15:59 22 November 2019
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    Teil des Glockenturmes zum Gedenken der sowjetischen Soldaten bei Prochorowka

    Leitender „Welt“-Redakteur: An Sowjetkämpfer erinnernde Kapelle „müsste sofort abgerissen werden“

    © Sputnik / Juri Abramotsckin
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    Dem leitenden Redakteur Geschichte bei „Die Welt“ zufolge, müsste ein an gefallene sowjetische Soldaten erinnernder Glockenturm, der von ihm fälschlicherweise als Kapelle bezeichnet wird, „sofort abgerissen werden“. Solche Ideen dürfen heutzutage jedoch niemandem mehr einfallen, kommentiert der russische Historiker und Politologe Michail Smolin.

    Das besagte Denkmal bei Prochorowka (Prochorowka ist eine größere Siedlung etwa 100 Kilometer südlich von Kursk), das zum Gedenken an die im Juli 1943 Gefallenen in der Panzerschlacht bei Prochorowka errichtet wurde, soll abgerissen werden, da es dort keine große Schlacht und keinen Sieg der Roten Armee gab. Diese Meinung äußerte Sven Felix Kellerhoff in der Zeitung “Die Welt”. Kellerhof arbeitet bei dem Blatt als  leitender Redakteur Geschichte.

    „Eigentlich müsste dieses Denkmal sofort abgerissen werden. Denn neueste Forschungsergebnisse, gestützt auf unzweifelhaft echte Fotos, bestätigen: Bei Prochorowka gab es weder einen sowjetischen Sieg noch überhaupt eine gewaltige Panzerschlacht“, schreibt der Autor.

    „Kamikaze-Angriff“

    Als Beweise werden Forschungsergebnisse des deutschen Militärhistorikers Karl-Heinz Frieser sowie des britischen Forschers Ben Wheatley  angeführt, der im amerikanischen Nationalarchiv in College Park (US-Bundesstaat Maryland) deutsche Luftaufklärungsbilder von der Ostfront gefunden haben soll. „In Wirklichkeit kämpften 186 deutsche Kampfwagen gegen 672 sowjetische; am Abend des Tages betrugen die Verluste rund 235 Panzer bei der Roten Armee und fünf bei der Wehrmacht“, so der Journalist.

    Die Handlungen der sowjetischen Soldaten in dieser Schlacht werden vom Autor des Artikels als ein „Kamikaze-Angriff“ bezeichnet. Es wird hervorgehoben, dass  sich sowjetische „Panzer vor der schmalen Brücke stauten – und perfekte Ziele für zwei auf der anderen Seite des Grabens liegende Bataillone des II. SS-Panzerkorps boten“.

    Revanchistisches Verhalten

    Der Politologe Dr. hist. Michail Smolin nahm im Sputnik-Interview Stellung zu den Worten des deutschen Journalisten: „Ich denke, dass solche Erklärungen ein Versuch sind, die Geschichte zu manipulieren, ein revanchistisches Verhalten zur Geschichte.“

    Besonders wenn man bedenke, so der Historiker, dass Menschen ausgehend von irgendwelchen eigenen Vorstellungen vom Geschehenen Russland ihre Vision aufdrängen wollen und sogar noch weiter gehen und fordern, Denkmäler in Russland abzureißen.

    „Meines Erachtens können wir in Russland Denkmäler aufstellen, wo wir wollen. In diesem Fall gab es bei Prochorowka tatsächlich eine große Panzerschlacht, die in jedem Fall mit unserem Sieg endete, weil ja die Schlacht bei Kursk im Ganzen von der Sowjetunion gewonnen wurde“, sagte Smolin.

    Niemandem sollte heutzutage einfallen, die Geschichte zu revidieren, geschweige denn Denkmäler abzureißen, fügte er hinzu.

    Die Schlacht bei Prochorowka war ein Kampf zwischen Einheiten der Wehrmacht und sowjetischen Truppen während der Verteidigungsphase der Schlacht bei Kursk. Sie ereignete sich am 12. Juli 1943 an der Woronescher Front bei Prochorowka. Keine der Seiten hatte damals ihre zum 12. Juli gestellten Ziele erreicht – die Deutschen haben es nicht geschafft, Prochorowka einzunehmen, die Verteidigung der Roten Armee zu durchbrechen, die sowjetischen Truppen haben es ihrerseits nicht geschafft, den Gegner einzukesseln.

    Geschichte

    Bei der Einschätzung der Kampfverluste gibt es in verschiedenen Quellen starke Unterschiede. Nach Angaben des Militärexperten der Militärakademie des Generalstabs der russischen Streitkräfte Waleri Makowski wurden von 670 Panzern und Selbstfahrlafetten der Roten Armee, die am Gegenangriff bei Prochorowka teilnahmen, 470 Einheiten Panzertechnik verloren. Die Deutschen hatten den Verlust von 50 von 490 Einheiten Panzertechnik zu verzeichnen.

    Laut Studien, die sich auf Angaben des deutschen Bundesmilitärarchivs berufen, beliefen sich die gesamten Verluste des II. SS-Panzerkorps auf 80 Kampfmaschinen.

    Nach der Schlacht von Kursk als Gesamtheit der Verteidigungs- und Offensiv-Operationen der Roten Armee ging die Initiative endgültig an die Sowjetunion über. Sowjetische Truppen schlugen die deutschen Militäreinheiten; die von der Wehrmacht besetzten strategischen Aufmarschgebiete wurden zutrückgewonnen.

    Zum Gedenken an die Gefallenen bei Prochorowka wurde zum 50. Jahrestag des Sieges 1995 am Ort der Schlacht ein Denkmal des Sieges eingeweiht – ein Glockenturm und die Peter-und-Paul-Kirche. Diese Objekte gehören zu einer Museumsanlage.

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    Tags:
    Abriss, Denkmal, Schlacht, Welt, UdSSR, Russland