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20:13 20 Juli 2019
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    Proteste in der georgischen Haupstadt Tiflis, 20. Juni 2019

    Von Lira okkupiert: Von wem Georgien wirklich Stück für Stück ausverkauft wird

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    Politik
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    Robinson Natchkebia
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    „Okkupiert“ durch kauffreudige russische Oligarchen und Touristen? Von wegen. Einige Stadtviertel der am Schwarzen Meer gelegenen georgischen Stadt Batumi ähneln zunehmend türkischen Städten. Woher diese Nähe der georgischen Region zur Türkei kommt und wieso da das „imperialistische“ Russland eher keine Rolle spielt.

    Während der Unruhen in Tiflis wurde unter Protestierenden ein interessantes Thema besprochen, das eine Woche zuvor von Senior Director des Penn Biden Center for Diplomacy and Globale Engagement, Michael Carpenter, erläutert wurde, der zuvor von der Mutter des ehemaligen georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili nach Tiflis eingeladen worden war.

    Bezüglich des Einflusses Russlands auf die postsowjetischen Länder sagte Carpenter, dass Georgien den Strom der russischen Touristen einschränken müsse. Das sei ja auch eine „Form der Besatzung“. Man wache irgendwann mal auf und merke, dass man nicht zu 20, sondern gar zu 100 Prozent besetzt sei.

    Einige radikale Kräfte behaupteten daraufhin sofort, dass die Russen ja ohnehin schon fast komplett alle Immobilien in Georgien ausverkauft hätten. Waren es aber tatsächlich die Russen? Wer und wie seit vielen Jahren in Georgien auf Shoppingtour geht – das erklärt Sputnik Georgia in diesem Beitrag.

    Irgendwas mit Immobilien

    „Sie sind sehr sauber, freundlich … Nicht gierig … Der Eigentümer vom letzten Geschoss schenkt mir immer etwas zu Feiertagen … Und als mein Sohn einmal das Bein gebrochen hatte, gaben andere Eigentümer von der dritten Etage Geld für die Behandlung … ich habe hier vier Eigentümer, alle sind nett … sie sprechen nur Türkisch, ich habe es fast schon gelernt. Wenn ich was nicht verstehe, dann kommt der Sohn und übersetzt“, erzählt Ziala.

     Türkische Geschäfte, Cafés und Restaurants in Batumi
    © Sputnik / Seyran Baroyan
    Türkische Geschäfte, Cafés und Restaurants in Batumi

    Sie ist Haushaltshilfe und arbeitet hier seit 20 Jahren. Ihr Diplom für Biologie blieb in der sowjetischen Vergangenheit, zusammen mit dem geschlossenen Labor.

    Sie hatte Glück mit der Wohnung. Das alte Haus wurde abgerissen. Natürlich ist sie nostalgisch, doch allen Nachbarn wurden dann Wohnungen in einem neuen Hochhaus gegeben, in der Nähe der alten Bleibe, wo jetzt ein türkisches Einkaufszentrum in die Luft ragt. Von den insgesamt 40 Wohnungen stammen sieben Familien aus dem abgerissenen Haus, einige Wohnungen stehen leer, sie wurden von Einwohnern aus der Hauptstadt Tiflis gekauft. Die kommen aber auch nur im Sommer. Das halbe Haus wurde von Türken gekauft. Innerhalb der letzten Jahre ließen sich hier rund 20 Familien nieder.

    „Alles ist gut. Man hat ein Zuhause, den Job in der Nähe – wir sind vier Nachbarinnen aus dem alten Haus und arbeiten alle in den Wohnungen der Türken. Sie verhalten sich respektvoll. Ich habe Glück“, sagt Ziala und macht Tee auf türkische Art.

    Über die Zahl der Wohnungen, die in den letzten Jahren von Türken in Batumi gekauft wurden, gibt es keine statistischen Angaben. Doch türkische Familien sind da fast in allen Neubauhäusern zu finden, die Altstadt interessiert sie weniger. Dort werden Immobilien nicht für Wohnungen, sondern fürs Geschäft gekauft.  Gewöhnlich wird eigenes Personal mitgebracht, die Einheimischen werden vorwiegend als weniger qualifizierte Fachkräfte genutzt.

    Wie die Geschäfte laufen

    Die Kutaissi-Straße in Batumi wird seit langem türkisches Viertel genannt. Die türkische Sprache ist hier öfter als die georgische zu hören. Auf einer nahe gelegenen Straße befindet sich eine Moschee. Die ganze Straße ist voll von Neon-Schildern. Ab einem bestimmten Zeitpunkt vergisst man sogar, dass man in Georgien ist.

     Türkisches Restaurant in Batumi
    © Sputnik / Stringer
    Türkisches Restaurant in Batumi

    „Trinken Sie bitte. Zumal es jetzt sehr heiß ist. Wir trinken immer Tee, und Sie bitte auch“, sagt Omar Faruk. Er sitzt in einem Restaurant, das einem Freund von ihm gehört.

    „Warum gibt es von euch so viele in Batumi? Gibt es daran etwas Besonderes?“, frage ich direkt.

    „Hier ist es einfacher, ein Geschäft zu führen, weil sehr vieles fehlt, was in der Türkei schon seit langem vorhanden ist. Dort gibt es ja jetzt fast alles – Geschäfte, Fabriken, Hotels, Restaurants. In Batumi entwickeln sich die Wirtschaft und Infrastruktur erst jetzt“,  so Faruk. Deshalb sei das  Geschäft hier gewinnbringend.

    „Man kann anbieten, womit man die Besucher noch erstaunen kann.“

    Zudem sind die Steuern in Georgien niedriger als in der Türkei, die Arbeitskräfte jedoch billiger.

    „Das Bedienungspersonal in Georgien kostet maximal 10 Dollar pro Tag, in der Türkei sind es 20 bis 30 Dollar. Auch das Wohnen ist hier noch billiger“, erzählt Faruk.

    Omar Faruk
    © Sputnik / Stringer
    Omar Faruk

    „Das Leben ist günstiger, das Geschäft ist einfacher zu führen, alle herum sprechen deine Muttersprache – das Leben ist toll, ich fühle mich wie zu Hause. Hotels, Restaurants, Hostels und Fastfood-Ketten gehören in diesem Stadtviertel den Türken. Das Personal stammt aus der Türkei, nur Kellnerinnen kommen aus Georgien.“

    Was die Geschichte sagt

    Bis zu den 1920er-Jahren gab es die georgische Region Adscharien ja gar nicht. Die Felsschlucht des Flusses Adschariszqali wurde genauso wie die Gebiete südlich und östlich als „Muslim-Georgien“ bezeichnet. Ein Teil des muslimischen Georgiens gehörte 1878 noch dem Russischen Reich (Kreise Batumi und Achalziche), ein anderer Teil – dem Osmanischen. Das Autonomiegebiet Adscharien entstand erst nach dem Abschluss des Vertrags von Kars im Jahre 1921, wo die Forderung der Türken nach Bereitstellung der Autonomie für muslimische Georgier umgesetzt wurde.

    Die Sowjets sorgten strikt für die formelle Beibehaltung des Vertrags. Alle Gespräche über die Auflösung der Autonomie wurden bekämpft. Noch unter sowjetischer Macht, im Frühjahr 1989, wurde dann die Grenze zur Türkei geöffnet. Für eine bestimmte Zeit erwies sich Batumi als eines der zwei Fenster ins „kapitalistische Paradies“ für sowjetische Menschen. Das zweite Fenster war Leningrad nach Finnland. Direkt an der Grenze hängten die Türken ein riesiges Banner mit einer Aufschrift in russischer Sprache auf: „Liebe Gäste, Sie sind in der Türkei angekommen, hier kann man frei handeln. Die Polizei wird euch schützen statt verfolgen.“

    Aus der Sowjetunion wurden Kinderspielzeuge, Optik, Fotogeräte, Uhren und Gold in die Türkei geliefert. Aus der Türkei in die Sowjetunion: Lebensmittel und Kleidung, besonders Lederjacken. Etwas später schlossen sich Großakteure diesem Procedere  an – in die Türkei wurden in Waggons Holz, Metall, Erz und sogar militärische Erzeugnisse geliefert. Im Frühjahr 1991 deckte die sowjetische Staatsanwaltschaft zusammen mit dem KGB Lieferungen in die Türkei via Batumi auf.  In der damaligen Zeit konnten sich die sowjetischen Zollbeamten unglaublich bereichern. 

    Zu dieser Periode gehört auch der Beginn der Ausbildung religiöser Fachkräfte für die Moscheen in Adscharien in der Türkei. Davor waren das ja alles parteitreue „Towarischtschi“ - Absolventen der damals bekannten Mir-Arab-Madrasa im sowjetischen Buchara.

    Doch alles Gute endet schnell, der Prozess des Zerfalls der Sowjetunion und der Erosion des Systems der Staatsmacht führte zum Bruch der Wirtschaftsverbindungen zwischen den Unionsrepubliken. Fortan schwangen die Kriminellen das Zepter, die das allgemeine Chaos nutzten und viel Geld machten, beispielsweise durch das „Fenster in die Türkei via Batumi“. Zu den traditionellen Touristen- und Warenströmen kamen Menschen- und Drogenhandel hinzu.

    Problem bis heute sehr aktuell

    Der Anführer des „Georgischen Marsches“, Sandro Bregadse, sagt, dass sich die türkische Expansion besonders stark auf den „Schwarzmärkten“ zeigte. Der Marsch ist eine Bewegung gegen durch Migranten begangene „illegale Handlungen“ und organisiert in der georgischen Hauptstadt seit einigen Jahren schon Kundgebungen.

    „Das betrifft insbesondere den Menschenhandel, Drogenverkehr … Wenn Sie nach Batumi kommen, sehen Sie die große Kutaissi-Straße, dort gibt es sehr viele zweifelhafte Lokale, die von den Türken kontrolliert werden“, sagt Bregadse.

    Seine Worte werden durch die Berichte des Innenministeriums Georgiens bestätigt – da kommen oft Berichte über die Festnahme türkischer Staatsbürger wegen der „Beihilfe zur Prostitution“.

    Was Politik betrifft

    Im  Frühjahr 1991 gab es den ersten Versuch der politischen Einmischung der Türkei in die Angelegenheiten Adschariens. Der Anlass war die Ernennung von Aslan Abaschidse zum Vorsitzenden des Obersten Rats Adschariens – die Wahl soll unter dem Druck des damaligen Präsidenten Swiad Gamsachurdia gestanden haben. Gegen diese Ernennung traten plötzlich Kommunisten und muslimische Geistliche auf. In Batumi kam es zu Unruhen, für einige Zeit wurde sogar das Gebäude des Obersten Rats besetzt.

    Dass hinter den muslimischen Geistlichen türkische Sicherheitsdienste standen, war in Batumi zu dem Zeitpunkt schon lange ein offenes Geheimnis. Damals hatte Aslan Abaschidse es noch geschafft, an der Macht zu bleiben, schenkte den Türken aber bis zum Ende seiner Karriere keinen Glauben, auch die Sicherheitsbehörden bemühten sich darum, Versuche eines politischen Einflusses der Türkei zu untergraben.

    Die Türken kommen …

    Türkische Geschäftsleute tauchten in Adscharien erstmals zu Beginn der 1990er Jahre auf. Das erfolgte auf eine ziemlich natürliche Art – türkische Unternehmer gewährten ihren Partnern in der Region große Kredite für Waren. Sie nahmen auch aktiv an der Bildung einer Wirtschaftselite in der Region teil, die später als eine Art Plattform für die Verbreitung ihres wirtschaftlichen Einflusses auf Georgien genutzt wird.

    Doch zu dem damaligen Zeitpunkt wurden große türkische Unternehmen in die Region nur streng dosiert zugelassen. Ein großes Objekt war die Bekleidungsfabrik Batumi, die nach dem Erwerb durch die Türken modernisiert wurde und westliche Marken ausschließlich für den europäischen Markt produzierte.

    Ex-Vorsitzender des Obersten Rats Adschariens, Aslan Abaschidse
    © Sputnik / Alex Magnus
    Ex-Vorsitzender des Obersten Rats Adschariens, Aslan Abaschidse

    Damals wurden nahe der Moschee auch einige türkische Restaurants eröffnet. Das war’s wohl. Aslan Abaschidse betonte damals: Sollte er den Türken nur einen Flecken adscharischen Bodens verkaufen, würde ganz Adscharien verloren gehen. Bemerkenswert ist auch, dass die Türken auf dem restlichen Territorium Georgiens damals viel aktiver waren.

    Die Türken kümmerten sich auch um die „Seele“. Dutzende Jugendliche wurden an religiösen Hochschulen der Türkei ausgebildet. Seit Mitte der 1990er Jahre ersetzten die mit der Türkei verbundenen Geistlichen vollständig die „Alten aus Buchara“. Während die Jugendlichen in Batumi während der nationalen Befreiungsbewegung zur Orthodoxie wechselten, ist der Islam in Adscharien nicht nur geblieben, sondern festigte auch seine Positionen – das geschah in vielerlei Hinsicht dank türkischen religiösen Kräften.

    Die Einwohner von Gebirgs-Adscharien sind zwar nicht so zahlreich, jedoch eng miteinander verbunden und leicht zu mobilisieren. Abaschidse musste auf sie Rücksicht nehmen, er baute sogar ein Minarett nahe der alten Batumi-Moschee.

    Daraus kann man schlussfolgern, dass die Türken vor 2004 in Adscharien zwar natürlich vor Ort waren, doch sehr begrenzt. Ihre Aktivitäten wurden absichtlich durch die Behörden begrenzt, das türkische Business fand keine guten Bedingungen zur Entwicklung vor.

    Revolutionärer Start-Up

    Die Situation änderte sich nach der Rosenrevolution. Während der Vertreibung Abaschidses aus Adscharien war die Position der Türkei „vorsichtig neutral“. Allerdings war es eine offizielle Position – die Einwohner des muslimischen Adschariens waren einer der Antriebsfaktoren der „adscharischen Rosenrevolution“.

    Türkische Unternehmen sahen als Erstes neue Möglichkeiten der Türkei, vor allem in Adscharien. Das erste mit viel Tamtam angekündigte türkische Projekt war der Bau des Hotels Sheraton 2006. Es war die erste Luxus-Herberge einer Hotelkette in der Stadt, wo noch nicht einmal alle Infrastrukturprobleme gelöst wurden – Wasserversorgung, Stromversorgung, Verkehrsverbindungen.

     Türkische Geschäfte, Cafés und Restaurants in der Hauptstadt von Adscharien
    © Sputnik / Seyran Baroyan
    Türkische Geschäfte, Cafés und Restaurants in der Hauptstadt von Adscharien

    Zugleich sah das türkische Geschäft in der liberalen Gesetzgebung damals eine gute Möglichkeit für Glücksspiele, zu denen ihre Landsleute geneigt waren. 1997 hatte die türkische Regierung das Glücksspielgeschäft im Lande verboten, die danach gekommenen Vertreter des politischen Islams ließen keine Hoffnungen bestehen, dass dieses Verbot irgendwann aufgehoben wird. Für die türkischen Unternehmen wurden die Investitionen ins Glücksspielgeschäft eine sichere Investition, der Glücksspiel-Tourismus aus der Türkei wurde eine der wichtigsten Tourismus-Richtungen der Region.

    Experten zufolge wurde unter Saakaschwili türkischen Staatsbürgern massenhaft die georgische Staatsbürgerschaft gewährt.

    „Die adscharische Autonomie verwandelte sich de facto in eine Arena der türkischen Expansion“, meint der ehemalige georgische Parlamentsabgeordnete Dmitri Lortkipanidse.

    „Im Oktober 2012, als ich Parlamentsabgeordneter war, stellte sich heraus, dass nur innerhalb eines Monats, vom 2. September bis zum 2. Oktober, auf unmittelbare Anordnung des Präsidenten Georgiens 2233 Staatsbürger der Türkei die georgische Staatsbürgerschaft bekamen. Stellen Sie sich nur vor, es handelt sich nur um einen Kalendermonat! Wenn man sich die Lage innerhalb einiger Jahre vorstellt ... Damit wurde die türkische Expansion in einem präzedenzlosen Ausmaß gefördert“, sagt der ehemalige Abgeordnete.

    Türkische Hoffnungen auf Flughafen

    Auf den Beginn des Jahres 2000 entfällt auch der Bau eines neuen Flughafens in Batumi durch die türkische Firma TAV Urban Georgia. 2007 baute TAV zwei Flughäfen in Georgien – in Tiflis und Batumi.

    Allerdings waren die Ziele des Baus dieser Flughäfen unterschiedlich. Man munkelt, dass das Hauptinteresse der Türken in Tiflis darin bestand, die Entstehung eines neuen regionalen Hubs zu verhindern, der mit der Zeit mit Istanbul konkurrieren könnte.

    Internationaler Flughafen von Batumi
    © Foto : FB / MEDIA HOLDING "KVIRA"
    Internationaler Flughafen von Batumi

    Der Flughafen Batumi kann wegen seiner Umgebung mit einer kurzen Startbahn nicht mit Istanbul konkurrieren. Doch die Türken hatten damals ihre eigenen Ziele. Der Flughafen Batumi wurde zu einem Flughafen sowohl für Georgien als auch für die Türkei – ein Flughafen nicht nur für Batumi, sondern auch für die an der Grenze gelegene türkische Stadt Hopa. Passagiere, die nach Hopa mussten, wurden direkt vom Flugplatz von einem Bus abgeholt, der sie bis zum Turkish-Airlines-Büro in Hopa brachte.

    Markteinstieg

    Trotz der verbreiteten Meinung beeilte sich die türkische Bauindustrie nicht, Batumi zu erschließen. Doch zum Jahr 2011, als die Modernisierung der städtischen Infrastruktur, die Umgestaltung der Altstadt und die Erweiterung des neuen Boulevards abgeschlossen wurde, begannen die Baufirmen, nicht einfach aktiv, sondern rasant auf den Immobilienmarkt Batumis einzusteigen.

    Fehlende strikte Richtlinien und eine mögliche präzise Bebauung ermöglichten den Bauunternehmen, ein Großteil davon türkische Firmen, ganze Wohnviertel in einen Betondschungel zu verwandeln. Besonders aktiv sind türkische Bauunternehmen bei der Erschließung neuer Gebiete um den neuen Boulevard. Ein bedeutender Teil der Käufer sind auch Türken.

    Ernsthafte Investitionen in die Produktion der Region gab es seitens der Türken nicht. Es waren wohl nur rund 25 Nähereibetriebe in verschiedenen Gebieten Adschariens. Diese Unternehmen sind auf dem Land ansässig, weil die Arbeitskräfte dort sehr billig sind. Es gibt auch kleine Unternehmen zur Verarbeitung von Obst und Haselnuss.

    Investitionen in Energie

    Die Türken investierten in Adscharien zuletzt wirklich viel in die Energiewirtschaft – in den Bau von Wasserkraftwerken.

    Nach Angaben des georgischen Wirtschaftsministeriums machten die türkischen Investitionen 2015 knapp 107,5 Mio. Dollar aus. 2016 waren es 135,6 Mio. Dollar, 2017 nur 52,3 Mio. Dollar. Dieser starke Rückgang ist mit dem Abschluss der Fertigstellung des Wasserkraftwerks verbunden, wohin ein riesiger Teil der Investitionen floss. In den vergangenen vier Jahren ist die Türkei das zweitgrößte Land nach Investitionen in Adscharien. Auf Platz eins liegen unerwartet Norwegen und Indien, die in den Bau der Wasserkraftwerke in Schuachewi und Chulo investieren. Die Investitionen der Türken sind allerdings diversifiziert – Baubranche, Tourismus, Dienstleistungsbereich.

    Befürchtungen und Warnungen

    Für großes Aufsehen sorgte in Georgien die Erklärung des Präsidenten Erdogan vor einigen Jahren, als er neben Thessaloniki, Aleppo, Mossul auch Batumi als Städte bezeichnete, die immer im Herz der Osmanen bleiben würden.

    Der Botschafter der Türkei in Tiflis musste erklären, dass die Georgier die Worte des türkischen Staatschefs missverstanden hätten. „Die Türkei ist der einzige Nachbar Georgiens, der keine territorialen Ansprüche gegenüber dem Land hat“, sagte  der Botschafter Levent Gjumrjuktschu. „Batumi gehört Georgien, Rize der Türkei, so wird es immer sein“.

    Die Frage der türkischen Gefahr ist ziemlich populär in bestimmten Kreisen der georgischen Gemeinschaft. Dieses Thema wird von der Parlamentspartei „Allianz der Patrioten“, von den Nationalisten aus dem „Georgischen Marsch“ und mehreren kleineren Parteien genutzt. Bemerkenswert ist, dass gerade die „Allianz der Patrioten“ in Adscharien einen großen Zulauf verzeichnet.

    Einige können ja sagen, dass das Ausmaß der türkischen Expansion in Adscharien übertrieben sei. Doch eine Übertreibung bedeutet nicht, dass es sie nicht gibt. Für eine starke und schnelle Beschleunigung ihres Einflusses in der Region hat die Türkei alles – von Wirtschaftsaktiva bis Einflussagenten. Dass die Türkei aus mehreren Gründen in der Region politisch nicht aktiv ist, bedeutet wenig.

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    Tags:
    Demonstrationen, Massenproteste, Proteste, Einfluss, Immobilien, Türkei, Russland, Russland, Georgien