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11:39 21 August 2019
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    Der ehemalige österreichische Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ)

    Fatales Doppelspiel: Straches „Bester“ muss Chefredakteursposten bei der „Krone” räumen

    © AFP 2019 / HANS PUNZ / APA
    Politik
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    Ilona Pfeffer
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    Nicht nur Österreichs ehemaligen Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache hat das Ibiza-Video den Job gekostet: Nun musste auch der Chefredakteur von „Krone.at“ seinen Posten räumen. Einen leitenden Redakteur, der auf Kuschelkurs mit der FPÖ war und mit ihrem Obmann zusammenarbeitete, kann sich die Zeitung nach Ibizagate wohl nicht mehr leisten.

    Lange haben sie sich gegenseitig die Bälle zugespielt und beiderseitig von der Symbiose profitiert: Der ehemalige österreichische Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und der Chefredakteur der Online-Ausgabe der „Krone“-Zeitung, Richard Schmitt. Der Politiker konnte FPÖ-relevante Geschichten lancieren, etwa gegen Ausländer und den politischen Islam. Im Gegenzug teilte er Artikel von „Krone.at“ auf seiner reichweitestarken Facebook-Seite und bescherte der Zeitung rekordverdächtige Klickzahlen. In einem Interview mit dem Magazin „Fleisch“ erklärte Schmitt freimütig:

    „Wenn Strache einen normalen Bericht von uns auf Facebook teilt, dann merken wir: Das haut die Quote auf das Anderthalbfache hoch. Und umgekehrt kriegt er natürlich auch mehr Traffic, wenn wir ihn pushen. So ein Doppelspiel ist natürlich für die anderen Parteien gefährlich. Und auch da nicht falsch verstehen: Das könnten ÖVP und SPÖ natürlich auch machen. Sie machen es aber nicht.“

    Im Ibiza-Video, das Strache letztlich seine Karriere als Vize-Kanzler gekostet und Österreich in eine Regierungskrise gestürzt hat, machte auch der FPÖ-Politiker deutlich, was er von Journalismus hält. Alle Journalisten seien „Huren“ – mit Ausnahme von Richard Schmitt. Schmitt sei „einer der besten Leute, die es gibt“. Bei ihm sei „das Messer angesetzt worden von den anderen Parteien, weil er zu kritisch geschrieben hat“, so Straches Urteil im Skandalvideo. Auch bei der „Krone“ solle man „zack, zack, zack“ ein paar Journalisten rauswerfen, dafür drei-vier Vertrauensleute reinbringen, um eine neue Generation aufzubauen, die der FPÖ gegenüber freundlich eingestellt ist. 

    Wie wir heute wissen, ist aus diesen Gedankenspielen nichts geworden, und auch mit der einträglichen Zusammenarbeit scheint es vorerst vorbei zu sein. Nun hat auch die „Krone“ offenbar personelle Konsequenzen aus Ibizagate gezogen: Richard Schmitt musste am 1. Juli seinen Posten als Chefredakteur von „Krone.at“ räumen. Seit Mitte Mai war Schmitt im Urlaub gewesen und ist nie an seinen Schreibtisch zurückgekehrt. Doch ganz fallen lassen will ihn die „Krone“ nicht, denn offenbar braucht sie seine Fähigkeiten. Er galt als Motor hinter dem Wachstum von „Krone.at“, nun soll er die Projektleitung Content Distribution bei „Krone-TV“ übernehmen, eine neue Plattform aufbauen und die Reichweite vergrößern, meldet die APA.

    Als Nachfolger an der Spitze von „Krone.at“ kommt ein Dreiergespann: Martin Kallinger, Paul Tikal und Max Mahdalik, alles führende Redakteure im Online-Team, rücken für Schmitt nach. Auch mit den Freiheiten der Online-Ausgabe soll Schluss sein. Die Inhalte der bisher recht unabhängig agierenden „Krone.at“ sollen künftig mit der redaktionellen Leitung der Print-Ausgabe abgestimmt werden.

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    Tags:
    Heinz-Christian Strache, Skandal, Ibiza, Österreich