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13:02 21 September 2019
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    Ort der Katastrophe von Flug MH17

    MH17: Wer vertuscht was? – Privatermittler will Beweise veröffentlichen

    © Sputnik / Michail Woskresenskij
    Politik
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    Vor fünf Jahren haben ostukrainische Rebellen mit einer russischen Buk-Rakete ein malaysisches Passagierflugzeug abgeschossen – so die offizielle Version zur Katastrophe von Flug MH17. Doch ein Privatermittler hat Zweifel: Es fehlen bisher nicht untersuchte Fakten, sagt er. Die will er den Ermittlern übergeben und helfen, die Wahrheit aufzuklären.

    Neue, bisher unbeachtete Fakten zur Katastrophe des Malaysian Airlines-Fluges MH17 am 17. Juli 2014 will der Privatermittler Josef Resch an die Ermittler des Joint Investigative Teams (JIT) übergeben. Das JIT hat den Absturz der malaysischen Passagiermaschine vor fünf Jahren über der Ostukraine untersucht. Resch hat 2014 für einen anonymen Auftraggeber mit Hilfe einer Millionen-Prämie nach Informationen gesucht, die den Absturz aufklären helfen.

    Der Privatermittler enthält sich jeder Bewertung des ihm zugespielten Materials. Es drängt sich aber der Eindruck auf, dass diese Informationen das tatsächliche Geschehen aufklären helfen könnten. Sie könnten die bisherige offizielle Version in Frage stellen und Vertuschungsversuche aufdecken. Dazu ist es aber notwendig, dass erst einmal alle vorgelegten Beweise sachgerecht geprüft werden, bevor Urteile gefällt werden.

    Zum JIT gehören polizeiliche und strafrechtliche Ermittler jener drei Staaten, die die meisten Todesopfer zu beklagen haben (Niederlande, Malaysia, Australien), des Staates, über dessen Territorium der Abschuss passierte (Ukraine) sowie Ermittler aus Belgien. Geleitet wird es vom niederländischen Staatsanwalt Fred Westerbeke. Es stützt sich neben eigenen Ermittlungen vor allem auf die private Online-Plattform „Bellingcat“, die vorgibt, unabhängig in solchen Fällen zu ermitteln.

    Unbekannter Auftraggeber

    Das JIT behauptet, eine Luftabwehrrakete vom Typ Buk, geliefert von Russland und abgefeuert von ostukrainischen Rebellen, habe vor fünf Jahren die malaysische Maschine vom Typ Boeing 777 mit 298 Passagieren vom Himmel geholt. Im Juni dieses Jahres wurden die Namen vor vier angeblichen Verantwortlichen veröffentlicht. Sie sollen im März 2020 in einem Gerichtsverfahren angeklagt werden.

    Im September 2014 wurde Resch über einen Schweizer Mittelsmann beauftragt, eine Belohnung auszuloben auf Hinweise zu Umständen und Hintermännern des mutmaßlichen Abschusses von MH17: 30 Millionen Dollar. Sein Auftraggeber war „ein großer Unbekannter mit sehr viel Geld“, wie das Magazin „Capital“ damals schrieb: „Und die Feinde, die er sich macht, sind mächtig. Die Wahrheit, die er sucht, will vielleicht niemand hören. Weil sie das Potenzial haben könnte, ein politisches Erdbeben auszulösen.“ Im Juni 2015 informierte der Privatermittler, dass der Auftrag erfüllt sei.

    Resch hat sich nun am 5. Juli 2019 an das JIT sowie dessen Leiter, Staatsanwalt Westerbeke, gewandt. Er bietet seine Hilfe an, die Katastrophe endgültig aufzuklären – durch die Fakten, die ihm 2014 ein Informant übergeben hat. Die ihm vorliegenden Beweismittel will er im Rahmen einer öffentlichen Aussage an das JIT komplett übergeben: „Aus Gründen unserer eigenen Sicherheit halten wir es dabei für erforderlich, dass bei unserer Aussage und Offenlegung der Beweismittel auch internationale Medien sowie Vertreter der betroffenen Staaten mit anwesend sind“, heißt es in dem Brief.

    Fehlende Fakten

    Das Schreiben und die Anhänge sind inzwischen auf der Website des Privatermittlers online einzusehen. Ein Blick auf die Liste der angekündigten Beweismittel lässt erahnen, um welche Informationen es sich handelt. In dem beigefügten Schreiben an den Bundesgerichtshof (BGH) vom 7. Dezember 2016 im Zusammenhang mit seiner Vorladung – ebenso auf der Website von Resch einsehbar – heißt es, dass der Informant Beweise vorgelegt hat, wonach westliche Geheimdienste wider besseren Wissens den wirklichen Tathergang am 17. Juli 2014 über der Ostukraine verschleiern.

    Unter Punkt 3 heißt es da: „Weiter kann der Informant Beweise dazu liefern, dass das Kanzleramt und die zuständigen Ministerien über die komplette Verschleierung des Abschusses informiert sind.“ Resch hatte den Eindruck, dass selbst der BGH seinerzeit Zweifel an den Aussagen des niederländischen Untersuchungsausschusses hatte.

    Der Privatermittler begründet in dem Schreiben an Westerbeke und das JIT sein Angebot zum einen damit, dass die Mitte Juni dieses Jahres von den Ermittlern veröffentlichten Erkenntnisse nicht die Fakten des Resch-Informanten enthalten. Zum anderen verweist er darauf, dass die deutschen Ermittlungs- und Strafbehörden bei ihm 2016 mit verschiedenen Maßnahmen versucht haben, an seine Informationen heranzukommen.

    Wichtiges Material

    Das reichte von einer Hausdurchsuchung, das Öffnen eines Bankschließfaches in der Schweiz bis zu einer angedrohten Beugehaft und einer Vorladung vor den Bundesgerichtshof (BGH). Bei einer Vernehmung von Resch beim Bundeskriminalamt (BKA) in Köln, nach der Schließfachöffnung, sei es auch um seine im selben Jahr veröffentlichte Autobiographie „Gefahr ist mein Beruf“ gegangen, in der er auch einige Vorgänge um die MH17-Ermittlungen beschreibt.

    Das Schreiben an Westerbeke übermittelte der Anwalt von Resch an eine Reihe internationaler Medien und 35 diplomatische Vertretungen in Deutschland. Darin ist auch zu lesen, dass er die zuständige BGH-Ermittlungsrichterin am 7. Dezember 2016 bat, seine Erkenntnisse an das JIT weiterzuleiten. Angesichts der jüngst von den Ermittlern verkündeten Anklagen gegen vier in Russland lebende Personen hat der Privatermittler den Eindruck, dass die ihm vorliegenden Informationen ignoriert werden. Dabei bittet das Team um Westerbeke selbst weiter öffentlich um weitere Hinweise.

    „Das, was mir übergeben wurde, ist ein Material, das man schon einmal erwähnen müsste“, erklärte Resch gegenüber Sputnik zur augenscheinlichen Ignoranz des JIT. „Vom JIT hat mein Anwalt bisher nur eine Bestätigung bekommen, dass das Schreiben angekommen ist“, so Resch. Er wolle den Angeschriebenen Zeit lassen, die von ihm genannten Fakten zu überprüfen. Gibt es in einer bestimmten Zeit keine Reaktionen, folgt ein nächster Schritt, wie er ankündigte.

    Fehlendes Interesse?

    „Bisher hat sich niemand bei mir gemeldet, bis auf die ‚Bild‘-Zeitung“, sagte er auf die Frage zu den Reaktionen der Medien. Der Privatermittler wundert sich, dass anscheinend kein Interesse an seinem Angebot besteht. Und das, nachdem zunächst mit verschiedenen Zwangsmaßnahmen versucht worden sei, herauszufinden, was er weiß. Große Medien hätten gleichfalls erst versucht, von ihm mehr zu erfahren, und dann aber plötzlich kein Interesse mehr gezeigt. Er habe inzwischen ganz große Zweifel an der angeblichen politischen Pressefreiheit der Medien hierzulande.

    Resch erklärte zu Beginn des Gespräches ausdrücklich, dass es nicht um seine Person und die seines ständigen Begleiters Afschar gehe. „Ich bin nur der Übermittler der Informationen, die mir übergeben wurden.“ Er will sich von keiner politischen Seite instrumentalisieren lassen, wie der Privatermittler betonte. Er sei ein Anhänger der westlichen Demokratie und sehe sich politisch als der CSU nahe stehend, auch weil er in Bayern geboren wurde.

    Ihm gehe es vor allem darum, das Geschehen am 17. Juli 2014 am Himmel über der Ostukraine lückenlos aufzuklären. Er fühle sich auch den Angehörigen der 298 Opfer gegenüber verpflichtet, dazu beizutragen. Er wolle ihnen ermöglichen, „alles zu erfahren“. Das habe er deutschen Opferangehörigen bei einem bewegenden Treffen im Juli 2017 versprochen. Es wäre das Mindeste, wenn seine zusätzlichen Beweise überprüft würden. „Ich will einfach, dass das geklärt ist.“

    Überprüfbare Beweise

    Erst durch das Schweigen der großen westlichen Medien, die sein Schreiben vom 5. Juli ebenfalls erhalten hatten, habe er sich entschlossen, die Anfrage von Sputnik und weitere Fragen zum Thema zu beantworten. Auf Nachfrage erklärte er, dass der Informant und die von ihm vorgelegten Beweise nach seiner Einschätzung glaubwürdig und stichhaltig seien. Er habe sich da abgesichert: „Ich lasse mich auch nicht benutzen, gehe an die Weltöffentlichkeit und stehe dann eventuell als Depp da“, so der Privatdetektiv mit jahrzehntelanger Berufserfahrung. Zudem seien die Beweise alle überprüfbar, in Schrift wie in Ton und anderer Form

    Sputnik liegt inzwischen die Kopie einer E-Mail eines niederländischen Anwaltes vor. An den hatte sich Resch im April 2019 mit der Bitte gewandt, ihn gegenüber dem JIT zu vertreten. Nach vorherigem wochenlangem Kontakt habe der Anwalt per E-Mail am 4. Juli dieses Jahres überraschend abgesagt, so Reschs Anwalt Schlichting in dem Schreiben vom 5. Juli. Sein Kollege in den Niederlanden begründet das damit, dass die angekündigten Dokumente der offiziellen Version widersprechen. Da diese inzwischen in der niederländischen Gesellschaft und vor allem von den Angehörigen der MH17-Opfer mitgetragen werde, könne er das Mandat nicht übernehmen.

    Aufmerken lässt, wie der niederländische Anwalt den Inhalt der Dokumente zusammenfasst: Das Flugzeug der Malaysian Airlines vom Typ Boeing 777 mit der Flugnummer MH17 sei abgestürzt, „weil es von einem ukrainischen Kampfjet abgeschossen worden sei“. Diese Theorie wird von zahlreichen Zweiflern an der offiziellen Absturztheorie, darunter Experten für Raketenwaffen und Luftfahrt, bis heute wiederholt vorgebracht. Auch malaysische Experten hatten das bereits im August 2014 untersucht und für möglich gehalten, wie die Zeitung „New Straits Times“ am 6. August 2014 berichtete.

    Für den Privatermittler Resch ist wichtig, dass es für ihn nicht um Vermutungen oder Theorien geht, sondern um Fakten und Beweise. Diese könne er den offiziellen Ermittlern des JIT übergeben, wie er gegenüber Sputnik betonte. Der heute 70-Jährige weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, dass er sich auf gefährlichem Terrain bewegt. Zu seinen bisherigen Auftraggebern gehörten Unternehmen, Privatpersonen und immer wieder Landeskriminalämter (LKA) sowie das Bundeskriminalamt (BKA). Kokainhandel, Wirtschafts- und Finanzbetrug und Kindesentführung versuchte er ebenso aufzuklären wie Sicherheitslecks bei großen Konzernen. Dabei hat er nach eigenen Angaben immer wieder erlebt, wie Skandale vertuscht wurden.

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    Tags:
    Ermittlung, Absturz, MH-17, Malaysia, Ukraine