10:45 19 November 2019
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    Ukrainische Sicherheitskräfte bei Mariupol, Ukraine (Archiv)

    Verbrechen in Ukraine: Ex-Gefangene von geheimem SBU-Gefängnis berichten von grausamer „Bibliothek“

    © AP Photo / Sergei Grits
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    Folterung mit Stromschläge und Benzinsägen, „Übernachtung“ in einer Grube mit den Leichen derjenigen, die die Foltern nicht überlebten… Was so unglaublich klingt, ist kein Horrorfilm, sondern Realität. So werden Menschen im 21. Jahrhundert in der Ukraine behandelt.

    RIA Novosti beginnt anhand von entsprechenden Dokumenten eine Serie von Berichten über Ereignisse in ukrainischen geheimen Gefängnissen, in die Kämpfer der selbsternannten Volksrepublik Donezk und einfach Menschen geworfen werden, die als „Mithelfer der Separatisten“ gelten.

    Ein Elefant - ein Tag

    Im März dieses Jahres fand im Pressezentrum der Internationalen Nachrichtenagentur "Rossiya Segodnya" eine Pressekonferenz des ehemaligen Oberstleutnants des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU), Wassili Prosorow, statt, der Journalisten über ein geheimes Gefängnis am Flughafen von Mariupol, die so genannte „Bibliothek“, berichtet hat. Sein Bericht wurde auch von ehemaligen Häftlingen dieses Gefängnisses bestätigt und ergänzt.

    Pressekonferenz des ehemaligen Oberstleutnants des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU), Wassili Prosorow
    © Sputnik / Vladimir Astapkovich
    Pressekonferenz des ehemaligen Oberstleutnants des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU), Wassili Prosorow

    „Als ich im Fernsehen Bilder von diesem Korridor sah, standen mir die Haare zu Berge. Diese Türen aus Plastik… Ich saß und konnte nur flüstern: ‚Oh Gott, das ist doch meine Zelle‘…“, erzählte die Einwohnerin von Mariupol namens Tatjana Ganscha. „Der Korridor war hell gestrichen, und dort gab es viele Türen aus Plastik. Ich begriff, dass das der Kühlschrank war… Ein schrecklicher Ort.“

    Tatjana Ganscha musste zehn Tage am Flughafen Mariupol verbringen und dachte nie, dass sie ihr Gefängnis irgendwann wiedersehen würde, und zwar im Fernsehen. Sie war Mitglied der Kommunistischen Partei der Ukraine, die inzwischen verboten ist. Sie gehörte zu den Teilnehmern der Protestaktionen in Mariupol und nahm dann auch am Referendum über die Zukunft des Gebietes Donezk am 11. Mai 2014 teil. Im Oktober 2014 wurde sie von Kämpfern des Bataillons „Asow“ gefasst. Tatjana hatte keine Ahnung, dass ihr Name auf der „schwarzen Liste“ stand, weil sie als gefährliche Separatistin galt.

    „Am Flughafen habe ich genau zehn Tage verbracht – vom 30. Oktober bis 8. November. Dort gab es in einer Zelle sogar Einkerbungen an der Wand. Um nicht verrückt zu werden und sich wenigstens in der Zeit zu orientieren, zählten die Häftlinge so die Tage unter Verschluss. Tatjana hat an der Wand sieben oder acht Elefanten gesehen – jemand war offenbar ziemlich kreativ und zählte die Zeit auf diese Weise. 

    Schon später, als sie wieder freigelassen worden war, erzählte Tatjana darüber jemandem – und lernte das andere Opfer kennen, das diese Elefanten an die Wand gemalt hatte: Natalja Mjakota. „Ich saß also in deiner Zelle und habe diese Elefanten gesehen“, sagte sie zu Natalja.

    Tatjana Ganscha
    © Sputnik /
    Tatjana Ganscha

    Die Ereignisse am Flughafen bezeichnet Tatjana Ganscha als „wahre Hölle“ und „Todesort“. „Über alle Schrecken kann ich nicht einmal erzählen. Man hat mir die Nase gebrochen, und mit meinem linken Ohr höre ich nichts mehr. Es fällt mir wirklich schwer, mich daran zu erinnern. Alles werde ich nicht erzählen… Aber der SBU-Wächter, der mich immer durch diesen Korridor auf die Toilette begleitete, erzählte mir, dass dort zwei Tage zuvor eine Frau totgeschlagen worden wäre. Sie hieß auch Tatjana.“

    Ihre Folterer sollen ihr immer mit der „Grube“ gedroht haben, in die die Leichname der getöteten Menschen geworfen wurden. Manchmal gaben sie Tatjana zu verstehen, dass auch sie bald totgeschlagen werden könnte. Oder man könnte sie noch lebendig in die Leichengrube werfen.

    „Soweit ich verstanden habe, gab es dort eine Grube, die mit Kalk gefüllt war“, so die frühere Gefangene der „Bibliothek“.

    Auf die Frage nach der möglichen Zahl der Opfer, die dort begraben worden sein könnten, antwortete sie:

    „Sehr viele. Menschen waren noch vor meiner Gefangenschaft spurlos verschwunden.“ Sie habe gehört, dass auch auf dem Gelände des städtischen Gemüsedepots viele Menschen begraben worden seien. Das sollen Hunderte Menschen sein. „Aber das ist meine persönliche Meinung“, ergänzte die Frau.

    Erst am 8. November 2014 durfte sie den Flughafen verlassen – um am Ermittlungsverfahren teilzunehmen. Und am 26. Dezember gehörte sie zu den Gefangenen, die die Ukraine und die Volksrepublik Donezk austauschten. Seit dieser Zeit lebt Tatjana in einem Wohnheim für Flüchtlinge auf dem von Kiew kontrollierten Territorium. Und ihr Haus in Mariupol wurde nach ihren Worten von „Asow“-Kämpfern ausgeraubt.

    „Die ‚Genossen‘ von ‚Asow‘ haben aus meinem Haus alles herausgetragen – aber auch wirklich alles: das Heizsystem, Fenster, Türen…“

    Auch Wassili Prosorow erzählte, dass Mitglieder der „Freiwilligen-Bataillone“ alle mögliche Haushaltstechnik nach Hause geschickt hätten – als Beutestücke.

    Der „Metzger“ und der „Doktor“

    Olga Selezkaja wurde am 29. August  2014 im Zentrum von Mariupol gefasst – ebenfalls von „Asow“-Kämpfern. Sie musste nur einen Tag im geheimen Gefängnis verbringen. Einen Tag später wurde sie SBU-Vertretern übergeben. Das Protokoll wurde am 30. August ausgefertigt. Darin stand, sie wäre in einem Bus in einem Vorort von Mariupol festgenommen worden.

    „Dort (am Flughafen) werden keine Dokumente ausgefertigt. Man wird bedroht: So können Familienmitglieder (der Mann oder die Kinder) des Festgenommenen ebenfalls gefasst und dorthin gebracht und gefoltert werden – vor den Augen des Verhörten. Man wird eingeschüchtert und gebrochen – moralisch und auch physisch“, erzählte Selezkaja. „Und wenn man vom SBU geschnappt wird, dann werden schon Dokumente ausgefertigt. Als wäre man gerade erst festgenommen worden. In meinem Fall wurde behauptet, ich wäre mit einem Bus irgendwohin gefahren und wäre festgenommen worden. Und wo ich den einen Tag verbracht hatte, bleibt unbekannt. Als wäre ich für diese Zeit einfach verschwunden.“

    Olga Selezkaja
    © Sputnik /
    Olga Selezkaja

    Olga Selezkaja erzählte über die Lieblingsfoltern, denen Gefangene unterzogen worden seien: Versenken in ein Fass oder Folter mit einem nassen Tuch. Das Gesicht wird mit einem Tuch bedeckt, und es wird mit Wasser begossen, bis das Opfer zu ertrinken beginnt.

    „Das Wasser gerät in die Lungen, und man wird ohnmächtig. Meine Folterer interessierten sich für Informationen über Waffen und Geld“, präzisierte Olga. Sie hat die Spitznamen ihrer Folterer behalten: „Metzer“ und „Doktor“.

    „Sie waren sehr einfallsreich bei den Foltern. Ich habe mit anderen Opfern gesprochen – wir wurden als ‚Bücher‘ bezeichnet und unser Aufenthaltsort als ‚Bibliothek‘. Ich habe von wirklich unmenschlichen Foltern gehört. Ich habe viele Menschen im SBU-Keller gesehen, die ebenfalls am Flughafen von Mariupol gehalten worden waren… Sie wurden zusammengeschlagen, manche von ihnen haben für ihr Leben lang Behinderungen davongetragen. Ich habe gehört, dass nicht alle diese Verhöre überleben konnten“, so Selezkaja.

    Olga Selezkaja wurde im Zentrum der Stadt Mariupol fastgenommen, aber laut der folgenden Protokolle ist das angeblich auf der Autobahn „Mangusch-Mariupol“ passiert. Sie glaubt, dass man damit ihr Festhalten in dem geheimen Gefängnis „vertuschen“ wollte:

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    Prosorows Pressekonferenz habe sie sehr beeindruckt – sie will sowohl den früheren SBU-Beamten als auch einige Häftlinge erkannt haben, deren Fotos er zeigte.

    Wassili Prosorow und Sergej Kriwonos
    © Sputnik / von Wassili Prosorow freigegeben
    Wassili Prosorow und Sergej Kriwonos

    „Ich kenne den Mann auf diesem Foto. Ich habe ihn gerade im SBU-Gebäude gesehen, als wir verhört wurden. Ich bin sicher, dass er das ist“, so Selezkaja.

    Der SBU-Oberstleutnant war einer der „Unseren“

    Auch die in Donezk bekannte Reporterin Jelena Blocha hat Prosorow erkannt. Am 2. August 2014 war sie an einer Blockstelle unweit des Dorfes Mangusch bei Mariupol festgenommen worden: Die Journalistin fuhr mit ihrem Sohn und einem Fahrer auf die Krim, ohne zu wissen, dass diese Straße von „Asow“-Kämpfern kontrolliert wurde und dass ihr Name auf der „schwarzen Liste“ stand, weil sie die Ereignisse in Donezk unvoreingenommen und objektiv beleuchtete.

    „Es war erstaunlich, als ich Prosorows Pressekonferenz sah – er nahm an meiner Festnahme teil“, so die Reporterin. „Ich habe sehr gut behalten, wie er aussieht“, sagte sie gegenüber RIA Novosti.

    Ihre Eindrücke über den Flughafen von Mariupol hat Jelena Blocha in ihrem Buch „90 Tage in Gefangenschaft“ ausführlich geschildert, das aber vorerst nur digital zu finden ist. Damals wusste sie noch nicht, dass Oberstleutnant Prosorow einer der „unseren“ ist, und nannte ihn „Bulldoggen-Fresse“.

    „Eines der Mitglieder der Festnahmegruppe, ein kräftiger Mann mit einem ‚Bulldoggengesicht‘, zeigte mir ganz kurz seinen SBU-Ausweis und sagte, alles wäre in Ordnung, aber wir müssten ihnen folgen… Eine halbe Stunde später wurden wir zum Flughafen von Mariupol gebracht. Wir passierten mehrere Kontrollstellen, wo es nicht nur Säcke mit Sand gab, sondern auch ‚Panzerigel‘. Dort gab es überall bewaffnete maskierte Männer, die uns erst dann durchließen, nachdem unsere Begleiter ihre Ausweise gezeigt hatten. Im Prinzip sind die Einwohner von Donezk schon längst an Männer in Tarnuniform gewohnt. Aber diese Männer waren besonders aggressiv. Auch am Flughafen wurden wir nicht gerade herzlich empfangen. Dort gab es schon eine ganze Abteilung von Männern in Tarnuniform und Sturmhauben. Aus dem Flughafengebäude hörten wir Schreie und Schläge – jemand wurde wohl verprügelt“, steht in ihrem Buch geschrieben.

    Dienstausweis von Wassili Prosorow
    © Foto : von Wassili Prosorow freigegeben
    Dienstausweis von Wassili Prosorow

    „Nach der Ankunft unterhielt sich einer der oberen Begleitenden unserer Gruppe lange über etwas mit einem geschäftigen, dickbäuchigen Mann in Tarnuniform  (es war ja sofort zu erkennen, dass er ein Chef war!)… Es war zu hören, dass die „Bulldoggen-Fresse“ und der mit dem Bauch im Zwiegespräch waren. Der eine sagte, dass es ein nichtöffentliches Objekt ist und wir uns da nicht aufhalten können, der andere versprach, dass es nur für kurze Zeit ist“, beschreibt Blocha ihre Eindrücke vom Flughafen.

    Sie war sogar in den berüchtigten Kühlhäusern, wo die Gefangenen gehalten wurden: „In einem 3 x 1,5 m großen Raum, gekachelt mit weißen Kacheln (ähnelte einem Lager), gab es nur einen Stuhl, auf dem eine Frau mit blassem Gesicht saß“. „Bitte nicht schließen!“, schrie sie dem Jüngeren. „Dulden! Du musst stark sein“, sagte er höhnisch und verriegelte die Tür. Es wurde ganz dunkel und sehr schwül. Anscheinend gab es kein Lüftungssystem“. (Zitat aus dem Buch von Blocha)

    Die Mitgefangene sagte Blocha, dass sie zweimal zum „Erschießen“ geführt worden sei, wobei man das Geständnis habe erzwingen wollen, dass sie eine Diversantin der Volksrepublik Donezk sei. „‘Es wurde gesagt, ich würde gleich im Schutzgraben begraben werden, und niemand würde mich finden, wenn ich nicht mit ihnen kooperiere‘, erzählt Julja und atmet schwer“, heißt es in dem Buch.

    Auch der Sohn von Blocha hat genug Eindrücke – er wurde in eine Männerzelle gesteckt, in der sich acht weitere Personen befanden.

    „Einige von ihnen waren ihm zufolge augenscheinlich heftig geschlagen worden. Der eine hatte gebrochene Rippen, der andere gebrochene Beine… Was das für Menschen waren und was mit ihnen weiter geschah, weiß ich nicht. Ich kann es nur ahnen. Doch es war klar, dass diese Jungs tatsächlich einfach von der Bildfläche verschwinden können, wie das mit vielen passiert, die bei solchen ‚Freiwilligen-Bataillonen‘ gefangen genommen werden. Man muss betonen, dass Mariupol durch Repressalien seitens des Rechten Sektors und der Nationalbataillone besonders stark betroffen war. Denn Mariupol hat als eine der ersten Städte die Schaffung der Volksrepublik Donezk anerkannt“, so Blocha.

    Die Beobachtermission der Vereinten Nationen hat 16 Fälle registriert

    Die Situation am Flughafen Mariupol sowie in anderen geheimen Gefängnissen der Ukraine und der selbsternannten Republiken sorgte ständig für Aufsehen bei der Beobachtermission der Vereinten Nationen zur Lage mit der Einhaltung der Menschenrechte in der Ukraine, und wurde in den Berichten der Mission fixiert.

    Laut der Missionschefin Fiona Frazer wurden innerhalb von fünf Jahren „einige hundert Fälle von willkürlicher Festnahme bzw. Festhaltung ohne Verbindung mit der Außenwelt und die damit verbundenen Verletzungen bzw. von Missbrauch im Bereich Menschenrechtsschutz (wie Foltern und grausames Verhalten) sowohl durch die Regierung der Ukraine, als auch durch bewaffnete Gruppierungen der selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk registriert“.

    Die Beobachtermission der Vereinten Nationen zur Lage mit der Einhaltung der Menschenrechte in der Ukraine stellte 16 Fälle von willkürlicher Festnahme bzw. Befragung von Personen am Flughafen Mariupol fest. „Alle stammen aus den Jahren 2014, 2015 und der ersten Hälfte von 2016“. „Die kürzeste Frist des Festhaltens war einige Stunden, die längste ein Monat“, so Frazer.

    Frazer zufolge bekam die Mission keine Angaben über die „Bibliothek“ nach 2016, allerdings wird in den folgenden Artikeln von RIA Novosti und Sputnik ein Dokument veröffentlicht, der beweist, dass das Gefängnis mindestens bis Ende 2018 existierte.

    Die Generalstaatsanwaltschaft der Volksrepublik Donezk untersucht neun Strafverfahren

    Wie es in der Generalstaatsanwaltschaft der Volksrepublik Donezk hieß, untersuchen ihre Ermittler neun Strafverfahren, die gemäß Teil 1 des Artikels 427 des Strafgesetzbuchs der Volksrepublik Donezk eingeleitet wurden („Anwendung von verbotenen Mitteln und Methoden der Kriegsführung“).

    Appelle von friedlichen Bürgern erreichten die Generalstaatsanwaltschaft der Volksrepubliken Donezk zu Fällen von grausamen Verhalten der Rechtsschutzorgane der Ukraine gegenüber der Zivilbevölkerung. Alle neun Personen waren Opfer illegaler Handlungen von SBU-Mitarbeitern, die während der Befragung Foltermaßnahmen anwendeten – Stromschläge, Ersticken mit Plastiktüte, Waterboarding.

    Wie der Leiter der Abteilung für die Untersuchung der Verbrechen gegen den Frieden und die Sicherheit der Menschheit der Ermittlungsverwaltung der Generalstaatsanwaltschaft der Volksrepublik Donezk, Justiz-Berater Alexander Potapenko, sagte, laufen derzeit Ermittlungen zur Feststellung der Beteiligung SBU-Beamter an den Foltermaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung.

    Kühlhäuser in der „Bibliothek“

    Wie Wassili Prosorow auf der schon erwähnten Pressekonferenz sagte, gab es am Flughafen Mariupol lange Zeit ein geheimes Gefängnis – die so genannte „Bibliothek“, wo „Bücher“ aufbewahrt wurden – diese zynische Bezeichnung wurde den gefangenen Aufständischen der Volksrepublik Donezk sowie einfachen Staatsbürgern, die des Separatismus verdächtigt wurden, gegeben. Hier wurden sie gefoltert, um Geständnisse abzupressen, oder einfach als Rache für die Niederlagen der ukrainischen Armee an der Front bzw. Umsetzung ihrer sadistischen Neigungen. Die Gefangenen wurden in zwei abgeschalteten Kühlräumen gehalten. Sie boten sich als Gefängnis an, weil es da keine Möbel gab und die Türen hermetisch verriegelt werden konnten.

    Auf der Pressekonferenz zeigte Prosorow die Fotos von neun Gefangenen aus der „Bibliothek“ – Personen verschiedenen Alters – von einem Jugendlichen in einem tarnfarbenen T-Shirt, wegen dem er vielleicht auch festgenommen wurde, bis zu zwei Greisen. Alle hatten Merkmale, die darauf hinweisen, dass sie massiv geschlagen wurden. RIA Novosti fand Menschen, die einige „Bücher“ erkannten.

    Einer der Häftlinge des Gefängnisses
    © Foto : von Wassili Prosorow freigegeben
    Einer der Häftlinge des Gefängnisses
    Einer der Häftlinge des Gefängnisses
    © Foto : von Wassili Prosorow freigegeben
    Einer der Häftlinge des Gefängnisses
    Einer der Häftlinge des Gefängnisses
    © Foto : von Wassili Prosorow freigegeben
    Einer der Häftlinge des Gefängnisses

    Laut Prosorow gab es auf dem Gelände des Flughafens geheime Beerdigungen der Folteropfer. Die geheime „Bibliothek“ wurde von Kämpfern des berüchtigten Asow-Bataillons unter Schirmherrschaft des SBU geleitet. Die Asow-Kämpfer machten gewöhnlich die Schmutzarbeit, und die SBU-Mitarbeiter gestalteten das Procedere der Geständnisse.

    Um es vorweg zu sagen: Auf der anderen Seite gibt es nicht so viele Beweise, sie müssen wie Puzzleteile gesammelt werden. Die Ukraine ist noch nicht dazu gekommen, die eigenen Kriegsverbrechen zu untersuchen, obwohl der Präsidentenwechsel Hoffnungen aufkommen lässt.

    Zu dieser Beweisgrundlage gehören die Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Gutachten der „Bücher“, die sowohl während der Gefangenschaft als auch nach dem Austausch, bereits auf dem Territorium der Volksrepublik Donezk angefertigt wurden. Einige verbrachten nach der Gefangenschaft einige Monate in Krankenhäusern. Vier Aufständische der Volksrepublik Donezk, die sich bereits seit fast fünf Jahren in Untersuchungshaft in Mariupol befinden, haben es sogar geschafft, dass ein Strafverfahren wegen Folterns durch die Militärstaatsanwaltschaft der Garnison Mariupol eingeleitet wurde.

    Ein weiterer wichtiger Beweis: die Nichtübereinstimmung der Daten in den Dokumenten der Gefangenen. Es vergingen einige Tage bzw. Wochen zwischen der faktischen Festnahme und der offiziellen Ausfertigung. Zugleich wurde die Festnahme oft in Videos der Asow-Kämpfer und sogar in Pressemitteilungen des SBU fixiert. In der nächsten „grauen“ Phase wurden die Gefangenen gefoltert – so wurden sie auf die offiziellen Befragungen durch den SBU vorbereitet, wobei sie redseliger gemacht wurden. Es wurde versucht, jede Informationen von den Gefangenen zu bekommen, die helfen könnten – Namen anderer „Separatisten“, Aufgaben, die sie aus Donezk gestellt bekamen.

    Es gibt viele Informationen über die Ereignisse in den geheimen Gefängnissen in den Berichten der UN-Beobachtermission. Zudem fand RIA Novosti zwei weitere ehemalige Mitarbeiter der ukrainischen Sicherheitsstrukturen, deren Aussagen über die geheimen Gefängnisse zuvor nicht publik gemacht wurden und in den kommenden Artikeln behandelt werden.

    Zum Schluss kommt noch ein interessanter Beweis der Existenz eines geheimen Gefängnisses am Flughafen sowie der Versuche des SBU, das zu verheimlichen – ein Dokument des SBU. Darüber wird ausführlicher im nächsten Artikel berichtet, und das Dokument selbst veröffentlicht.

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    Tags:
    Rechte, Menschen, Opfer, Gefängnis, Ukraine