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    Präsentation des Muster-Modells der Kontrollkonsole zum Einsatz der Atombombe RDS-1 (Archiv)

    Wie die UdSSR vor 70 Jahren Atommacht wurde

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    Die Kernbombe, dank der die UdSSR zur Atommacht wurde, ist bei der Rüstungsmesse „Army-2019“ erstmals der Öffentlichkeit gezeigt worden. Bis vor kurzem war das Aussehen der ersten sowjetischen Atombombe RDS-1 geheim.

    Am 29. August wird sich zum 70. Mal der Tag jähren, an dem die Sowjetunion ihre Entwicklung und Prüfung erfolgreich abgeschlossen hat. Die Bombe hieß RDS-1, eine Abkürzung der russischen Worte „reaktiwnyj dwigatel spezialnyj“ (dt. spezieller Rückstoßantrieb), doch die Wissenschaftler selbst lasen die Abbreviatur anders: „Rossija delajet sama“ (dt. Russland macht es selbst).

    der erste sowjetische Atomsprengkopf
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    der erste sowjetische Atomsprengkopf

    Die Bombe hatte eine Sprengkraft von 22.000 Tonnen TNT. Sie entstand in aller Eile, nachdem auf Hiroshima und Nagasaki US-Atombomben abgeworfen worden waren und der sowjetische Aufklärungsdienst von dem amerikanischen Plan eines Großangriffs auf die UdSSR erfahren hatte. Der von Truman genehmigte Plan des Pentagons aus dem Jahr 1948 beinhaltete den Abwurf von 70 Kernbomben auf 30 sowjetische Städte im Jahre 1952, darunter auf Moskau und Leningrad. Die Amerikaner waren sich sicher, dass die Sowjetunion im Hinblick auf ihre technische Rückständigkeit die Bombe nicht vor 1954 entwickeln würde. Sie hatten sich um fünf Jahre verrechnet. Bereits vier Jahre vor Hiroshima kannte der sowjetische Physiker Igor Kurtschatow die Funktionsweise der Kernwaffen.

    Die erste sowjetische Atombombe RDS-1 (sie wurde in die Streitkräfte nicht eingeführt)
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Die erste sowjetische Atombombe RDS-1 (sie wurde in die Streitkräfte nicht eingeführt)

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    Der Bombenkern war wie der amerikanische gestaltet, da der Geheimdienst wissenschaftliche und technische Angaben zu den amerikanischen Kernbomben gesammelt hatte, vorwiegend dank dem deutschen theoretischen Physiker Klaus Fuchs, der sowjetischer Agent war. Original sowjetisch waren dagegen die Konstruktion der Kernbombe, ihr Flugkörper und die elektronische Füllung sowie die Herstellung und das Produktionsverfahren.

    Foto der Testergebnisse von RDS-1 am 29. August 1949 (nicht mehr geheim)
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Foto der Testergebnisse von RDS-1 am 29. August 1949 (nicht mehr geheim)

    Am 21. August 1949 wurden die Plutoniumladung und vier Neutronenzünder mit einem Sonderzug zum Testgelände bei Semipalatinsk gebracht. Ein Zünder war zum Sprengen der Munition bestimmt. Vor 6 Uhr am 29. August 1949 war man mit der Endmontage fertig. Die Ladung wurde auf den Testturm gehoben. Um 7 Uhr überströmte ein blendendes Licht die Gegend, ein Zeichen, dass die Entwicklung und Prüfung der ersten sowjetischen Kernbombe erfolgreich abgeschlossen war. Der Geheimdienstchef Beria meldete das gleich an Stalin.

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    Anschließend führten zwei bleiabgeschirmte Panzer die Strahlungsaufklärung durch, wobei sie die Mitte des Testgeländes untersuchten. Dort waren viele Bauten weggefegt. Anstelle des Turmes hatte sich ein Trichter gebildet. Der Erdboden in der Mitte des Geländes war verschmolzen und mit massiver Schlackenkruste bedeckt. Zivilgebäude und Industrieanlagen waren ganz oder teilweise zerstört. Die meisten Schäden hatte der Detonationsstoß verursacht.

    Die 1.000 Meter vom Explosionsort entfernte Eisenbahnbrücke sowie die 1.500 Meter entfernte Straßenbrücke waren verbogen und 20 bis 30 Meter weit vom ursprünglichen Standort geschleudert worden. Die auf den Brücken aufgestellten Eisenbahnwagen und Autos lagen halb verbrannt 50 bis 80 Meter von ihrem ursprünglichen Standort über die Steppe verstreut. Die Panzer und Geschütze waren umgekippt und verbogen, Tiere, die man statt Soldaten in Schützengräben untergebracht hatte, waren von der Stoßwelle weggetragen worden.

    Am 1. März 1951 hatte die Sowjetunion bereits 15 Bomben vom Typ RDS-1 in ihrem Kernwaffenarsenal. Danach entstanden neue Bombenmodelle. Die Kernwaffen wurden verbessert. Nach weiteren zwei Jahrzehnten hatte die Sowjetunion die USA gemessen am Entwicklungstempo von Kernwaffen bereits hinter sich gelassen.

    Die russische Mediengruppe Rossiya Segodnya ist die offizielle Informationsagentur von Army-2019. Sputnik ist Informationspartner der Messe, die seit 2015 jährlich stattfindet.

    Brief von Berija an Stalin mit der Meldung über den erfolgreichen Test der Atombombe
    © Sputnik / Nikolaj Jolkin
    Brief von Berija an Stalin mit der Meldung über den erfolgreichen Test der Atombombe
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    Geheimdienste, Test, Explosion, Geschichte, Entwicklung, Atombombe, Josef Stalin, UdSSR