00:25 21 November 2019
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    Sitzung des deutschen Bundestags (Archivbild)

    Bundestag berät Organspendegesetze: Experten uneins

    © AP Photo / dpa / Ralf Hirschberger
    Politik
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    In erster Lesung debattiert der Bundestag am Mittwoch über Gesetzentwürfe zur Neuregelung der Organspende. Die beiden Entwürfe von zwei parteiübergreifenden Initiativen vorgeschlagen. Was spricht für die jeweiligen Regelungen?

    Der erste Entwurf zur Organspende wurde von den Abgeordneten Karl Lauterbach (SPD), Georg Nüßlein (CDU/CSU), Petra Sitte (Die Linke) und Jens Spahn (CDU/CSU) erarbeitet. Kernpunkt dieser parteiübergreifenden Initiative ist insbesondere die sogenannte „doppelte Widerspruchslösung“. Das heißt, alle Personen ab 18 Jahren sollen ausführlich informiert und als Spender registriert werden, es sei denn, sie widersprechen. Im Zweifel sollen Angehörige gegen eine Organspende entscheiden können, wenn sie glaubhaft machen können, dass der Betroffene kein Spender sein wollte.

    „Klares Signal für die Organspende“

    Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) begrüßt den Gesetzesvorschlag. Der Medizinische Vorstand der DSO, Axel Rahmel sagt dazu:

     „Der Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung, wenn er von Politik und Gesellschaft mitgetragen wird, setzt ein klares Signal für die Organspende. Das wäre ein weiteres Zeichen dafür, dass die Menschen in Deutschland hinter der Organspende und Transplantation stehen. Gleichzeitig würde ein starker Anreiz gesetzt, sich aktiv mit dieser wichtigen Frage auseinanderzusetzen und eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung zu treffen.“

    Der Kardiologe Rahmel betont, dass laut Umfragen zwar über 80 Prozent der Deutschen hinter der Organspende stehen würden, aber nur etwas mehr als ein Drittel der Bevölkerung diese Entscheidung dokumentiert hätte. Durch die neue Regelung würde das Denken an die Organspende und das Fragen danach in den Kliniken zur Selbstverständlichkeit. Damit wäre gewährleistet, dass der Wille des Verstorbenen am Lebensende umgesetzt wird.

    „Vertrauen ins System unterminiert“

    So positiv wie die DSO sehen nicht alle die „doppelte Widerspruchslösung“. Im Deutschlandfunk (Dlf) nannte der Vorsitzende des Ethikrats, Peter Dabrock, die Pläne der Politiker „unnötig und schädlich“.

    Zwar habe er selbst auch einen Organspendeausweis, denn er erachte die Organspende selber als einen Akt der Solidarität oder, „im Christentum gesprochen, der Nächstenliebe mit schwerstkranken Menschen.“ Trotzdem hält der Theologe Dabrock die Widerspruchslösung bei einem so wichtigen Thema für „unnötig und auch schädlich.“ Er erklärt:

    „Ich finde sie unnötig, weil man im Grunde die Effizienz der Organgewinnung nahezu überhaupt nicht steigert. Sie ist schädlich, weil sie das Vertrauen in das System, das ja nun wirklich schon prekär ist, noch mal unterminiert, weil im Grunde jetzt nicht mehr gilt: Zustimmung – Spende. Sondern jetzt ist jeder, der sich nicht ausdrücklich dagegen artikuliert, automatisch ein Organspender, und damit wird für mich der Körper nach dem Hirntod zu einem Objekt der Sozialpflichtigkeit. Das kann nicht richtig sein und es gibt mildere Mittel.“

    Dabrock favorisiert den Gegenentwurf von Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen), Karin Maag (CDU/CSU), Hilde Mattheis (SPD), Katja Kipping (Die Linke), Otto Fricke (FDP), Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90/Die Grünen), Stephan Pilsinger (CDU/CSU), Heribert Hirte (CDU/CSU), Ulla Schmidt (SPD) und Kathrin Vogler (Die Linke), der auf eine bewusste und freiwillige Entscheidung der Menschen und deren ausdrückliche Zustimmung zur Organspende setzt. Bürger sollen etwa bei der Beantragung eines Personalausweises automatisch über die Organspende informiert werden. Wenn sie das Dokument abholen, sollen sie gebeten werden, sich zu entscheiden.

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    Tags:
    Bundestag, CDU, Jens Spahn, Karl Lauterbach, Ostdeutschland, Organspende