00:27 15 November 2019
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    Eine der Foodwatch-Aktion vor dem EU-Kommision in Brüssel, 2018 (Archiv)

    Überwacht, denunziert, verleumdet: Foodwatch enthüllt Lobby-Machenschaften

    © AFP 2019 / EMMANUEL DUNAND
    Politik
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    Der gemeinnützige Verein „foodwatch“ kämpft für die Rechte von Verbrauchern und schaut der Lebensmittelindustrie genau auf die Finger. Wie die Organisation jetzt bekannt machte, scheint ihre Arbeit Konzernen, Wirtschaftslobbyisten und politischen Kräften so sehr zu stören, dass es zu einer regelrechten Verfolgung von Mitarbeitern kommt.

    Der gemeinnützige Verein „foodwatch“ finanziert sich zu einem überwiegenden Teil aus Spenden, eine staatliche Förderung lehnt die Organisation ab. Foodwatch verfolgt auch politische Ziele: Regeln und Gesetze in Europa und den EU-Mitgliedsstaaten sollten bezüglich der Nahrungsmittel konsequent die Interessen der Verbraucher vorrangig berücksichtigen. Eine Forderung ist vor allem mehr Transparenz bei der Lebensmittelproduktion und in der Gastronomie. Dabei legte sich „foodwatch“ auch mit mächtigen Lobby-Vereinen an, was den Mitarbeitern des Vereins wohl zum Verhängnis wurde.

    Unter dem Druck der Konzerne

    Wie der Geschäftsführer von „foodwatch“, Martin Rücker, nun mitteilte, habe die feindliche und aggressive Stimmung gegen die Organisation deutlich zugenommen. Dies treffe sogar einzelne Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wobei inzwischen immer häufiger Grenzen überschritten würden:

    „Organisationen wie ‚foodwatch‘ und die Menschen, die dort arbeiten, werden verleumdet, denunziert, observiert. Von Konzernen, Wirtschaftslobbyisten und von politischen Kräften. Das ist leider keine Übertreibung.“

    Als jüngste Eskalation berichtet Rücker über aktuelle Enthüllungen französischer Medien, wonach Der Gentechnik-Konzern Monsanto anscheinend nicht nur Listen von Personen führte, die gegen eine weitere Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat sind, sie ließen sogar überwachen:

    „Über Journalisten, Politiker oder Umwelt- und Verbraucherschützer erfasste Monsanto persönliche Informationen – Adressen, politische Einstellungen, zum Teil sogar Hobbys und persönliche Vorlieben und Bewertungen. Auf einer der geheimen Monsanto-Listen stehen auch zwei meiner foodwatch-Kolleginnen aus Paris.“

    Diese seien geschockt gewesen, als sie von der Überwachung durch Monsanto erfuhren.

    Auch Medien machen sich schuldig

    Nachdem „foodwatch“ immer wieder Informationen über Handelsabkommen wie TTIP an die Öffentlichkeit gebracht hatte, wurde die Organisation seitens der Politik immer wieder der Lüge bezichtigt. Einige Bundestagsabgeordneter und TTIP-Unterstützer bezeichneten „foodwatch“ öffentlich als „semikriminelle Vereinigung“ und setzten sie mit der Mafia gleich. Und das sei laut dem Verein nur die Spitze des Eisbergs:

    „Nach unternehmenskritischen Veröffentlichungen erreichen uns schon mal Drohanrufe. Industrienahe oder wirtschaftsradikale ‚Medien‘ und ‚Think Tanks‘ brüsten sich damit, Organisationen zu ‚observieren‘ und verbreiten im Internet Falschinformationen. Manche renommierte Zeitung macht sich solche Texte zu eigen, oft ungeprüft.“

    Weiter erklärt Martin Rücker, dass nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von „foodwatch“ nicht selten persönlich angegriffen würden. Auch hätten einflussreiche Politiker bereits versucht, die Arbeit der Organisation zu behindern, oder zu beeinflussen:

    „Bei einem persönlichen Gespräch im Bundestag drohte uns eine hochrangige Abgeordnete aus der Regierungskoalition ganz unverhohlen mit dem Entzug der Gemeinnützigkeit, wenn wir so weiter machen würden. Würde dies geschehen, wäre es für ‚foodwatch‘ existenzbedrohend!“

    Der Verein wolle sich aber nicht von Politik und Wirtschaft vorschreiben lassen, was zu tun sei. Laut Rücker wolle „foodwatch“ mit aller Macht gegen eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit kämpfen. Die Organisation wolle weiter unbequem bleiben und sich nicht entmutigen lassen. Man könne nur dann in einer lebendigen, demokratischen Gesellschaft leben, wenn das Engagement von Bürgerinnen, Bürgern und Organisationen gefördert statt bekämpft würde.

    mjo/foodwatch

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    Tags:
    Kampf, Lobbyisten, Foodwatch, Europa, Deutschland