04:08 18 November 2019
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    US-Schiffe in der Straße von Hormus am 18. Juli 2019

    Straße von Hormus: China könnte negative Folgen der Militärkoalition zu spüren bekommen

    © Foto: U.S. Marine Corps/Staff Sgt. Donald Holbert
    Politik
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    China könnte eines der Länder werden, die die Ergebnisse der von den USA forcierten „neuen Ordnung“ in der Straße von Hormus zu spüren bekommen könnten. Diese Meinung äußerte der russische Politologe und Vizeleiter des Nationalen Instituts für Entwicklung der modernen Ideologie, Igor Schatrow, in einem Interview für Sputnik.

    Nach seiner Auffassung könnte die Situation um den Iran als Vorwand  für die Förderung einer neuen „Ordnung“ auf dem globalen Ölmarkt ausgenutzt werden, die den Interessen der USA entsprechen würde. Sollte in der Straße von Hormus die US-Flotte erscheinen bzw. eine Koalition unter der Schirmherrschaft der USA entstehen, würde sie auf eine ganz bestimmte Weise die Situation kontrollieren und zweifellos die Bewegungen von Schiffen, darunter von Tankern, überwachen, so der Experte.

    „Die USA bemühen sich um die Führungsrolle auf dem globalen Ölmarkt, indem sie mit Saudi-Arabien und Russland konkurrieren. Sie versuchen, den globalen Energiemarkt bereits mit ihren eigenen Ressourcen bzw. Vorräten zu beeinflussen – und nicht nur mit der Militärmacht. Und wenn die Amerikaner ihre militärische und politische Kraft bündeln (und das könnte in der Straße von Hormus passieren), könnten wir wichtige Veränderungen auf dem Ölmarkt sehen“, so  Schatrow. „Auch China könnte das zu spüren bekommen. Die Amerikaner entwickeln ihre Strategie zur Eindämmung Chinas immer weiter, und seine Energiesicherheit hängt großenteils vom störungsfreien Verkehr seiner Tanker mit dem Import-Öl ab.“

    „Die USA kreieren quasi eine Situation, die für sie eventuell nützlich wäre. Da China Energieressourcen durch die Straße von Hormus importiert, würden die USA natürlich Schiffe nicht im Interesse Chinas begleiten“, sagte seinerseits der Direktor des Zentrums für Erforschung der internationalen Energiesicherheit bei der Chinesischen Akademie der Gesellschaftswissenschaften, Huang Xiaoying, gegenüber Sputnik. „Dieselbe Verhaltenslogik gilt auch für andere Bereiche. Allerdings gibt es keinen Anlass dafür, dass die USA China direkt widerstehen oder sich in den Transport von Energieträgern einmischen.“

    Zur möglichen Koalitionsbildung in der Straße von Hormus sagte der chinesische Experte: „Meines Erachtens sollte eine Allianzbildung kein zu großes Chaos aus der Sicht der Sicherheit und der Schifffahrt auslösen. Die Idee zur Allianzbildung besteht darin, einerseits einen sicheren Schiffsverkehr in der Meerenge zu gewährleisten. Andererseits aber könnte es dafür auch andere Motive geben. Da der konkrete Inhalt der künftigen Allianz immer noch unklar ist, kann man nicht behaupten, ob das für die chinesische Seite nützlich oder schädlich wäre. Aber ich denke, dass diese Maßnahme nicht speziell gegen China gerichtet ist. Deshalb wird sie vermutlich keinen allzu großen Einfluss auf die Volksrepublik haben. Außerdem glaube ich persönlich, dass es normal wäre, wenn sich China dieser Allianz anschließen würde, wenn man bedenkt, dass es ein wichtiger Teilnehmer des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus ist.“

    Der arabische Politologe aus den USA Imad Abdel Hadi schloss ebenfalls nicht aus, dass in die Koalition China und auch Indien einbezogen werden könnten, die  Öl durch die Straße von Hormus importieren. „Die USA können es sich nicht leisten, die Meerenge im Alleingang zu patrouillieren“, zeigte er sich überzeugt. Gleichzeitig räumte der Experte ein, dass die jüngsten Erklärungen davon zeugen würden, „dass die nächsten und stärksten Verbündeten der USA wie Großbritannien, Frankreich und Italien nicht an dieser Koalition teilnehmen werden. Großbritannien wird die europäischen Kräfte bilden, die kein Teil der US-Koalition sein werden.“

    Fuad Izadi vom Institut für globale Studien und vom Institut für juristische und politische Wissenschaften bei der Universität zu Teheran glaubt nach seinen Worten, dass die Idee zur Koalitionsbildung zum Scheitern verdammt sei:

    „Dass die Amerikaner eine Koalition gegen den Iran bilden wollen, ist keine Neuigkeit – sie bemühen sich darum schon seit Jahren. Und dass sie dabei immer wieder erfolglos sind, wird inzwischen als eine gewisse Regel wahrgenommen. Sie wollten beispielsweise eine Art ‚arabische Nato‘ bilden – das klappte nicht. Die Amerikaner wollten auch ein antiiranisches Bündnis bilden, an dem sich Ägypten, Jordanien und Pakistan beteiligen sollten – aber keines von diesen Ländern wollte das. Auch diesmal werden wir keine Koalition sehen, denn praktisch alle Länder haben mittlerweile begriffen, dass die Außenpolitik Donald Trumps scheitern wird.“

    Der Dozent des politologischen Lehrstuhls an der Russischen Wirtschaftsuniversität „Georgi Plechanow“ Alexander Perendschijew führte gegenüber Sputnik andere Argumente für die Aussichtslosigkeit der Initiative Washingtons an. Nach seinen Worten wollen die Amerikaner mit ihren Erklärungen den Iran „psychisch bzw. emotional beeinflussen“. Außerdem analysieren sie die Einstellung ihrer Verbündeten – ob diese bereit wären, ihnen zu gehorchen. „Den Amerikanern ist es wichtig, das zu verstehen. An solchen Erklärungen von der Organisation von Patrouillen gibt es nichts Neues. In Wirklichkeit wird es in der Straße von Hormus keine großen Kriegsschiffverbände geben. Der Ölexport betrifft die Interessen von großen Korporationen, die die Weltwirtschaft prägen. Sie wollen Stabilität und keine Eskalation“, stellte der russische Politologe fest.

    „Die Streitkräfte Japans, Australiens oder europäischer Länder heranzuziehen, wäre ein teurer Spaß für die potenziellen Teilnehmer der Koalition“, zeigte sich der iranische Experte Ahmed Mahdi gegenüber Sputnik überzeugt. „Die Ausgaben und die Ergebnisse sind absolut unvergleichbar. Es ist unwahrscheinlich, dass jemand zustimmt. Und im Allgemeinen sollten die Länder, die dort liegen, diese Gewässer bewachen – aber nicht die Gäste aus Übersee“, betonte er.

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    Tags:
    Ölmarkt, Einfluss, Bildung, Koalition, China, Iran, USA