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    Präsentation von Wrackteilen der über Donbass abgeschossenen Boeing 777 auf der Militärbasis Gilze-Rijen

    Experten in neuer MH17-Doku: Ukrainischer Geheimdienst manipulierte Tonaufnahme

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    Politik
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    In einer neuen Dokumentation des holländischen Regisseurs Max van der Werff über den MH17-Abschuss hat der Oberermittler für digitales Gutachten, Akash Rosen, von der malaysischen Firma IT Forensic Services dem ukrainischen Geheimdienst SBU vorgeworfen, Tonaufnahmen von Gesprächen manipuliert zu haben.

    Die Tonaufnahme sei im Fall der abgeschossenen Maschine als Beweis vorgelegt worden.

    Als Hinweis auf die Manipulation nennt der malaysische Experte den Geräuschpegel in der Tonaufnahme:

    „Das ist manipuliert. Der Geräuschpegel unterscheidet sich von dieser Tonspur. Sehen Sie diese Tonspur, der Geräuschpegel unterscheidet sich in diesem Teil. Hier ist er niedriger und hier höher“, sagt Rosen in dem Film.

    Da seien Audio-Teile zusammengeschnitten worden. Es gebe zudem viele herausgeschnittene Abschnitte. „Das ist deutlich, Sie können das sehen, das Fehlen von Teilen der Tonaufnahme“, fügte der Analytiker hinzu.

    Der deutsche Analytiker Norman Ritter stimmt dem malaysischen Experten zu: Die Aufzeichnungen von Telefongesprächen seien gründlich bearbeitet und im Zuge von neun getrennten Manipulationen gefälscht worden. Er zweifle tatsächlich an der Echtheit dieser Aufnahmen, so Ritter.

    In der Doku wird darauf hingewiesen, dass der leitende Ermittler von der niederländischen Polizei, Wilbert Paulissen, bei einer Pressekonferenz am 18. Juni erklärt habe, dass die entsprechenden Tonaufnahmen vom ukrainischen Geheimdienst SBU bereitgestellt worden seien.  

    Der 28 Minuten lange Film von van der Werff, der die Tragödie selbstständig aufzuklären versucht,  war Mitte Juli auf YouTube veröffentlicht worden.

    USA und Ukraine wollten offenbar als erste an die Flugschreiber kommen

    Laut dem Oberst Mohammad Sakri, der nach dem MH17-Abschuss die Ermittlung des malaysischen Rats für Nationale Sicherheit leitete, mussten malaysische Militärs eine „Geheimoperation“ durchführen, um an die Flugschreiber schneller als die USA und die Ukraine zu kommen.

    Der damalige malaysische Premier Nadschib Rasak habe ihn nach der Tragödie angewiesen, sofort zum Abschussort zu fahren, so Sakri. Doch als er in Kiew eingetroffen sei, hätten die ukrainischen Behörden den malaysischen Ermittlern den Zugang zu dem Ort verwehrt, so Sakri.

    „Uns wurde nicht erlaubt, dorthin zu fahren. Dann nahm ich eine kleine Gruppe mit mir mit, um Kiew zu verlassen und uns heimlich nach Donezk zu begeben.“

    Mit einer Gruppe von elf Personen sei er dann den Vertretern aus anderen Ländern, darunter aus der Ukraine und den Niederlanden, zuvorgekommen. Die Letzteren seien von den Einheiten der selbsterklärten Volkrepublik Donezk gestoppt worden.

    Schließlich erhielt Sakri nach eigenen Angaben als erster die Flugschreiber bei einer gefilmten Übergabezeremonie am 22. Juli 2014.

    Daraufhin hätten verschiedene Behörden versucht, Anspruch auf die Black Box zu erheben. Die Beobachtermission der OSZE habe Malaysia gebeten, die Flugschreiber ihr zu übergeben, und habe eine Absage erhalten.

    Daraufhin hätten sich FBI-Agenten eingeschaltet. „Sie haben sich an mich gewandt und gesagt, ich solle ihnen die Black Box zeigen. Ich sagte nein.“ Auch die ukrainische Regierung habe die malaysischen Ermittler in Kiew dazu bringen wollen, die Flugschreiber zurückzulassen. Auch der Ukraine habe man eine Absage erteilt. 

    Abschuss der Boeing über Donbass

    Die Boeing 777 der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war am 17. Juli 2014 im umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk abgeschossen worden. Alle 298 Insassen der Verkehrsmaschine, die von Amsterdam nach Malaysia unterwegs war, kamen ums Leben. In der Region lieferten sich die ukrainische Armee und bewaffnete Regierungsgegner heftige Gefechte. Die Regierung in Kiew und die Milizen warfen sich gegenseitig vor, den Jet abgeschossen zu haben.

    Offene Fragen

    Auch fünf Jahre nach der Tragödie bleibt unklar, warum die Ukraine den Luftraum über dem Donbass nicht sperren ließ, obwohl dort damals schon seit Tagen Militärflugzeuge der ukrainischen Luftwaffe von den „Aufständischen“ abgeschossen wurden. So starben am 14. Juni beim Abschuss einer Militärmaschine vom Typ Iluschin IL-76 beim Landeanflug auf den Flughafen Lugansk 49 Menschen. Wollte Kiew etwa nicht auf die Einnahmen aus den Überflugrechten verzichten?

    Am Abend vor dem Abschuss der Boeing zeigte das ukrainische Militärfernsehen Verteidigungsminister Waleri Geletej bei der Inspektion einer einsatzbereiten Buk-Einheit im Kriegsgebiet. Bereits drei Wochen vor dem Abschuss der MH17 berichteten russische Medien, die Volksmiliz habe einen Stützpunkt der ukrainischen Luftabwehr in Donezk besetzt und ein Buk-System erbeutet. Das Verteidigungsministerium in Kiew wies das zurück. Am Tag nach dem Abschuss gestand der ukrainische Geheimdienst SBU aber ein, von einem Buk-System bei der Volksmiliz gewusst zu haben.

    Die Familien der Opfer haben sich am fünften Jahrestag der Tragödie erneut an Russland gewandt. Sie rufen die russischen Behörden zur Zusammenarbeit auf und fordern, dass Moskau einen Teil der Verantwortung für den Abschuss übernimmt.

    ta/gs

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    Tags:
    Ukraine, Abschuss, MH17