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    Chefin der EU-Kommission Ursula von der Leyen im EU-Parlament am 16. Juli 2019

    „Vielleicht wird alles gut“ – Glückwünsche an Von der Leyen lassen das Netz beben

    © REUTERS / VINCENT KESSLER
    Politik
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    Marcel Joppa
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    Mit ein paar Dutzend Schmerztabletten sei die Wahl von Ursula von der Leyen vielleicht sogar ein guter Tag für Europa. Mit diesen Worten beginnt ein Brief des EU-Abgeordneten und Satirikers Martin Sonneborn an die neue EU-Kommissionspräsidentin. Das ironische Glückwunsch-schreiben sorgt im Netz für großes Echo - ebenso wie eine andere Aktion…

    Die deutsche Satire-Partei „Die Partei“ ist seit der vergangenen Europawahl mit gleich zwei Abgeordneten im EU-Parlament vertreten: Mit dem Parteichef und ehemaligen Chefredakteur der Zeitschrift „Titanic“, sowie dem Kabarettisten Nico Semsrott. Beide ließen bereits im Vorfeld klar erkennen, dass sie Ursula von der Leyen bei ihrer Wahl zur EU-Kommissionspräsidentin nicht unterstützen werden. Im Gegenteil. Jetzt, einen Tag nach der Wahl, hat Sonneborn einen Glückwunsch-Brief an die Gewinnerin veröffentlicht, der in sozialen Medien hohe Wellen schlägt. 

    Auf Twitter veröffentlichte Sonneborn am Mittwoch ein Schreiben, das direkt an Ursula von der Leyen direkt gerichtet. Er richtet ihr zu Beginn herzlichste Glückwünsche zur gewonnen Wahl aus:

    „Und wenn ich es mir ganz genau überlege und dabei ein paar Schmerztabletten nehme, einige wenige Dutzend, dann muss ich sagen: Vielleicht ist das nicht nur ein guter Tag für Sie, sondern sogar auch für Europa.“

    Wer den Satiriker kennt, der ahnt an dieser Stelle bereits, dass die Glückwünsche durchaus ironisch gemeint sind. Und so erklärt Sonneborn weiter, dass von der Leyen als Bundesverteidigungsministerin in ihren fünfeinhalb Jahren Dienstzeit mehr für den Frieden getan habe, als mancher Friedensnobelpreisträger:

    „Sie haben exorbitante Summen in eine Armee aus externen Beratern sowie ein focking altes Segelboot gesteckt. Dadurch wurde die Anschaffung von Kapazitäten verhindert, mit denen man viel effizienter Menschen hätte umnieten können.“

    Von der Leyen hinterlasse die Bundeswehr in einem für den Rest der Welt wünschenswerten Zustand: Die Truppe sei demoralisiert.

    Von der Leyen hatte das Amt der Bundesverteidigungsministerin im Dezember 2013 als erste Frau in diesem Ressort von ihrem CDU-Kollegen Thomas de Maizière übernommen. Sonneborn fährt in seinem Brief mit der Feststellung fort, dass sich die deutsche Truppe mit ihren Flugzeugen und Helikoptern dermaßen am deutschen Boden befinde, dass nun wirklich niemand mehr fürchte, von selbigem könne noch ein Krieg ausgehen:

    „Wenn in Deutschland etwas ausgeht, dann ein Panzer zehn Meter vor dem Parkhaus. Danke dafür – auch wenn man das natürlich hätte sehr viel billiger haben können.“

    Sonneborn hoffe, dass dies alles exakt der Plan von der Leyens gewesen sei. Er bittet die neue EU-Kommissionspräsidentin deshalb, diese „Abrüstungsarbeit“ auf europäischer Ebene zu wiederholen:

    2Die Gemeinschaft braucht an der Spitze nämlich jemanden, der ihrer derzeitigen Militarisierung einen Riegel vorschiebt. Frau Von der Leyen, wenn Sie das Thema in der bewährten Manier zur Chefsache machen, dann wird vielleicht doch noch alles gut.“

    Unterschrieben ist der Brief mit freundlichen Grüßen mit „Martin Sonneborn, MEP“.

    Es ist nicht der erste, spürbare und offensichtliche Seitenhieb gegen die Politik der einstigen Bundesverteidigungsministerin. Martin Sonneborn hatte bereits am Dienstag vor der Wahl zum Chefposten der EU-Kommission im Europaparlament das Wort ergriffen. Nach der offiziellen Bewerbungsrede Von der Leyens bei den EU-Parlamentariern konnten mehrere Abgeordnete Fragen an die Kandidatin richten, so auch der deutsche Satiriker. Er machte auch auf die übrigen, aus seiner Sicht unseriösen Kandidaten für EU-Spitzenposten aufmerksam:

    „Josep Borrell: Ein spanischer Typ, der als Präsident der Europäischen Hochschul-Instituts zurücktreten musste, weil er vergessen hatte, eine jährliche Gratifikation von 300.000 Euro zu erwähnen, soll als Außenbeauftragter die europäischen Werte in der Welt verteidigen?“

    Weiter erwähnte Sonneborn Christine Lagarde: Eine Juristin, die wegen Veruntreuung von 400 Millionen Euro öffentlicher Gelder schuldig gesprochen wurde und noch nie eine nationale Notenbank geführt hat, solle nun die EZB leiten. Und auch eine weitere Person lässt Sonneborn nicht unbedacht:

    „Charles Michel: Ein Belgier, der nicht einmal in Belgien eine funktionierende Regierung bilden konnte, soll Ratspräsident werden und für den Ausgleich in einem immer komplexeren Geflecht nationaler Interessen sorgen?“

    Von der Leyen selbst bezeichnete Sonneborn in seiner kurzen Rede eine europapolitisch „völlig kenntnisfreie deutsche Ministerin“, die lediglich durch einen „irren Hang zu überteuerten Beratern“, Missmanagement und Euphemismen aufgefallen sei. Als Beispiel nannte der Satiriker die von der ihr so genannte „Trendwende Finanzen“, die aber nichts anderes bedeute, als die größte deutsche Aufrüstungskampagne seit Kriegsende.

    Seit Bekanntwerden der Personalie von der Leyens als mögliche EU-Kommissionspräsidentin hatten Martin Sonneborn, Nico Semsrott und die Partei „Die Partei“ eine Kampagne gegen die deutsche Kandidatin geführt. Der Slogan „Europa nicht den Leyen überlassen“ verbreitete sich schnell im Netz. Auch der aktuelle Glückwunsch-Brief Sonneborns wurde mittlerweile tausende Male geliked, kopiert, geteilt und verbreitet. Vor allem bei jungen Internet-Usern war der satirische Protest dabei auf große Unterstützung getroffen.

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    Tags:
    EU-Kommission, Reaktion, Ursula von der Leyen, Deutschland