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08:07 19 September 2019
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    LGBT in Russland: Elton John wirft Putin Heuchelei vor – Dieser kontert dem Weltstar

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    Der britische Weltstar Sir Elton John hat sich auf Instagram an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gewandt und sich in seinem jüngsten Interview mit Financial Times (FT) über Putins Aussagen zutiefst enttäuscht gezeigt. Putin hat indes auf die Kritik reagiert.

    „Lieber Präsident Putin,

    ich war zutiefst enttäuscht, als ich Ihr jüngstes Interview mit der Financial Times gelesen habe. Ich stimme Ihrer Ansicht gar nicht zu, dass die Politik des Multikulturalismus und der sexuellen Vielfalt in unseren Gesellschaften obsolet ist“, beginnt der an den russischen Staatschef gerichtete Appell.

    Ferner kritisiert Elton John Putins Worte über LGBT: „Ich erkenne eine Doppelzüngigkeit in Ihrer Aussage, dass Sie den LGBT-Vertretern Glück wünschen und, dass wir (Russland – Anm. d. Red.) kein Problem damit haben‘.“ 

    Russische Vertreiber hätten seinen vor kurzem erschienenen autobiografischen Film „Rocketman“ stark zensiert, so Elton John, indem sie jede Erwähnung von seiner 25-jährigen Beziehung zu Ehemann David Furnish entfernt hätten. „Das fühlt sich für mich wie Heuchelei an.“

    „Ich bin stolz in einem Teil der Welt zu leben, wo unsere Regierungen sich so weit entwickelt haben, das universale Menschenrecht anzuerkennen und jeden zu lieben, wen auch immer sie wollen“, fuhr der Brite fort.

    Putin hat inzwischen auf die Kritik reagiert und die Heuchelei-Vorwürfe zurückgewiesen: In Russland sei der Umgang mit der LGBT-Community in Wahrheit „ausgewogen und ruhig“.

    „Sie haben Elton John erwähnt – ich respektiere ihn sehr, er ist ein genialer Musiker. Tatsächlich kommt er ja zu uns, wir hören ihn alle sehr gerne“, gab Putin in einer Pressekonferenz am Samstag im japanischen Osaka zu verstehen.

    „Ich glaube, er irrt sich, ich habe nicht zu dick aufgetragen, wir haben tatsächlich eine sehr ausgewogene Einstellung gegenüber den Vertretern der LGBT-Community, wirklich ruhig und absolut unvoreingenommen“, beteuerte der russische Staatschef.

    Putin erinnerte dabei an das russische Gesetz gegen „Schwulenpropaganda“ unter Minderjährigen, aufgrund dessen Russland von allen Seiten „schikaniert“ werde. „Aber hören Sie, lassen Sie uns den Menschen erlauben, zuerst einmal erwachsen zu werden, damit sie dann entscheiden, wer sie sind. Lassen Sie die Kinder in Ruhe.“

    In einem FT-Interview hatte Putin zuvor geäußert, Russland habe kein Problem mit Vertretern „nicht-traditioneller sexueller Orientierung“. Außerdem äußerte er die Meinung, die liberale Idee habe ausgedient und stehe im Widerspruch zu den Interessen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung. Als Beleg dafür führte er an, dass selbst westliche Partner nun zugeben würden, dass Elemente der liberalen Idee nicht mehr haltbar seien. Als Beispiel nannte er den Multikulturalismus und die Offenheit für Migration.

    Sex-Szenen aus „Rocketman“ zensiert

    Anfang Juni war in Russland um den autobiografischen Film „Rocketman“ über den legendären britischen Musiker Elton John ein Skandal entbrannt. Auf Facebook beschwerte sich ein Filmkritiker, in der russischen Version seien 20 Minuten aus dem Original herausgeschnitten worden, in denen Sex zwischen Männern gezeigt werde.

    Russlands Kulturminister Wladimir Medinski beteuerte, sein Ministerium habe mit den Änderungen nichts zu tun: Es handele sich um einen Fall von „Selbstzensur” des russischen Vertriebspartners. Die Firma Central Partnership in Moskau wiederum hatte das Herausschneiden der Szenen mit russischen Gesetzen begründet.

    Diese Begründung ist aber nicht ganz verständlich, da das russische Gesetz „homosexuelle Propaganda“ nur unter Minderjährigen untersagt. Für „Rocketman“ gilt aber ohnehin ein Mindestalter von 18 Jahren in Russland. Andere Filme mit homosexuellen Inhalten wie etwa „Bohemian Rhapsody“ über Rockstar Freddie Mercury liefen unzensiert in russischen Kinos.

    at/ae

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