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    Russlands Präsident Wladimir Putin (r. in d. M) und Chinas Chef Xi Jinping (l. in d. M.) beim Gruppenfoto während des G20-Gipfels in Japan (Archiv)

    Drache und Bär: So steht es um die Nato, wenn Russland und China ein Militärbündnis schmieden

    © AFP 2019 / BRENDAN SMIALOWSKI
    Politik
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    Andrej Koz
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    Westliche Medien prognostizieren bereits eine neue Militärallianz zwischen Peking und Moskau, die die Nato herausfordern kann. Zwar ist es noch zu früh, von einem solchen Militärpakt zu sprechen, doch soll in diesem Artikel versucht werden, die gesamte Militärstärke Russlands und Chinas einzuschätzen.

    Russland und China nähern sich weiter an – auch militärisch. Die russischen Fernfliegerkräfte haben vor einigen Tagen erstmals mit der chinesischen Luftwaffe gemeinsame Patrouillenflüge absolviert. Vier strategische Bomber – zwei Tu-95MS und zwei H-6K – flogen über dem Japanischen und Ostchinesischen Meer.

    Panzer und Kanonen

    Hypothetisch könnte eine Militärallianz zwischen China und Russland tatsächlich ein perfektes Gegengewicht für die Nato sein. Die beiden Staaten, die den größten Teil Eurasiens abdecken, verfügen über riesige Natur- und Menschenressourcen. Die Gesamtzahl des Soldatenkontingents beider Armeen umfasst mehr als drei Millionen Mann. Das ist nur etwas weniger als die Kennzahl bei der Nato.

    Nach der Zahl der nuklearen Gefechtsköpfe ist eine Parität erkennbar. Der größte Teil des globalen Atomwaffenarsenals entfällt auf die USA und Russland. China erklärte mehrmals, sein strategisches Arsenal auf einem minimal ausreichenden Niveau beizubehalten.

    Die genaue Zahl der chinesischen Sprengköpfe gilt als geheim, Experten gehen aber von mindestens 270 Stück aus.

    Bezüglich der Panzer – der wichtigsten Schlagkraft der Bodenstreitkräfte – sind Russland und China der Nato deutlich überlegen. Unter Berücksichtigung der Panzertechnik, die sich in den Depots befinden, verfügt das potentielle Bündnis über 26.000 Kampffahrzeuge gegenüber 15.000 bei der Nato. Dabei verfügen acht von 29 Nato-Ländern gar nicht über eigene Panzereinheiten.

    „Die Götter des Krieges“ sind ebenfalls auf der Seite Russlands und Chinas. Zwei Länder verfügen über 28.000 bis 30.000 verschiedene Haubitzen, Kanonen, Minenwerfer und Mehrfachraketenwerfer. Bezüglich der Reserven sind die Kennzahlen noch höher. In den russischen Lagern befinden sich 22.500 Stück Artilleriewaffen. Doch auch die Nato kann „Feuer geben“ – in den Armeen der Allianz sind es 25.000 Gewehre.

    Asiatische Ambitionen

    Die Nato ist Russland und China auf hoher See überlegen – vor allem dank den starken Seestreitkräften der USA. Die Nato verfügt über mehr als 2200 Schiffe und U-Boote, darunter Versorgungsschiffe und Küstenschutzschiffe. Bei den Raketenkreuzern und Flugzeugträgern ist die Nato absolut überlegen. Die russische und chinesische Flotte verfügen über etwas mehr als 900 Stück. Die USA haben die größte U-Flotte, die sich aus 68 U-Booten zusammensetzt. Bei Russland und China sind es 64 beziehungsweise 68 Stück.

    Zudem hat die Nato die weltweit größte Luft-Armada – 20.500 Flugzeuge, Hubschrauber und Wandelflugzeuge (inklusive Militärtransport-, Aufklärungs-, Spezial- und Übungsmaschinen). Die US-Luftstreitkräfte verfügen über fast 14.000 Maschinen. Bei Russland und China sind es rund 6500 Flugzeuge und Hubschrauber.

    Die chinesische Armee hat schlagkräftige Landstreitkräfte, die rund 925.000 Mann zählen. China verfügt über viele kampfbereite Divisionen und Brigaden mit modernen Kampfmitteln. So wurde 2017 die Serienproduktion der Panzer VT-4 aufgenommen, die von Spezialisten als Zwischenmodell der 3. und 4. Generationen bezeichnet werden (zur letzteren gehört z.B. der russische T-14-Panzer auf Armata-Plattform).

    Das Tempo der Modernisierung der chinesischen Seestreitkräfte ist auch beeindruckend. Innerhalb von nur zehn Jahren hat Peking es geschafft, das Programm zum Bau der Schiffe und U-Boote aller Klassen, darunter Zerstörer und Flugzeugträger, massiv auszubauen. Vom größten Interesse ist der Ausbau des Expeditionspotentials. Zudem wird dem Bau der Schiffe für Beförderung der großen Militärverbände samt Technik und Waffen für große Entfernungen besondere Aufmerksamkeit zuteil.

    Russland und China können einander im militärischen Bereich gut ergänzen. Eine solche Allianz könnte ein neues Machtzentrum in einem multipolaren System der Zukunft sein. Natürlich geht es derweil nicht um solch eine Allianz, doch der Kurs auf Annäherung wurde bereits eingeschlagen.

    Gegen den Westen

    Der Initiator der Verhandlungen für militärische Zusammenarbeit war das russische Verteidigungsministerium. Die Besprechung eines möglichen Abschlussdokuments wurde mit dem Außenministerium abgestimmt. Über den Ort der bevorstehenden Verhandlungen und das Datum wird nicht berichtet. Doch bestehen keine Zweifel daran, dass sie stattfinden.

    Gemeinsame Patrouillen der russischen und chinesischen Fernfliegerkräfte, die am Tag nach der Veröffentlichung der Anordnung des Regierungschefs erfolgten, waren kaum Zufall. Wie es im chinesischen Verteidigungsministerium hieß, werden Russland und China gemeinsame Operationen fortsetzen.

    Bereits im Juni 2017 traf sich der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu mit dem chinesischen Kollegen Chang Wanquan am Rande des SOZ-Gipfels in Astana und schlug vor, eine Roadmap zur militärischen Zusammenarbeit 2017 bis 2020 zu unterzeichnen. Die militärische Zusammenarbeit der beiden Staaten war zum damaligen Zeitpunkt zwölf Jahre alt – erste bilateralen Übungen wurden 2005 auf der Halbinsel Shandong in China und in Wladiwostok abgehalten, an denen mehr als 10.000 Soldaten und Offiziere teilnahmen. Diese Manöver sind jährlich geworden. Heute ist China ein ständiger Teilnehmer der Internationalen Armeespiele in Russland.

    „Russland und China nähern sich im Militärbereich ernsthaft an“, sagte das Mitglied des Expertenrats „Offiziere Russlands“, Alexander Perendschijew. „Das ruht auf einer festen wirtschaftlichen Kooperation, globalen Projekten, an denen beide Länder teilnehmen. Moskau und Peking verstehen, dass die USA gegenüber der ganzen restlichen Welt aggressiv gestimmt sind. Das ist mit einem unvermeidlichen Verlust des Status der USA als globaler Anführer verbunden. Die Amerikaner und ihre europäischen Verbündeten setzen Russland und China unter Druck. Die Vereinigten Staaten müssen abgeschreckt werden. Wozu allein sein, wenn man sich zusammenschließen kann?“, so der Experte.

    Chinesische Militärs nahmen im vergangenen Jahr an den gemeinsamen Übungen „Wostok-2018“ teil. Zudem bekam China als erstes ausländisches Land die russischen S-400-Komplexe Triumph und Mehrzweckkampfjets Su-35. Man kann sicher behaupten, dass das Niveau der Kooperation zwischen den Streitkräften beider Länder tatsächlich präzedenzlos in der Geschichte des heutigen Russlands ist.

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    Tags:
    Kampf, Militärbündnis, NATO, China, Russland