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07:40 21 August 2019
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    Serbische Flagge in Mitrovica, Kosovo

    Balkan: USA wollen sich in Streit zwischen Serbien und Kosovo einmischen

    © AP Photo / Visar Kryeziu
    Politik
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    Die Lage auf dem Balkan ist weiterhin angespannt. Vor allem der Konflikt zwischen Serbien und dem selbsternannten Staat Kosovo schwelt weiter, ohne dass die Verhandlungen vorankommen. Nun will ausgerechnet Washington in dieses Patt eingreifen.

    Das amerikanische Außenministerium hat signalisiert, dass es bereit sei, in die blockierten Kosovo-Verhandlungen einzugreifen. So erklärte der Leiter der Europaabteilung des amerikanischen Außenministeriums, Philip Reeker, sein Land sei „absolut bereit“, sich an den von der EU geleiteten Verhandlungen zu beteiligen.

    Darüber habe er sich auch mit Außenminister Mike Pompeo verständigt.

    Reeker dürfte dabei auch die Tatsache in den Vordergrund rücken, dass er zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo 2008 Botschafter in Mazedonien war und die Region gut kennen dürfte.

    EU als Vermittler gescheitert

    Dieser Vorstoß aus den USA kommt auch deshalb, weil die EU als Konfliktvermittler gescheitert ist. So vermittelte die Außenbeauftragte der Union, Federica Mogherini, jahrelang erfolglos. Sie brachte zwar 2013 ein vage formuliertes Normalisierungsabkommen zustande, dieses wurde jedoch kaum umgesetzt.

    Zuvor waren jegliche Verhandlungen zwischen Kosovo und Serbien auf Eis gelegt worden, weil Kosovo hohe Strafzölle gegen Serbien erhoben hatte. Kosovo wiederum sieht darin nur eine Reaktion auf den von Belgrad verhinderten Beitritt des Kosovo zur Interpol.

    Der so von Pristina eingeführte hundertprozentige Zuschlag brachte den Warenverkehr zwischen den beiden Ländern zum Erliegen.

    Auch die Versuche des französischen Präsidenten Emmanuel Macron und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel blieben ergebnislos. Verwunderlich ist das nicht, denn Belgrad hatte klar gemacht: Solange die Strafzölle bleiben, könne nicht ernsthaft verhandelt werden.

    Werden Amerikaner mit ins Boot genommen?

    Der mögliche Eingriff seitens der USA dürfte aber kaum helfen, denn er ist extrem umstritten. Kosovo forderte immer wieder, dass die Amerikaner Einfluss auf die Verhandlungen nehmen. Serbien dagegen lehnte eine Beteiligung Washingtons in diesem Konflikt stets ab, und zwar mit einer einfachen Begründung – wenn die Amerikaner am Tisch sitzen sollen, dann auch die Russen.

    Nun könnte aber die Meinung der Serben gekippt sein, denn erstmals sprach Außenminister Ivica Dacic im Mai über Vorteile eines Einbezugs Washingtons.

    Diese Meinungsänderung könnte laut der „Neuen Züricher Zeitung“ damit zusammenhängen, dass US-Präsident  Donald Trump und einige Mitglieder seines Teams wie Sicherheitsberater Bolton mit ihrem Flair für Tabubrüche „als Hoffnungsträger wahrgenommen“ werden.

    Zugleich halten laut der NZZ die Kosovaren wenig von der EU, aber viel von den USA.

    „Um Druck und Ratschläge aus Europa schert man sich deshalb kaum. Amerika dagegen genießt noch immer fast grenzenlose Autorität (im Kosovo)“, so das Blatt.

    Lösungen wie etwa Grenzänderungen oder ein exterritorialer Status für orthodoxe Klöster im Kosovo scheinen mit ihnen möglich zu sein.

    /ng/mt

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    Tags:
    Balkan, USA, Serbien, Kosovo