06:42 16 Dezember 2019
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    Eine US-Soldatin und ein polnischer Soldat vor dem Raketenabwehrsystem Patriot (Archiv)

    US-Raketenabwehr in Europa: 18 Monate Verspätung und immer noch nicht einsatzreif

    © Foto : Michigan Army National Guard/Spc. Aaron Good
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    Der US-Raketenschirm über Europa ist offenkundig löchrig. Eigentlich sollen Radarstationen und Raketenrampen in Rumänien und Polen die Europäer vor ballistischen Raketen schützen. Aber noch sind wichtige Tests nicht abgeschlossen und Bauarbeiten sind hinter dem Zeitplan. Die Einsatztauglichkeit des Abwehrsystems ist nicht gesichert.

    Nur sieben der elf Tests, die mit dem US-Raketenschirm für 2018 geplant waren, hat die zuständige Behörde – die US Missile Defense Agency – ausgeführt. Eine Erledigungsquote von gerademal 64 Prozent, bemängelt der Rechnungshof der US-Regierung. Das Fachportal „The National Interest“ verweist auf den Bericht der Rechnungsprüfer. Währenddessen verzögern sich wegen Schwierigkeiten mit Subunternehmern die Arbeiten an den Abwehrsystemen in Polen um 18 Monate.

    Die unter Präsident Obama begonnene Stationierung des amerikanischen Raketenabwehrsystems in Europa verspätet sich damit insgesamt. Der Aufbau des Abwehrsystems sollte in drei Etappen erfolgen. Etappe I und II sind bereits erfolgreich abgeschlossen worden, die dritte Etappe stockt. Vor 18 Monaten schon hätte das „Aegis Ashore“-System der Amerikaner in Polen in Dienst genommen werden sollen.

    Das „Aegis Ashore“ ist die bodengestützte Variante des schiffsbasierten Mehrzwecksystems „Aegis“. Es besteht aus Hochleistungsradaren SPY-3 und lenkbaren Abfangraketen SM-3. Damit soll das „Aegis Ashore“ ein Gebiet vor ballistischen Kurz- und Mittelstreckenraketen schützen.

    Die Verantwortlichen versuchen, die Zeitverzögerung bei der Entwicklung des Abwehrsystems positiv zu bewerten: „Die 18-monatige Verspätung bietet der Missile Defense Agency die Gelegenheit, weitere Tests auszuführen und zusätzliche Leistungsdaten zu sammeln“, heißt es in dem von „National Interest“ zitierten Bericht. Die Betreiber des Abwehrsystems erhalten dadurch „mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten“.

    Überhaupt: Die Entwickler versuchen seit den 1960er Jahren das Problem zu lösen, wie die Raketenabwehr mehrere Flugkörper gleichzeitig abfangen kann ohne Systemabsturz. Die entstandene Verspätung könnte laut „NI“ auch dazu genutzt werden, an der Lösung dieses Problems weiterzuarbeiten. Dazu waren allerdings einmal Abfangtests vorgesehen.

    Doch: Gegenwärtig ist geplant, die Zahl der Abfangtests gegen ballistische Mittelstreckenraketen zu verringern. Und Tests zum gleichzeitigen Abfangen mehrerer Raketen sollen gar nicht erst stattfinden, bis die III. Etappe des Programms abgeschlossen, also das Abwehrsystem in Polen aufgebaut ist.

    Weniger Tests bedeuten auch weniger Daten, die notwendig sind, um festzustellen, ob der Raketenschirm in Europa planmäßig funktioniert, schreibt „NI“. Unzureichende Testdaten können dazu führen, dass Leistungsschwächen des Systems erst viel später aufgedeckt werden. Die Fehlerbeseitigung könnte dann ziemlich kostspielig werden.

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    Tags:
    Fähigkeiten, Aegis-Raketenabwehr, USA, Europa