Widgets Magazine
21:23 19 August 2019
SNA Radio
    Der AfD-Politiker Georg Pazderski (Archivbild)

    Nazis in der AfD? Partei-Vize Pazderski: „Auch die Grünen mussten sich erst häuten“

    © AP Photo / Michael Sohn
    Politik
    Zum Kurzlink
    Marcel Joppa
    424219

    Immer wieder sorgt der rechte „Flügel“ der AfD um Thüringens Landeschef Björn Höcke für Aufmerksamkeit. Das sei auch die Schuld der deutschen Medien, kritisiert der stellvertretende AfD-Chef Georg Pazderski. Er habe Höcke ermahnt, eine Spaltung der Partei sieht Pazderski nicht. Er vergleicht die AfD stattdessen mit den Anfängen der Grünen.

    Wie gespalten ist die AfD? Um das zu beantworten, hat sich der stellvertretende Parteivorsitzende Georg Pazderski am Dienstag den Fragen der ausländischen Journalisten in Berlin gestellt. Pazderski hatte vor einigen Tagen gemeinsam mit rund 100 AfD-Funktionären einen Appell unterzeichnet, der dem Thüringischen Landeschef Björn Höcke genau dies vorwirft: Eine Spaltung der Partei. Mit seinen provozierenden Äußerungen verletze Höcke die innerparteiliche Solidarität und falle den Mitgliedern in den Rücken, heißt es in dem Schreiben.

    Eine klare Abgrenzung…

    Gegenüber den internationalen Pressevertretern hat Pazderski seine Kritik nun noch einmal konkretisiert: Der rechtsnationale „Flügel“ in der AfD habe durchaus eine Daseinsberechtigung, aber er müsse auch seine Funktion und Aufgabe wahrnehmen, so der Partei-Vize:

    „Und die Aufgabe des Flügels ist, die Tür nach ganz Rechtsaußen zuzumachen. So, dass tatsächlich keine Extremisten in die Partei kommen können und dass man sich ganz klar gegen extremistische Tendenzen abgrenzt.“

    Ansonsten gelte für alle AfD-Mitglieder das Grundgesetz. Wer sich nicht daran halte, für den sei kein Platz in der Partei, erklärt Pazderski. Im Übrigen dauere die Aufnahme in die AfD für Neumitglieder rund ein Vierteljahr, was an einer genauen Prüfung der Anträge liege, denn die Partei habe aus der Vergangenheit gelernt.

    Die rechte Ecke…

    Kritik anderer Parteien an der AfD, diese agiere verfassungsfeindlich, will Pazderski nicht gelten lassen. Es werde bereits seit Jahren versucht, die AfD in die rechte Ecke zu stellen, doch das sei laut dem Partei-Vize meist nur Wahlkampfgeplänkel:

    „Im Prinzip wird das seit 2013 versucht. Denn in der Bundesrepublik Deutschland war es immer sehr erfolgreich, wenn man eine Partei als rechtsextremistisch darstellen konnte. Die NPD hat in Deutschland keine Chancen gehabt, die Republikaner hatten keine Chancen, die DVU auch nicht, weil man genau diese Strategie angewendet hat. Zum ersten Mal funktioniert das in der Bundesrepublik nicht mehr, weil die AfD viele Mitglieder aus dem ganz normalen bürgerlichen Milieu hat.“

    Pazderski ergänzt, dass der umstrittene rechtsnationale Parteiflügel auch nicht die Meinung der gesamten AfD widerspiegele, lediglich 15 bis 20 Prozent der Parteianhänger seien diesem Spektrum zuzuordnen.

    ​Im Gegensatz zu Björn Höcke sieht Pazderski den Regierungsauftrag als dringendes Ziel. Im „Flügel“ gäbe es dagegen Personen, die Regierungsverantwortung erst ab einer Mehrheit von 51 Prozent und somit ohne Koalitionspartner übernehmen wollten, dies sei aber utopisch. Höcke dürfe man aber nicht zu viel Bedeutung innerhalb der AfD zuschreiben, glaubt Pazderski, denn der Thüringer sei nur einer von insgesamt 16 AfD-Landesvorsitzen, auch sei Höcke kein Mitglied im Bundesvorstand, was auch so bleibe:

    „Sie müssen bei Björn Höcke sehen, dass er natürlich auch hochgeschrieben wurde von der deutschen Presse. Weil er jemand ist, der polarisiert. Weil er jemand ist, der natürlich auch hin und wieder Aussagen macht, die meines Erachtens auch falsch sind und die er besser nicht getätigt hätte. Aber Björn Höcke ist nicht die bestimmende Person in der Partei.“

    Das belegten laut Pazderski auch die Umfragen in Thüringen selbst, wonach die AfD zwar rund 20 Prozent erreichen könne, aber nur knapp acht Prozent sich Björn Höcke als Ministerpräsidenten vorstellen könnten. Die AfD werde wegen ihrer Politik und nicht wegen bestimmter Personen gewählt.

    „Autistische“ Ex-Kollegen…

    Bereits die ehemaligen AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke und Frauke Petry hatten sich während ihrer aktiven Karriere mit dem so genannten „Flügel“ angelegt und Höckes Positionen kritisiert. Durchsetzen konnten sie sich nicht. Auf Sputnik-Nachfrage erklärt Pazderski jedoch, dass es eine weitere Abspaltung der AfD nicht mehr geben werde:

    „Bernd Lucke und Frauke Petry sind nicht wegen Björn Höcke ausgetreten, oder weil sie ihn nicht loswerden konnten. Sondern sie sind deshalb ausgetreten, weil sie vollkommen andere Vorstellungen hatten, wohin sich die Partei entwickeln sollte und weil sie ab einem gewissen Zeitpunkt vollkommen autistisch gehandelt haben.“

    So hätten beide nach den Aussagen Pazderskis ab einem bestimmten Punkt weder auf Ratgeber noch auf die Partei gehört und nur noch ihre eigene Politik gemacht.

    Parallelen zu den Grünen…

    Das Fazit des stellvertretenden Parteivorsitzenden: Im Kern sei die AfD auch durch ihre bisherige Entwicklung eine der basisdemokratischsten Parteien der aktuellen Politiklandschaft. Pazderski geht sogar noch einen Schritt weiter: Für ihn gebe es unglaubliche Parallelen in der Geschichte der AfD zur Geschichte der Grünen:

    „Da gab es die Fundis, da gab es die Realos, wir haben auch die Fundis, wir haben auch die Realos. Wir haben Leute, die durchaus nicht in die Partei gehören. Es gab bei den Grünen am Anfang Mitglieder, die früher in der NSDAP gewesen sind, also Nazis waren. Es gibt da also viele Dinge, wo man sagen muss: Die Grünen haben ihre Häutungen durchgemacht und ich bin mir sicher, auch die AfD wird ihre Häutungen durchmachen.“

    Aus diesem Grund brauche es auch einmal ein reinigendes Gewitter. Sicher ist sich Pazderski, dass es unter den Parteimitgliedern auch sicher Provokateure gebe, die vom Verfassungsschutz absichtlich zu diesem Zweck eingeschleust worden seien. Davon wolle man sich aber nicht beirren lassen, jetzt gehe es erst einmal um die Landtagswahlen in Ostdeutschland. In Sachsen sei eine Regierungsbeteiligung der AfD am wahrscheinlichsten – wenn die CDU dafür bereit stände.

     

    Der komplette Bericht als Radiobeitrag zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Nationalisten, Rechtsextremismus, Deutschland, Thüringen, Björn Höcke, AfD, Georg Pazderski