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    Politische „Außenseiterin“ Wagenknecht wird 50: Leben und Leidenschaft in zehn Zitaten

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    Liudmila Kotlyarova
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    • Über die Kindheit: „Ich habe mich als Kind nicht alleine gefühlt. Ich habe sehr darunter gelitten, dass mein Vater weg war… Ich habe dann aus diesem Alleinsein und bei mir war es so, dass ich anders aussah und von Kindern gehänselt wurde, deswegen habe ich mich dann zurückgezogen. Ich habe mir dann meine eigene Welt erschaffen. Dadurch muss ich sagen, ich habe keine traurige Kindheit gehabt. Ich hatte eine glückliche Kindheit, auch wenn ich relativ allein war. <...> Ich glaube, Kinder können sich die Welten ausmalen, und dann ist es bei ihnen völlig ok, wenn man alleine ist <...> ”. Von dem Treffen mit dem Modemacher Wolfgang Joop am 24. Juni 2019, Berlin
    • Über Prinzipien: „Zur DDR-Zeit habe ich die DDR kritisiert, weil ich sie in der ganzen Unzulänglichkeit erlebt habe, danach hatte ich schon das Gefühlt vom ‚toten Onkel‘“, von dem die Verwandtschaft irgendwie profitiert habe und nach dem Tod über ihn hergezogen sei. „Ich dachte mir, jetzt muss ich den Onkel, tatsächlich die Mauer verteidigen. Ich dachte: Was ist das denn für Opportunismus, wenn alle, die vorher dafür waren, nun das Gegenteil sagen? <...> Wenn Menschen nicht eine eigene Haltung haben, sondern sich mit dem Wind drehen, da will ich nicht dabei sein.“ Von dem Treffen mit dem Modemacher Wolfgang Joop am 24. Juni 2019, Berlin
    • Über die Ehe mit Lafontaine und über Kinder: „Wahrscheinlich findet jeder den Menschen, den er liebt, einzigartig und wunderbar. Klar, man sollte ähnliche Interessen haben, aber nicht zu gleich sein. Sonst wird es zu langweilig. Der Funke muss einfach überspringen.“ Zu Ihrer Liebe zur Natur sagt sie: „Durch die Weinberge zu radeln oder an der Saarschleife und der Mosel, das ist wunderschön… Ich bin sehr froh, dass Oskar das alles mit mir gemeinsam machen kann.“ Zu den Kindern: „Irgendwann war es leider zu spät. Und vorher ging es mir wie vermutlich vielen Frauen, die im Beruf sehr eingespannt sind: Man denkt, man hat noch viel Zeit. Doch diese vergeht wie im Flug und plötzlich stellt man fest: Es ist vorbei. Ich hätte gern ein Kind gehabt, diese Leerstelle bleibt.“ Aus einem T-Online Interview, Juli 2017
    • Über Heimat: „Heimat ist doch kein rechter Begriff. Heimat ist etwas ganz Existenzielles. Menschen möchten in einem Umfeld leben, wo sie sich geborgen und sicher fühlen. Menschen zu zwingen, immer mobil zu sein, ständig umzuziehen, ihren Freundeskreis zu verlieren, ist eine fatale Entwicklung. Die Verteidigung des Rechts auf Heimat hat nicht primär etwas mit Zuwanderung zu tun. Sondern damit, dass wir wieder mehr Stabilität im Leben brauchen. Diese Unsicherheit, diese Beschleunigung, diese Ökonomisierung aller Lebensbereiche, auch die Zerstörung von gewachsenen Strukturen, nehmen Sie kleine Cafés oder alte Tante-Emma-Läden, die von großen Ketten verdrängt werden - das ist eine Uniformierung und Verarmung der Innenstädte. Das gehört alles für mich zum Begriff Heimat dazu.“ Aus einem Cicero-Interview, September 2018.
    • Über Migration: „Offene Grenzen für alle“ ist weltfremd. Und wenn das Kernanliegen linker Politik ist, die Benachteiligten zu vertreten, dann ist die no-border-Position auch das Gegenteil von links. Alle Erfolge bei der Bändigung und Regulierung des Kapitalismus wurde innerhalb einzelner Staaten erkämpft, und Staaten haben Grenzen. ...  Arbeitsmigration bedeutet zunehmende Konkurrenz um Jobs, gerade im Niedriglohnsektor. Dass Betroffene davor Angst haben, ist verständlich. Es gibt auch nicht unbegrenzt Wohnungen, schon gar nicht bezahlbare. Menschen, die verfolgt werden, brauchen Schutz. Dafür ist das Asylrecht da, und das darf nicht ausgehöhlt werden. Aber wer den Fachkräftemangel überwinden will, sollte lieber mehr Geld in unser Bildungssystem investieren.“ Aus einem Focus-Interview, Februar 2018 .
    • Über Kriege des Westens: „Es sind Interessen und Interessen, die dahinter stehen, sind nicht die der grossen Teile der Bevölkerung auch nicht in den USA oder in Deutschland,  sondern die Interessen der wirtschaftlich Mächtigen und vor allem bestimmter Wirtschaftskreise, die sich mit Kriegen eine goldene Nase verdienen. Es sind.. etwas, was sich für die Reichen, die Oligarchen und die Mächtigen massiv auszahlt. Wir sind ja gewohnt, dass wenn von Oligarchen die Rede ist, es immer Russland gemeint wird. Aber der ehemalige US-Präsident Carter hat gesagt, was sind die USA? Es ist eine korrupte Oligarchie <...> Es ist auch in Deutschland so, dass Leute mit sehr viele Geld Politik beeinflussen können und sich Politik kaufen können. <...> Die Nato ist pure Heuchelei. Dort könnten die USA ihre Forderungen durchsetzen. Während die Nato-Staaten fast eine Billion Euro in Rüstung investieren, gibt Russland dafür 66 Milliarden Euro aus. Das ist eine Beleidigung unserer Intelligenz, wenn behauptet wird, dass Russland uns überfallen will.“ Aus einem Gespräch mit Jürgen Todenhöfer und Oskar Lafontaine, Mai 2019 in Saarbrücken.
    • Über Russland: „Wir wollen das Verhältnis zu Russland verbessern. Wir wollen, dass es wieder eine Anknüpfung an die Tradition der Entspannungspolitik gibt, eine Politik der guten Nachbarschaft. Das bedeutet, gegenseitig seine Interessen ernstzunehmen und gegenseitig zu akzeptieren, dass man legitime Interessen hat. Europa und Russland haben eine Geschichte, das kann man nicht wegwischen. Und Russland ist immer wieder Opfer von Überfällen und Kriegen geworden, nicht zuletzt und am schlimmsten im zweiten Weltkrieg durch Deutschland. Deswegen kann ich gut verstehen, dass wenn inzwischen wieder deutsche Soldaten an der russischen Grenze stehen, viele Menschen das als Bedrohung empfinden. Das wollen wir nicht, wir wollen Frieden in Europa und Frieden gibt es nur mit Russland und nicht gegen Russland.“ Aus einem Interview mit Sputnik, am Linke-Parteitag in Hannover, Juni 2017
    • Über Partei-Krise: „Heute haben wir das Phänomen, dass die Menschen, die subjektiv gar nicht unbedingt die finanziellen Probleme haben, sich als links ansehen werden. Diejenigen, die eigentlich von den Linken angesprochen werden müssen, verstehen sich nicht mehr als links, weil sie die einfach als zu elitär empfinden. Diese Menschen sind leicht ansprechbar von rechten Parteien. <...> Das hat nicht nur mit der Flüchtlingsfrage zu tun, das war sicher schon eine Frage, wo sich da etwas gebündelt hat auf den Unmut.  Die Leute haben gesagt, ihr vertretet uns nicht mehr.“  Aus einem Interview mit Gabor Steingart , Juni 2019
    • Über Rot-Rot-Grün: „Wenn die Farbenspiele von Rot-Rot-Grün nicht wirklich zu einer anderen Politik führen, sondern nur zu marginalen Korrekturen, dann produziert das nur eine wahnsinnige Enttäuschung.“ Sie wünschte sich eine Regierung mit einem anderen Programm, als die, „die wir schon seit vielen Jahren haben“. Bei den Grünen sehe sie, dass sie auch in einer Weise beliebig geworden seien und genauso gut mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer oder dem eher konservativen SPD-Politiker Olaf Scholz koalieren könnten. „Wenn ein solches Projekt Sinn haben soll, dann muss es für eine andere Politik stehen“, glaubt Wagenknecht. Die Fehlentwicklung der letzten Jahre sei es, dass es immer mehr Menschen gebe, die trotz Arbeit auf keinen grünen Zweig kommen würden. Dass es sich wiederhole, sei eine Peinlichkeit, sogar eine Plattitüde. Aus einem Interview mit Gabor Steingart , Juni 2019.
    • Über ihre Entscheidung, nicht mehr als Fraktionsvorsitzende zu kandidieren: „Ich bin sehr froh, dass ich damals so entschieden habe. Endlich komme ich wieder zum Lesen und Nachdenken. Und ich freue mich auf den Sommer. Erstmals seit langem werde ich das Handy in einem Urlaub komplett ausstellen.  <...>  Im Übrigen geht es mir gesundheitlich jetzt viel besser. Mein Terminkalender ist entspannter, der extreme Stress ist weg, auch wenn ich meine Verpflichtungen als Fraktionsvorsitzende natürlich wahrnehme.“ Zur Nachfolgerin: „Ich hoffe, dass es eine Lösung gibt, die in der Fraktion breit getragen wird, doch leider gibt es zurzeit in der Fraktion keine Frau, die von einer großen Mehrheit als Nachfolgerin gesehen wird“. Aus einem Interview für das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, Ende Juni.
    © AP Photo / Paulus Ponizak
    Über die Kindheit: „Ich habe mich als Kind nicht alleine gefühlt. Ich habe sehr darunter gelitten, dass mein Vater weg war… Ich habe dann aus diesem Alleinsein und bei mir war es so, dass ich anders aussah und von Kindern gehänselt wurde, deswegen habe ich mich dann zurückgezogen. Ich habe mir dann meine eigene Welt erschaffen. Dadurch muss ich sagen, ich habe keine traurige Kindheit gehabt. Ich hatte eine glückliche Kindheit, auch wenn ich relativ allein war. ...> Ich glaube, Kinder können sich die Welten ausmalen, und dann ist es bei ihnen völlig ok, wenn man alleine ist ...> ”. Von dem Treffen mit dem Modemacher Wolfgang Joop am 24. Juni 2019, Berlin

    Die Linkenfraktionschefin Sahra Wagenknecht, die „Außenseiterin“, wie die einstige Spitzenkandidatin Luc Jochimsen sie nennt, wird in Deutschland kritisiert und umjubelt. Als unumstritten gilt wohl: Sie ist ein politisches Talent.

    Zu ihrem 50. Geburtstag präsentiert Sputnik die Kernaussagen der Politikerin und Persönlichkeit.

    Tags:
    Geburtstag, Migration, Russland, Linke, Sahra Wagenknecht
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