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06:26 12 November 2019
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    F-35-Kampfjet (Archiv)

    S-400 und Ausschluss aus F-35-Programm: Türkei wird alternative Varianten erwägen – Exklusiv

    © Foto: U.S. Air Force/Senior Airman Alexander Cook
    Politik
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    Die türkischen Parlamentarier von der regierenden Partei der Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) haben in einem Interview für Sputnik die Erklärung des Pentagons über den Ausschluss der Türkei aus dem Programm zur Produktion von F-35-Kampfjets kommentiert.

    Der Vizevorsitzende der türkischen Delegation in der Parlamentarischen Versammlung der Nato, Ahmet Berat Çonkar, sagte, dass dies die ungerechte Position der USA gegenüber der Türkei widerspiegele, die Washington in letzter Zeit besonders deutlich an den Tag lege. Das widerspreche völlig dem Prinzip der Beziehungen zwischen Verbündeten:

    „Statt das sich die USA um das Vertrauen der Türkei bemühen und unsere Erwartungen in solchen Aspekten wie Einstellung der Unterstützung der Kurden und Auslieferung Gülens erfüllen, tun sie genau das Gegenteil und haben die absolut unbegründete und inakzeptable Entscheidung getroffen, die Türkei aus dem F-35-Programm auszuschließen.“

    Dem Abgeordneten zufolge haben die Amerikaner einen großen Fehler gegenüber der Türkei begangen und müssten ihn jetzt wiedergutmachen:

    „Vor allem ist das eine unbegründete und unfaire Entscheidung, die sich kaum erklären lässt. Die Türkei hatte ihrerseits alle möglichen Maßnahmen in diesem Bereich ergriffen, unter anderem die Bildung einer gemeinsamen Kommission mit den USA und der Nato initiiert. Aber die Gegenseite hat, wie wir sehen, diese Initiativen ignoriert.“

    Es sei offensichtlich, dass diese Situation ernsthafte Kontroversen auch innerhalb der Nato provozieren könnte, so Çonkar weiter:

    „Man könnte erwarten, dass die Nato-Länder in diesem Sinne solidarisch mit der Türkei sind, denn die Türkei, die zu den wichtigsten Verbündeten gehört, die den größten Beitrag zum Funktionieren dieser Struktur leisten, in dieser Situation unfair behandelt wird. Aber diese Länder zeigen ihre unverhohlene Schwäche. Wir müssen mit Bedauern beobachten, dass diese Länder von den USA viel zu stark beeinflusst werden.“

    Der türkische Parlamentarier unterstrich, dass Ankara in dieser Situation nach alternativen Kooperationsvarianten suchen müsse. So wolle die Türkei „eine noch intensivere Arbeit an der Entwicklung von eigenen Rüstungssystemen“ in Übereinstimmung mit ihren nationalen Bedürfnissen und Aufgaben führen.

    Auch erwäge man nun alternative Angebote „anderer Lieferanten“: „Wenn sich eine Tür schließt, werden sich unbedingt andere Türen öffnen. (…) Früher hatten die USA unter dem Einfluss derselben lobbyistischen Kräfte den Verkauf von mit Waffen ausgerüsteten Drohnen an die Türkei verweigert. Aber die Türkei verfügt inzwischen über eigene Möglichkeiten für eigene Produktion“, so der Politiker.

    Der Vizevorsitzende der türkischen Parlamentskommission für nationale Verteidigung, Refik Özen, bedauerte seinerseits gegenüber Sputnik die Entscheidung Washingtons und betonte, dass Ankara an einer solchen Entwicklung der Situation nicht interessiert und dafür auch nicht verantwortlich sei. Özen zufolge verfolgt die Türkei die ganze Zeit eine prinzipielle und ausbalancierte Politik: „Ursprünglich wollte die Türkei Raketenabwehrsysteme Patriot kaufen, aber wegen der Position der Amerikaner musste sie sich für alternative Varianten entscheiden – und das war ihr gutes Recht. Am Ende wurden S-400-Raketenkomplexe gekauft.“

    Özen unterstrich, dass die Türkei in dieser Situation „kein Verlierer“ sein werde und dass dies „ein herber Schlag“ gegen ihre Beziehungen mit den USA sei:

    „Es ist offensichtlich, dass es auch in Amerika diesbezüglich Kontroversen gibt – das ist selbst an den widerspruchsvollen Erklärungen Trumps und des Pentagons zu sehen. Die Türkei wird unbedingt alternative Kooperationsvarianten erwägen. Die gestrige Entscheidung hat leider eine Vorgehensweise der Gegenseite hinsichtlich unserer Kooperation und Partnerschaft gezeigt, die sich keineswegs als konstruktiv bezeichnen lässt“, so der Abgeordnete.

    Nach seinen Worten sind Washingtons Versuche, die Nato als Vorwand für das eigene Vorgehen darzustellen, kaum überzeugend: „Die Türkei praktiziert eine verantwortungsvolle Politik (…). In der nächsten Zeit, wenn die S-400-Raketen geliefert werden, wird die Türkei ein wichtiges Element seiner Luftabwehr etablieren. Und ob sie F-35 oder andere Kampfjets kauft, wird die Türkei schon selbst entscheiden, wenn sie alle vorhandenen Varianten analysiert hat.“

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    Tags:
    Programm, F-35, Raketenabwehrsystem S-400, Türkei, USA