früher Karadorde-Platz (Dorde Petrovic – serbischer Nationalheld, der den Ersten Serbischen Aufstand gegen das Osmanische Reich Anfang des 19. Jh. leitete) versammelten sich hochrangige Gäste – der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright, General Wesley Clark, der die Nato-Kräfte im Kosovo während der Angriffe gegen Jugoslawien 1999 leitete, der ehemalige kroatische Präsident Stipe Mesic, die ehemaligen Anführer der terroristischen Befreiungsarmee des Kosovo, Hashim Thaci und Ramush Haradinaj.

    In dieser Zeitmaschine, die alle Interessierte in die Clinton-Ära zurückkatapultiert, waren auch der jetzige albanische Premier Edi Rama und der Berater des derzeitigen US-Außenministers, Matthew Palmer, anwesend. Letzterer reiste wohl an, um den Staatsbürgern der selbst ausgerufenen Republik als Gesandter der jetzigen Trump-Administration oder als Vertreter von „deep state“ zu gratulieren.

    Die Anführer des teilweise anerkannten Kosovo und seine hochrangigen Gäste aus fernen Ländern und alten Zeiten zeichneten von ihrer Tribüne ein Bild eines märchenhaften Wohlstandes und Fortschrittes des „jüngsten Staates Europas“. Die Gäste aus Übersee bezeichneten das Kosovo feierlich als Meister der Demokratie, Menschenrechte und Multiethnizität, verzeichneten seinen „unglaublichen Fortschritt“, zählten das Kosovo zu den „wenigen Ländern in Europa, die ein Wirtschaftswachstum vorweisen“ und betonten, dass das Kosovo ein „vollwertiges Mitglied der Familie der zivilisierten Völker wurde“.

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    Madeleine Albright hat einen Orden und ein Denkmal in Pristina bekommen (das nach Einschätzung einiger Serben dem Tito-Denkmal sehr ähnelt). Danach sagte sie, dass die Kräfte, die für Demokratie und Menschenrechte gekämpft hätten, während des Nato-Einsatzes 1999 die „Barbaren“ besiegt hätten.

    Das Bill-Clinton-Denkmal gibt es in der selbsternannten Republik schon seit zehn Jahren, also seit 2009. Außerdem trägt ein Boulevard im Stadtzentrum seinen Namen. Neuerdings trägt der ehemalige US-Präsident zudem den kosovarischen Orden der Freiheit. „Sie sind unser Held“, sagte der Präsident von Kosovo, Hashim Thaçi, dem früheren US-Präsidenten.

    „Fragen Sie mich lieber nicht, denn was ich sage, darf man vor laufender Kamera nicht sagen“, erwiderte der erste Passant auf unsere Frage, was er von den Worten Clintons, Albrights, Clarks und Palmers hält, wie glücklich er sei, im Kosovo zu leben. Offen gesagt, ist es ziemlich typisch, dass Menschen sich weigern, die Situation in der Region zu kommentieren, weil ihnen quasi die nötigen Worte fehlen.

    „In Pristina haben sich heute Personen versammelt, die dazu beigetragen hatten, dass eine terroristische Organisation zur legitimen Macht aufgestiegen ist“, sagte ein Passant in Gracanica auf die Frage der Sputnik-Korrespondenten. „Clinton und Albright sind so gut wie der Vater und die Mutter von Thaçi und Haradinaj.“

    „Albright und Clinton sollten Mal aufs Land fahren, um zu sehen, wie die Albaner leben. Und über uns Serben müssen wir erst gar nicht reden. Ihnen und uns hat man sehr viel Übel zugefügt – ihnen geht es auch schlecht, aber sie wagen es nicht, das offen zu sagen“, sagte ein anderer Befragter. „Ich kenne Albaner, die hier seit jeher leben, mit denen ich noch gemeinsam zur Schule ging und Fußball spielte. Ich glaube nicht, dass sie der Behauptung zustimmen würden, sie leben in einem gedeihenden Land.“

    Ein dritter Passant sagte, dass einfache kosovarische Albaner, die mit der Macht und mit kriminellen Kreisen nicht verbunden seien, noch schlimmer als die kosovarischen Serben leben würden. Als der Korrespondent erwähnte, dass auf dem Weg aus Kosovska-Mitrovica nach Pristina viele Wohnhäuser an den Straßenrändern stehen, erwiderte er, dass diese Häuser überwiegend leer stünden:

    „Fahren Sie einmal diesen Weg entlang und sehen Sie selbst. Alle Rollläden sind heruntergelassen – da gibt es niemanden, weil alle ins Ausland gezogen sind.“

    Mehrere von Sputnik Serbia befragte Menschen stellen sich nach ihren Worten die Frage: „Was haben diese Mörder, die uns bombardierten, auf serbischem Boden zu suchen?“

    „Sie sollten sich lieber mit ihrem eigenen Land befassen – und sie wollen den Albanern helfen. Sie sich auch richtige Mörder. Demokratie kommt hier nicht einmal in Frage – das sind alles Lügen. Wie kann man denn überhaupt von Demokratie reden? Da wurde ja niemand verhaftet! Haradinaj und Thaçi sind die Hände mit Blut beschmutzt“, sagte eine Dame auf die Sputnik-Frage.

    Viele Einwohner Gracanicas zeigten sich überzeugt, dass eine multinationale Gesellschaft bei einem solchen Druck auf die Kosovo-Serben unmöglich ist, die von ihrem Heimboden mit allen möglichen Mitteln vertrieben werden.

    Selbst sehr junge Menschen in einem Café, die behaupteten, sie würden sich für Politik gar nicht interessieren und offensichtlich nach 1999 geboren wurden, halten den Besuch Clintons und Albrights für eine Provokation gegen die Serben.

    „Wozu sind sie denn gekommen. Sie wollen wohl nur Geld teilen“, vermutete einer der jungen „Experten“ in Gracanica.

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    Tags:
    Doppelstandards, Diskriminierung, Genozid, Serbe, Terroristen, Besuch, Denkmal, NATO, Hashim Thaci, Ramush Haradinaj, Madeleine Albright, Bill Clinton, Pristina, Balkan, Jugoslawienkrieg, Jugoslawien, Albanien, Serbien, USA, Kosovo