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05:15 20 September 2019
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    Alexa, wir trauen dir nicht! Datenschützer lobt Bundestags-Gutachten

    © AFP 2019 / GRANT HINDSLEY
    Politik
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    Vor Alexa warnt jetzt sogar die Bundesregierung. In einem Gutachten stellt der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags fest, dass besonders Kinder und unbeteiligte Dritte vom Lauschangriff des Assistenten betroffen sein könnten. Weiterer Kritikpunkt ist die intransparente Datennutzung. Datenschützer begrüßen diesen Vorstoß.

    Alexa hört mit, das haben Datenschützer in der Vergangenheit schon öfters bemängelt und mehr Sicherheit und Transparenz beim Umgang mit dem Sprachassistenten gefordert. In ihren Chor hat nun auch die Bundesregierung eingestimmt. Nach einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags gefährdet Alexa vor allem Kinder und unbeteiligte Dritte. Aber auch die Intransparenz der Datennutzung in der Zukunft sei ein Kritikpunkt.

    Diese Feststellungen des Wissenschaftlichen Dienst überraschen Georg Markus Kainz, den Vorsitzenden des österreichischen Datenschutzvereins „quintessenz e.V.“, gar nicht: „Der Bundestag hat im Grunde das wiederholt, was Datenschützer schon lange sagen. Das Problem an Alexa ist, dass es irgendwo aufgestellt und montiert ist und dass unbeteiligte Dritte davon nicht einmal wissen“, stellt er im Gespräch mit Sputnik fest. Eigentlich bräuchte es eine explizite Zustimmung, bevor Alexa die Daten aufnimmt und in die Cloud überträgt.

    Aber von Maßnahmen wie Filtern, die der Hersteller in die Geräte installiert, hält Kainz wenig: „Das Thema Filter ist, nachdem die Industrie bewiesen hat, dass sie sich nicht an die Spielregeln hält, nicht der richtige Weg“, bemerkt er. Vielmehr gelte es eine Art Warntafel vor Räumen anzubringen, in denen Alexa & Co. laufen und lauschen – ähnlich wie bei Räumen, die videoüberwacht sind. „Das Gleiche muss man machen, wenn die Stimme aufgezeichnet wird. Im Zweifel müssen, wenn irgendwo ein Alexa-Gerät installiert wird, Leute, die in den Aufnahmebereich dieses Gerätes kommen, vorab gewarnt werden: ‚Achtung, hier wird aufgenommen.‘ Wir können nicht garantieren, was mit deinen Daten passiert“, findet der Datenschützer.

    Bei Kindern und unbeteiligten Dritten hört aber das Risiko laut Kainz nicht auf: „Das große Problem insgesamt von Alexa ist, dass es ein Dienst ist, der latent im Hintergrund schläft und wartet, bis er das Schlüsselwort bekommt. Und wir wissen bereits jetzt, dass bei Alexa Wörter, die vorher und nachher gefallen sind, ausgewertet wurden, um – wie es immer heißt – ‚den Dienst besser zu machen‘.“ Auf diese Weise erhielten Sprachassistenten Einblicke in das Leben der Nutzer, die diesen oft nicht genug bewusst sind. Den gesamten Lebensablauf vom Aufstehen über Besuche bis hin zur Stimmungslage, über die die Stimme Aufschluss gibt, können die Assistenten so mitbekommen.

    Wofür die Daten eingesetzt werden, wer sie kauft und mit welchen Instrumenten zu welchen Zwecken sie ausgewertet werden, ist unbekannt. Künftige Analyseverfahren, etwa der Stimmmelodie, könnten darüber hinaus Informationen über Nutzer zutage fördern, die sich heute noch niemand vorstellen kann. Laut Unternehmen gehe es bei der Datensammlung zwar nur um Suchprofile der Nutzer, um die Hilfe, die der Assistent bieten soll, zu verbessern, aber: „Diese Firmen leben ja davon, dass es Profiling gibt, dass es eine Analyse von Daten gibt“, betont Kainz. Und es gebe viele Firmen da draußen, die eine Veränderung im Leben interessieren könnte. „Im Zweifel gehe ich irgendwann einmal zu einer Versicherung, möchte einen Vertrag abschließen und die Versicherung hat bereits ein Profil von mir, nur weil ich unachtsam im Umgang war, welche Daten ich in die Cloud freigegeben habe“, so Kainz.

    Ob die Firmen nicht eine Lösung für diese Problemlage entwickeln können? Der Datenschützer hat seine Zweifel. Zwar gebe es den Vorschlag, dass Firmen bekannt geben müssen, welche Gewinne mit den Daten gemacht werden. Nach der Datenschutzgrundverordnung habe außerdem jeder Nutzer das Recht zu wissen, wenn Daten an Dritte weitergegeben werden. „Bei transparentem Vorgehen der Firmen würde das Problem nicht mehr existieren“, lautet der Schluss des Vorsitzenden von quintessenz e.V. Kann man aber jemandem Vertrauen, der bereits gezeigt hat, dass er sich an die Spielregeln nicht hält? Vor diesem Hintergrund findet Kainz die herkömmlichen Technologien zur Suche besser geeignet. Da brauche es keinen Dritten, der es noch analysiere, um herauszufinden, was man möchte.

    Das Interview mit Georg Markus Kainz in voller Länge:

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    Tags:
    Kritik, Internet, Datenschutz, Bundestag, Deutschland