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04:05 23 Oktober 2019
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    Wahlplakate der PARTEI in Berlin (Archivbild)

    “Erfolgreich”, “digital” oder “deutsch”? – Was sagen die Landtagswahlprogramme der Parteien?

    © AP Photo / Michael Sohn
    Politik
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    Vor der nahenden Landtagswahl in Brandenburg haben Wissenschaftler der Universität Potsdam die Wahlprogramme von CDU, SPD, FDP, Grünen, Linken und AfD einer Sprachanalyse unterzogen. „Land“ ist das insgesamt am häufigsten verwendete Wort. Bei den charakteristischen Schlagwörtern tun sich hingegen erhebliche Unterschiede auf.

    Für die Erstellung der Analyse haben sich die Macher der Studie die Haupttexte aus den Wahlprogrammen der sechs Parteien vorgenommen und sie auf die Häufigkeit von Wörtern untersucht, wobei diese zuvor in ihre Grundform rückübersetzt worden sind. Gezählt wurden auf der einen Seite die häufigsten Inhaltswörter. Darunter versteht man die Summe der Substantive, Verben und Adjektive. Darüber hinaus wurden die Kategorien „häufigste Substantive“, „häufigste Verben“ und „häufigste Adjektive“ noch einmal gesondert untersucht.

    Klarer Sieger bei den Inhaltswörtern ist das Wort „Land“ – bei einer Landtagswahl wohl wenig überraschend.  In den Wahlprogrammen von SPD, FDP, Linken und der AfD liegt es an Platz 1, wobei es im Programm der AfD mit 0,55 Prozent den meisten Raum einnimmt. Bei den Grünen liegt „Land“ an Platz 2 hinter dem Top-Inhaltswort „gut“. Bei der CDU rangiert es an Platz 3 hinter „unterstützen“ und „gut“. Betrachtet man nur die häufigsten Substantive, so gewinnt „Land“ bei allen sechs Parteien.

    Bei den Verben ist das beliebteste Wort über Parteigrenzen hinweg „werden“. Es führt die Ranglisten in den Programmen von CDU, SPD, FDP und Linken an. Auch bei den anderen beiden Parteien steht es hoch im Kurs, wobei bei den Grünen aber „wollen“ gewinnt, bei der AfD „sein“. 

    Einigkeit herrscht bei den am häufigsten verwendeten Adjektiven: In allen sechs Wahlprogrammen liegt „gut“ auf Rang 1.

    Spannender wird es bei dem zweiten Teil der Analyse, der sich den sogenannten charakteristischen Wörtern bzw. statistisch überrepräsentierten Wörtern widmet. Diese Schlüsselwörter sind in absoluten Zahlen zwar nicht unbedingt die am häufigsten verwendeten, lassen sich aber im Vergleich zwischen den Wahlprogrammen als „besonders charakteristisch“ für eine bestimmte Partei herausstellen. Zur Erklärung der Methodik heißt es im Beitext der Analyse:

    „Das Wort ‚Katastrophenschutz‘ kommt im Wahlprogramm der CDU zwar nur 19 Mal vor. In den anderen fünf Wahlprogrammen kommt es jedoch zusammengenommen nur 10 Mal vor. Es hat entsprechend eine hohe ‚Keyness‘ für das Wahlprogramm der CDU, ist also im Vergleich mit den anderen Wahlprogrammen ein für das CDU-Programm besonders charakteristisches Wort.“

    Was für die Christdemokraten bei den charakteristischen Inhaltswörtern der „Katastrophenschutz“ ist, ist für die SPD „Zuhause“ und für die FDP „Hebamme“. Statistisch überrepräsentiert bei den Grünen ist „wollen“, bei den Linken „sichern“ und bei der AfD „fordern“.

    Bei den charakteristischen Substantiven gesellen sich zu „Katastrophenschutz“, „Zuhause“ und „Hebamme“ die Schlagwörter „Altpartei“ (AfD), „Projekt“ (Grüne) und „Senior(in)“ (Linke).

    „Fordern“ ist das charakteristische Verb von FDP und AfD, „sorgen“ gewinnt bei der CDU, „wollen“ bei den Grünen. Die Linken setzten auf „sichern“ und die Sozialdemokraten auf „zusammenhalten“.

    Am spannendsten wird es bei den Adjektiven, die ganz individuelle Charakteristika der Parteien zeichnen. Ohne den Anspruch einer Interpretation zu erheben, geben diese doch zumindest einen Hinweis darauf, wie die Parteien „ticken“ bzw. wo sie mit ihrem Programm hinwollen.

    Wenig überraschend: Bei den Grünen steht „ökologisch“ ganz oben, bei den Linken „sozial“ und bei der AfD „deutsch“. Bei der CDU siegt „digital“, während die FDP, die ja gern mit Digitalem wirbt, das Adjektiv „privat“ vorzieht. Das „erfolgreich“ an der Spitze der charakteristischen Wörter des SPD-Wahlprogramms mutet angesichts des derzeitigen Sinkflugs der Partei wie ein frommer Wunsch an.  

    In der Negativbilanz listet die Studie außerdem uncharakteristische Wörter auf. So ist „wollen“ unterrepräsentiert bei FDP und Linken, „müssen“ bei der SPD, „werden“ bei den Grünen, „unterstützen“ bei der AfD und „Euro“ bei der CDU.

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    Tags:
    Partei Alternative für Deutschland (AfD), Landtagswahlen, Wahlprogramm, Studie, Universität, Potsdam, Ostdeutschland, Deutschland, CSU, CDU, SPD