SNA Radio
    Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan, in Peking bei Verhandlungen mit dem Staatschef Chinas, Xi Jinping am 02. Juli 2019

    Türkei beginnt geopolitisches Spiel auf Seiten Chinas

    © REUTERS / Roman Pilipey/Pool
    Politik
    Zum Kurzlink
    3921811
    Abonnieren

    Zwei große muslimische Länder – die Türkei und Malaysia - haben fast gleichzeitig den USA und anderen westlichen Ländern das Signal gesendet, dass sie sich bei der Xīnjiāng-Frage (Uiguren-Konflikt) nicht gegen China wenden werden.

    Das  ging vom Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, in Peking bei Verhandlungen mit dem Staatschef Chinas, Xi Jinping, und vom Minister für Angelegenheiten der Religionen Malaysias, Mujahid Yusof Rawa, aus, der über die Ergebnisse seiner Reise nach Xīnjiāng berichtete.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, dass es eine unbestreitbare Tatsache sei, dass alle Völker im chinesischen Xīnjiāng angesichts der Entwicklung und Prosperität Chinas glücklich leben.
    Erdogans Äußerungen beim Treffen mit Xi Jinping folgten vier Monate nach der Kritik des türkischen Außenministeriums zur Lage der Uiguren in Xīnjiāng. Das Außenamt in Ankara sprach damals von „einer große Schande für die Menschheit“. Die damalige türkische Kritik an der Uiguren-Politik Pekings war die lauteste aus der muslimischen Welt.

    Der Kurswechsel der Türkei sei das Ergebnis der mühsamen diplomatischen Anstrengungen Pekings, meint der Direktor des Türkei-Zentrums der Shaanxi Normal University, Li Binzhong.
    „Die Türkei hatte früher die Politik Chinas in Xīnjiāng kritisiert, doch das war de facto nur eine Erklärung eines Vertreters des Außenministeriums der Türkei. Sie wurde nicht auf hoher politischer Ebene ausgedrückt und muss nicht unbedingt die Position des Präsidenten Erdogan widergespiegelt haben“, so der Experte.

    „Die Türkei änderte später tatsächlich ihre Position. Das ist damit verbunden, dass das Außenministerium und die chinesische Botschaft in der Türkei viel Arbeit geleistet haben. Chinas Botschafter in der Türkei, Deng Li, erklärte das und übermittelte die Wahrheit in seinem Interview. Auf der anderen Seite durchlebt die Regierung Erdogans innen- und außenpolitisch derzeit eine sehr schwere Phase. Der China-Besuch des Präsidenten der Türkei ist einer der Wege, eine Lösung der innen- und außenpolitischen Probleme zu finden. Wegen eigener Interessen wird die Türkei auf die Fragen aufmerksam, die Besorgnisse der chinesischen Regierung und die indigenen Interessen Chinas betreffen“, sagte der Experte

    Beobachtern zufolge konnte die frühere Position Ankaras über die Menschenrechtssituation in Xīnjiāng unter dem Druck der USA entstanden sein. Jetzt sicherte der türkische Präsident bei Verhandlungen mit dem chinesischen Staatschef zu, dass die „türkische Seite niemandem erlauben wird, einen Keil in die türkisch-chinesischen Beziehungen zu treiben“. Der Politologe Stanislaw Tarassow meint, dass die Erklärungen Erdogans zur Xīnjiāng-Frage den Beginn eines großen geopolitischen Spiels der Türkei bedeuten:

    „Erdogan beginnt ein aktives Spiel mit China. Er ist natürlich auch hinter den Kulissen diplomatisch aktiv, indem er versucht, Peking zu beeinflussen, um die Uiguren-Frage zu lösen. Allerdings bereitet er sich darauf vor, einen chinesischen Kredit zu nehmen, was es zuvor nicht gab. Anscheinend ist die wirtschaftliche Situation in der Türkei schwierig, zumal die Amerikaner die Sanktionen gegen die Türken nutzen. Neben einer Allianz mit China ist Erdogan gleichzeitig mit Russland befreundet. Er positioniert sich also zusammen mit Peking und Moskau im Rücken als ein Vertreter einer Großmacht. Er betont auch, dass sich die Amerikaner gegenüber der Türkei nicht so verhalten, wie das Ankara erwartet. Mit seinem Spiel mit China versucht er natürlich auch, die Unterstützung der Anhänger des Islams in Südostasien zu bekommen, was ebenfalls von großer Bedeutung für ihn ist.“

    Der Minister für Angelegenheiten der Religionen Malaysias, Mujahid Yusof Rawa, wurde von Politikern und Menschenrechtlern in seinem Lande wegen Fotos aus Xīnjiāng nach einer siebentägigen Reise in dieses Gebiet in der vergangenen Woche kritisiert. Auf den Fotos sind Bildungszentren in Xīnjiāng zu sehen. Der Fotobericht über die Reise enttäuschte Shamini Darshni Kaliemuthu, den Exekutivdirektor von Amnesty International Malaysia. Er hatte wohl damit gerechnet, auf diesen Fotos Szenen aus dem Leben des „Konzentrationslagers“ zu sehen, von denen so viel im Westen geredet wird.
    Das blinde Befolgen der westlichen Kritik an China und das Gleichsetzen der Separatisten und der Kämpfer für die Rechte der Uiguren in Xīnjiāng entsprechen kaum den nationalen Interessen Malaysias. Malaysia ist ohnehin stark gefordert bei der Bekämpfung der Gefahr durch islamistische Terroristen, die versuchen, in diesem Lande sich niederzulassen und es zum Aufmarschgebiet für weitere Terroranschläge zu machen.

    Die Erklärung Erdogans zu Xīnjiāng wurde am Tag der geschlossenen Sitzung des Regionalzentrums der Vereinten Nationen für vorbeugende Diplomatie für Zentralasien unter Teilnahme der Mitglieder des UN-Sicherheitsrats gemacht. Während der Debatten warfen Vertreter der USA und Deutschlands China schlechten Umgang mit Gruppen der muslimischen Minderheiten in Xīnjiāng vor, wie ungenannte Quellen mitteilten. Daraufhin sagte der chinesische UN-Botschafter Ma Zhaoxui, dass die USA und Deutschland nicht das Recht hätten, diese Frage im UN-Sicherheitsrat zu stellen, weil es eine innere Angelegenheit Chinas sei.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Uiguren, Verfolgung, Kritik, Treffen, Xi Jinping, Recep Tayyip Erdogan, Malaysia, China