09:19 08 April 2020
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    „Schädlicher“ Einfluss Russlands, glückliche Zukunft in Europa, Akzeptanz der „amerikanischen Realität“ im Kosovo und angebliche Gefahr für die Nachbarn – der frühere Außenminister Jugoslawiens findet im neuen US-Programm zur Eroberung Serbiens keine Elemente, die wirklich neu wären.

    Der stellvertretende US-Botschafter in Russland, Anthony Godfrey, der möglicherweise an die Spitze der Mission in Belgrad gestellt wird (dafür ist noch die Zustimmung des serbischen Außenministeriums nötig), trat am 30. Juni im Auswärtigen Ausschuss des US-Senats mit einem Vortrag zum Thema „Situation auf dem Balkan“ auf, wobei der Hauptakzent gerade auf Serbien gesetzt wurde. 

    Amerikaner: Serbien lässt sich von Russland beeinflussen und schüchtert gerne seine Nachbarn ein

    Kurz und knapp stellte Godfrey fest, dass Russland auf dem Balkan „sich aggressiv verhält“, die Region „schädlich beeinflusst“ und eine „Desinformationskampagne“ vorantreibt. Angesichts dessen versprach er, sein Bestes zu tun, um diese negativen Faktoren zu überwinden und sich auf eine Verbesserung der Beziehungen Serbiens mit Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Montenegro zu konzentrieren.

    „Wir unterstützen Serbiens EU-Integration. Dieses Land steht am Scheideweg, und seine Führung sollte Reformen durchführen, um den Weg zur EU weiter zu gehen“, so der Diplomat.

    Auf die Frage der Senatorin Jeanne Shaheen, die ihre Besorgnis um die Lieferung von zehn russischen Panzerfahrzeugen BRDM-2 zum Ausdruck brachte, die der serbische Präsident Aleksandar Vucic am vergangenen Montag höchstpersönlich besichtigt hat, erläuterte der Anwärter auf den Botschafterposten, dass die USA Serbien „auf dem westlichen Entwicklungsweg aufmuntern sollten, wozu es unter anderem seine Beziehungen mit Kosovo normalisieren sollte“. Shaheen warnte, dass die Lieferung der erwähnten Panzertechnik von Russlands Absicht zeuge, die Situation in Serbien zu beeinflussen, während Belgrad seinerseits seinen regionalen Nachbarn immer wieder „Angst macht“. Gleichzeitig erinnerte sie an „Serbiens Rolle in den Militärkonflikten der 1990er Jahre“.

    Dieselbe Peitsche, vertrocknetes Zuckerbrot

    Der ehemalige jugoslawische Außenminister Vladislav Jovanovic ist seinerseits überzeugt, dass die US-Politik gegenüber Serbien seit Jahrzehnten dieselbe bleibe, wobei Washington konsequent sein altes Ziel anstrebe: die ganze Balkan-Region unter seine volle geopolitische und strategische Kontrolle zu nehmen.

    „Und wir bleiben nach ihrer Auffassung eines der letzten Hindernisse auf dem Weg zu diesem Ziel. Angesichts der Stärkung der Positionen Russlands erwähnen sie im Moment gar nicht China, die Türkei und andere wichtige Faktoren auf dem Balkan“, sagte der Politiker in einem Interview für Sputnik. „Die Amerikaner gehen in zwei Richtungen vor: Indem sie Serbien mit den EU-Perspektiven locken, erwarten sie von ihm, dass es sich gegenüber Washington möglichst loyal verhält, und gleichzeitig tun sie alles, um Russland zu verdrängen und seinen Einfluss zu unterbinden. Inwieweit es sich dabei um die Erklärung über Möglichkeiten, aber nicht über Absichten handelt, ist eine andere Frage“, so  Jovanovic.

    Nach dem alten Schema

    Nach seinen Worten werden die USA mit Serbien „nach dem alten Schema“ arbeiten: Serbien maximal negativ darstellen (völlig im Sinne ihrer eigenen Propaganda der 1990er Jahre) und seinen Nachbarn das Gefühl verleihen, von Belgrad würde eine Gefahr ausgehen.

    „So könnten sie in beiden Aspekten den Druck ausbauen: die Schaffung von Bedingungen für den EU-Beitritt beschleunigen, was im Grunde die Beschleunigung der ‚Akzeptanz der amerikanischen Realität‘ im Kosovo und dessen Anerkennung bedeuten würde, und gleichzeitig die Befreiung der Region vom so genannten ‚schädlichen‘ Einfluss Russlands vorantreiben“, betonte der Ex-Außenminister Jugoslawiens.

    Er wurde noch nicht einmal zum Botschafter ernannt, macht aber kein Hehl aus seinen Zielen

    Jovanovic verwies darauf, dass Godfrey vorerst keinen Grund habe, sich zur Balkan-Tagesordnung öffentlich zu äußern, weil er noch nicht zum Botschafter in Serbien ernannt worden sei. (Die Zustimmung der serbischen Regierung fehlt nämlich noch.) Und im Sinne der diplomatischen Traditionen hätte er sein potenzielles Programm an der Spitze der US-Botschaft in Belgrad  noch nicht verkünden sollen. Dass Godfrey doch mit dem entsprechenden Vortrag im US-Senat auftrat, stufte Jovanovic als „Präventionsdruck auf Serbien“ ein.

    Angesichts der Ziele, die der US-Diplomat auf dem Balkan nach seinen Worten erreichen will, schlussfolgerte Jovanovic gegenüber Sputnik, dass Washington zu „entschlossenen Handlungen“ im Kosovo-Kontext tendiere, denn andernfalls würden die Amerikaner ihre Idee, den UN-Beitritt Kosovos voranzubringen, unter Umständen nie verwirklichen können. Neben den erwähnten Ländern China und der Türkei darf man nach seinen Worten auch nicht Deutschland und Frankreich vergessen, denn auch die beiden gehen in diesem Kontext in letzter Zeit ziemlich intensiv vor, während sich die Beziehungen zwischen Brüssel und Washington künftig nach verschiedenen – positiven oder auch negativen – Szenarien entwickeln könnten, warnte Jovanovic.

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    Tags:
    Gefahr, Verhältnisse, Botschaft, USA, Serbien