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14:33 17 August 2019
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    Annegret Kramp-Karrenbauer am 17. Juli in Berlin

    „Transatlantisch indoktrinierte Kleingeister“: Militärexperten geben AKK-Urteil ab

    © REUTERS / HANNIBAL HANSCHKE
    Politik
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    Liudmila Kotlyarova
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    Dass Annegret Kramp-Karrenbauer nun auf einen Schleudersitz befördert wird, nennt der Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose im Sputnik-Gespräch einen „Geniestreich“ von Kanzlerin Angela Merkel, sie wolle AKK auch Zeit geben, sich zu profilieren. Der Politologe Dr. Siegfried Fischer bemängelt dagegen „transatlantisch indoktrinierte Kleingeister“.

    Was hat Kramp-Karrenbauer nicht alles Höhnisches geerntet am Tag nach ihrer plötzlichen Beförderung zur neuen Verteidigungsministerin! Die Linken werfen Kramp-Karrenbauers CDU vor, Ministerien zu „Verschiebebahnhöfen“ zu machen, um die schrägen Personalprobleme der Union zu regeln“. Die FDP-ler legen den „Missbrauch der Bundeswehr durch die Personalspielchen“ bloß. Auch der renommierte Publizist Jürgen Todenhöfer wollte nicht nachstehen: „Na wirklich, wie soll AKK jetzt Deutschland verteidigen, wenn sie sich nicht einmal gegen Rezo verteidigt hat?“

    Der Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose will da nicht so skeptisch sein. Es sei ein Geniestreich von Angela Merkel gewesen, dass sie jetzt zwei vertraute Frauen in Spitzenpositionen gebracht habe, sagt er gegenüber Sputnik. „Sie hat damit die gesamte Männerriege von Friedrich Merz bis Jens Spahn und Armin Laschet ausgebootet.“

    „AKK steht bis jetzt für Seriosität und Solidarität“

    Die Kritik nach dem Motto, AKK ist eine Frau und hat von Militär keine Ahnung, komme vor allem von Männern und blende den Sachverhalt mit den bisherigen Ministern aus, so Rose. Da gebe es in dem Sinne nichts Besonderes. „Rudolf Scharping war nach dem Wechsel zur Rot-Grünen Regierung von Schröder/Fischer  genauso mit Absicht auf diesen Schleudersitz im Verteidigungsministerium gesetzt worden, weil er aus parteiinternen Gründen als Oppositionsführer abgelöst werden musste“, verweist Rose. „Er hatte allerdings kaum was an der Politik seines Vorgängers Volker Rühe geändert und sogar eine erbärmliche Figur im Jugoslawien-Krieg abgegeben, als seine Soldaten Jugoslawien bombardierten und er mit seiner Gräfin in Mallorca planschen ging in Swimmingpool“. Aber auch Helmut Schmidt, als Verteidigungsminister mal geschätzt, habe Probleme mit der Frage der sogenannten Atomminen gehabt, geschweige denn von Rühe beim Eurofighter-Projekt. Die AKK stehe bis jetzt aber für Seriosität und Solidarität. Rose ist das Motto lieber: Lass sie erst den Job machen, und wir schauen danach, ob es klappt. Übrigens:

    „Die Bundeswehr ist eine bewaffnete Bürokratie, wo 90 Prozent der Angehörigen den restlichen 10 Prozent das Kämpfen ermöglichen müssen. Sie soll nicht kämpfen, sondern den bürokratischen Apparat leiten, sie hat da hinreißend nachgewiesen, dass sie in der Lage ist, das zu tun. Das Fachwissen wird sie sich schnell aneignen.“

    Dem Politologen und Militärexperten Dr. Siegfried Fischer, Senior Fellow beim Institut für Internationale Politik (WeltTrends Potsdam), stehe es auch nicht, einer Dame gegenüber zu sagen, dass sie zu etwas nicht tauge. Man solle nicht von vornherein mit dem Finger auf die Person zeigen, mahnt er. Die Aufgabe der AKK, an der die Ursula von der Leyen gescheitert sei, sei es jetzt, den gesamten Apparat als „Augiasstall auszumisten“. Was stimmt aber nicht?

    „Nicht auf Augenhöhe mit den globalen politischen Playern“

    „Wer dort rein will und aufräumen will, muss ein exzellenter Politiker sein und gute Unterstützer finden können.“ Die AKK sei für ihn in dem Sinne eine sehr blasse Politikerin mit einem provinziellen Eindruck.

    „Das eigentliche Problem liegt aber nicht an AKK persönlich, sondern daran, dass die Koalitionsparteien keine vernünftigen Politiker mehr haben, weder charismatische Frauen noch Männer, sondern nur durchschnittliche. Diese sind kaum noch gebildete Weltbürger, sondern transatlantisch indoktrinierte Kleingeister, die nicht auf Augenhöhe mit den globalen politischen Playern handeln können, so dass die deutsche Politik als Pfeiler in Europa wahrgenommen wird“, sagt Fischer weiter.

    Mit diesem „peinlichen Postengeschacher“ wächst aus seiner Sicht nur die Entfremdung des Militärs von der Politik, was den Rechtsruck im Militär fördern werde und was die Verschwendung des Budgets nicht eindämmen werde. „Auch die Entfremdung zu Russland wird wachsen und Russland wird Deutschland immer weniger ernst nehmen.“ Der Fall sorgt schon für derartige Witze.

    Im zunehmenden Maße würden Leute an Führungspositionen kommen, so der Experte weiter, die transatlantisch aufgewachsen seien und grundsätzlich nie verstanden hätten, was Russland sei und dass Europa nicht an der russischen Grenze ende.

    „Deutschland entwickelt sich mehr und mehr zu einem politischen Zwerg mit transatlantischer Zipfelmütze“, resümiert Fischer.

    Doch da diese unglückliche Entscheidung schon getroffen wurde, will auch er doch erst abwarten. Jürgen Rose muss seinerseits zugeben, dass die deutsche Sicherheitspolitik immer noch stark auf die Nato angewiesen sei, die Nato sei sogar „die letzte heilige Kuh der deutschen Sicherheitspolitik.“ Er erwartet da jetzt mehr von Ursula von der Leyen in Brüssel und dem Projekt der Europäischen Armee, als von Annegret Kramp-Karrenbauer, die offensichtlich „konservativ agieren“ werde.

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    Tags:
    Bundeswehr, Ursula von der Leyen, Deutschland