Widgets Magazine
12:49 18 Juli 2019
SNA Radio
    Ein Journalist (Symbolbild)

    Medien als Artillerie des Hybrid-Krieges: Warum US-Investitionen an Serbien vorbeigehen

    © AFP 2019 / FABRICE COFFRINI
    Politik
    Zum Kurzlink
    Nikola Joksimovic
    9728

    Die USA und Großbritannien sind bereit, viel Geld in den Kampf gegen „den zersetzenden russischen Einfluss“ auf dem Balkan zu investieren, vor allem im Informationsbereich, wo die „Desinformation“ durch die russischen Medien zu erkennen ist, die die Herrschaft der „freien Medien“ verhindert.

    Allerdings ist es nicht so einfach, die öffentliche Meinung in den Ländern der Region in die notwendige Richtung zu lenken, genau wie die Loyalität der örtlichen politischen Eliten zu unterstützen – egal wie stark man Russland auf den Seiten der „Partnerschafts-Zeitungen“ beschimpft, wollen die Serben das Kosovo trotzdem nicht anerkennen und der Nato beitreten …

    Die USA und Großbritannien haben erneut ihren Wunsch erklärt, den russischen Einfluss auf bestimmten Gebieten zu überwinden und weiter gegen die „russische Desinformation“ in Osteuropa zu kämpfen. Die USAID veröffentlichte am 6. Juni ein Konzept zur Bekämpfung des böswilligen Einflusses des Kremls. Eines der vier Ziele ist demnach die Bekämpfung der Manipulation durch Information.

    Die Verfasser der Strategie widmen ihre besondere Aufmerksamkeit der Balkan-Region und behaupten, dass elf strategische Medienpartner in Bosnien, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien mithilfe von USAID ihr Publikum ausbauen. Zuvor hatte das US-Außenministerium berichtet, dass 2020 zum Kampf gegen den Einfluss Russlands 661 Mio. Dollar bereitgestellt werden sollen.

    Am nächsten Tag nach der Veröffentlichung der US-Strategie sagte der britische Außenminister Jeremy Hunt, dass Großbritannien 18 Mio. Pfund Sterling zur Bekämpfung der Desinformation und Fake-News in Osteuropa und zur Festigung der unabhängigen Medien auf dem Westbalkan ausgeben wolle. Ihm zufolge haben nur zehn Prozent der Weltbevölkerung den Zugang zu „freien Medien“.

    Der Soziologe Slobodan Reljic meint, dass eine synchrone Bezeichnung der Absichten zur Bekämpfung des „böswilligen Einflusses Russlands“ auf dem Balkan, besonders in den Medien, durch Washington und London keine Überraschung sei. Die Welt befinde sich seit langem im Zustand eines endlosen Hybrid-Krieges. Medien seien in diesem Krieg wie Artillerie und Raketenkomplexe in einem echten Krieg.

    „Die Erhöhung der Finanzierung ist wie die Lieferung von Geschossen an die Front. Ich kann nicht genau sagen, wie viele Attacken der Angelsachsen es bereits an der Balkan-Front gab. Der Einfluss der Deutschen und Franzosen steht da im Hintergrund. Sie beteiligen sich natürlich auch, doch es sind nicht sie, die das alles ausarbeiten und die wichtigsten Vollzieher dieser Strategien sind“, so der Experte.

    Auf der jetzigen Etappe des Kampfes gegen den „böswilligen russischen Einfluss“ auf dem Balkan handelt es sich schon nicht mehr nur um den Kampf um die Staaten der Region, weil die USA und Großbritannien sich ohnehin sicher sind, dass deren politische Eliten unter ihrer Kontrolle sind, es handelt sich um den Kampf um Sympathien der Gesellschaft.

    „Der Ausbau der Investitionen in diesen Bereich heißt, dass der Effekt der ‚Medien-Bombenangriffe‘ in Serbien ziemlich bescheiden bleibt. Es sind keine bedeutenden Errungenschaften in dieser Richtung zu erkennen. So sind 81 Prozent der Bevölkerung Serbiens nach wie vor gegen die Unabhängigkeit des Kosovos, 90 Prozent sind gegen die Nato-Mitgliedschaft Serbiens. Dieser Zustand bleibt de facto unverändert, weshalb die in die ‚Ordnung‘ in den Balkan-Medien investierten Millionen das nicht stark beeinflussen können“, meint der Experte.

    Anti-Nato-Proteste in Serbien (Archivbild)
    © AFP 2019 / ALEXA STANKOVIC
    In anderen Balkan-Ländern sind die politischen Eliten bzw. der politische Aufbau selbst, der durch Bemühungen der Angelsachsen aufgestellt wurde, bedroht. Milo Dukanovic in Montenegro geht es nicht sehr gut, Nordmazedonien trat nach dem Bericht, dass es keine Eurointegration zu erwarten habe, in eine Phase der Ernüchterung ein, in Albanien muss der Premier Edi Rama am Rande des Bürgerkriegs balancieren. Die politische Krise in Bosnien und Herzegowina dauert weiterhin an (es wurde bislang keine Regierung nach den vorjährigen Wahlen im Oktober gebildet).

    „Unter solchen Bedingungen nimmt der Unmut der Bürger zu. Das wird immer offensichtlicher. Ich denke, dass sie damit die Situation zu stabilisieren versuchen“, so der Soziologe.

    Doch die Versuche, die Lage der gegenüber Washington und London loyalen politischen Anführer zu stabilisieren, führen zur Destabilisierung der ganzen Region, so der Experte.

    Der einzige Weg, einen langfristigen Frieden, Stabilität und Sicherheit auf dem Balkan zu erreichen, ist, den örtlichen Völkern das Recht zu gewähren, selbstständig, ohne äußeren Einfluss ihre Probleme zu lösen.

    „Ja, dieser Weg ist nicht einfach und nicht schnell, doch er könnte zu einem realen Gleichgewicht zwischen den Balkan-Ländern führen. Die ‚Hilfe‘ der angelsächsischen Welt führt nur zur Vertiefung dieser Konflikte“, so der Experte.

    Die internationale Politik Russlands und Chinas sieht die Idee der Selbstorganisation vor, doch die westlichen Kräfte lassen den Gedanken über Selbstregelung des Balkan nicht zu, weshalb die Vorschläge Russlands, die auf die Gewährung des Handlungsspielraums und einer freien Wahl für lokale Kräfte gerichtet sind, von ihnen ständig kritisiert werden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    NATO-Beitritt, Medien, Finanzierung, Großbritannien, USA