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01:21 12 November 2019
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    Der Zeugnissitz im US-Kongress

    Serbiens Gegenoffensive im US-Kongress: Verbrechen der Albaner im Kosovo

    © REUTERS / JONATHAN ERNST
    Politik
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    Der Vizevorsitzende des serbischen Parlaments, Vladimir Marinkovic, hat gegenüber Sputnik erklärt, warum Belgrad mehr als 20 Jahre wartete, bevor es Washington die Wahrheit über die Verbrechen der kosovarischen Albaner gegen die Serben erzählte.

    Er sagte, wer im Kongress die Serben und die Albaner unterstützt, und behauptet, dass immer noch Chancen auf eine Verbesserung der westlichen Haltung zu Serbien vorhanden sind.

    Am 7. August tauchten in den serbischen Medien Informationen auf, dass Belgrad eine diplomatische Aktion plant, bei der serbische Parlamentarier in die USA reisen und an einer Diskussion im US-Kongress teilnehmen werden, die der Geschichte des ethnischen Konfliktes im Kosovo und den Verbrechen der kosovarischen Befreiungsarmee UCK gegen die Serben gewidmet sein wird.

    Wahrheit über Verbrechen der kosovarischen Albaner wird in US-Kongress verkündet

    Die Belgrader Zeitung „Vecernje novosti“ berichtete, dass Serbien bei der Diskussion im US-Kongress Beweise für diese Verbrechen – viele Morde, Folterungen, Vergewaltigungen, Entführungen und das Festsetzen von Menschen in speziellen Lagern für Nichtalbaner, Organentnahme bei Serben – vorlegen will. Nach Angaben der Zeitung werden einige der Beweismittel, die die serbischen Abgeordneten in den USA vorlegen werden, dabei helfen, den ehemaligen Premier Ramush Haradinaj auf die Anklagebank zu bringen.

    Im Herbst wollen serbische Diplomaten, Parlamentarier und der serbische Caucus im US-Kongress den Kongressmitgliedern die Wahrheit über die albanischen Verbrechen im Kosovo vor Augen halten.

    Der Vizevorsitzende des serbischen Parlaments, Vladimir Marinkovic, der die Gründung des Kongresses der serbisch-amerikanischen Freundschaft initiierte, erklärte gegenüber Sputnik, warum er gerade jetzt, nach mehr als 20 Jahren, beschlossen hat, den USA die Wahrheit zu erzählen. Früher, unter der Obama-Administration, sei die Kosovo-Frage überhaupt nicht gestellt worden. Alle Initiativen Belgrads wurden im US-Außenministerium sofort als Nebensache abgetan, weil dieses Thema als abgeschlossen galt, so Marinkovic.

    Die Trump-Administration sei aber bereit, wieder über den Kosovo zu sprechen. Belgrad müsse selbst aus der geringsten Chance, die Meinung des Westens über sich selbst zu ändern, alles herausholen. Die elf Jahre seit der Selbstausrufung der Unabhängigkeit des Kosovo seien für Serbien wegen des Leichtsinns serbischer Politiker einfach verloren. Er spricht von „Freunden Serbiens“ im US-Kongress und Senat.

    Nein, noch nicht zu spät

    Der Vizevorsitzende des serbischen Parlaments und Initiator der Gründung des Kongresses der serbisch-amerikanischen Freundschaft sagte gegenüber Sputnik, dass der für Herbst geplante Auftritt der offiziellen Vertreter Belgrads im US-Kongress als Gegenoffensive der Serben betrachtet werden kann, die sich im Laufe einer sehr langen Zeit nur gegen ungerechte Vorwürfe verteidigten, und auch das nicht immer aktiv. Ihm zufolge besteht die Hauptaufgabe der Aktion darin, den amerikanischen Kollegen endlich die Wahrheit über die Ereignisse im Kosovo Ende der 1990er Jahre vor Augen zu halten. Als Antwort auf die Frage, warum Serbien nach 20 Jahren beschlossen hat, sich damit zu befassen, sagte er:

    „Die Position eines Teils der US-Administration, des Weißen Hauses, des Nationalen Sicherheitsrates hat sich eindeutig geändert, auch das politische Klima in den USA hat sich gewandelt. Die Kosovo-Frage liegt de facto wieder auf dem Tisch. Als Parlamentsabgeordneter komme ich oft zu Arbeitsbesuchen in die USA, bin bei Treffen in Kongress, Senat und Außenministerium anwesend. Unter der Obama-Administration wurde die Kosovo-Frage nicht in die Tagesordnung aufgenommen, sie galt nicht als Thema. Sie dachten, dass diese Frage gelöst und kein Problem mehr sei, das Außenministerium schob sie sofort in die dritte bzw. vierte Reihe.“

    Unterstützung kommt

    Ihm zufolge muss die freundschaftliche Haltung zu Serbien seitens der Kongressmitglieder Steven Stivers und Emanuel Cleaver genutzt werden, die die Ko-Vorsitzenden des serbischen Caucus sind, um Belgrads Position durchzusetzen und der Welt die Dokumente vorzulegen, die offenbaren, was im Kosovo seit Ende der 1990er Jahre in Wirklichkeit vor sich ging.

    „Ich meine, dass Serben verschwanden, dass es Pogrome gab, dass Frauen vergewaltigt wurden, dass Menschen vertrieben wurden, dass Häuser verbrannt wurden. Die nach Kosovo und Metochien heimkehrenden Flüchtlinge machen weniger als zwei Prozent der Menschen aus, die nach Juni 1999 (der Einstellung der Kriegshandlungen durch die jugoslawische Armee) vertrieben wurden. Wir wollen diese Tatsachen präsentieren, und zwar nicht nur Vertretern der serbischen Politik, die die Wahrheit kennen und die eine Vorstellung von den Ereignissen in der Region haben, sondern auch einem umfassenden Kreis von Kongressmitgliedern und Senatoren, Denkfabriken, Universitäten“, erläuterte Marinkovic.

    Belgrads Ziel besteht nach seinen Worten darin, nicht nur möglichst viele Entscheidungsträger in Washington über die Ereignisse im Kosovo und in Metochien zu informieren, sondern ihnen auch zu erklären, dass Serbien legitime Interessen auf diesem Territorium hat.

    Der Mantra-Effekt

    Der Vizevorsitzende des serbischen Parlaments betonte, dass Belgrad mit seinem Vorgehen gleichzeitig auch eine Antwort auf Pristinas Aktion im April sei: Am 30. April hatten die Kosovaren mithilfe ihres Lobbyisten im US-Kongress, Eliot Engel, eine Diskussion im Auswärtigen Kongressausschuss über „serbische Verbrechen gegen die albanische Bevölkerung im Kosovo“ organisiert.

    „Wenn man dieselbe Geschichte immer wieder erzählt, werden die Öffentlichkeit, die Medien und auch Politiker, die keine klaren Vorstellungen von unserer Region und den Beziehungen zwischen den dortigen Kräften haben, mit der Zeit glauben, dass dies die Wahrheit sei. Und es ist sehr schwer, gegen solch eine ‚Wahrheit‘ zu kämpfen“, stellte Marinkovic fest.

    „Wir beginnen praktisch einen Gegenangriff, wenn es um die US-Politik gegenüber dem Kosovo und Metochien geht, und bringen unsere Position voran. Und das ist erst der Anfang. Wir müssen die maximale Präsenz in Washington erreichen, damit jeder Vertreter Serbiens jede Möglichkeit nutzen kann, um unsere legitimen Interessen voranzutreiben“, so der serbische Abgeordnete.

    Er zeigte sich überzeugt, dass auch Washington das Kosovo-Problem aktuell nicht für gelöst hält; damit könnte Belgrad bei der fortlaufenden Diskussion seine Interessen verteidigen.

    Vergeudete Gelder gegen vergeudete Zeit

    Die Tatsache, dass die Kosovo-Albaner dank ihren Einnahmen aus dem Drogenhandel und anderen kriminellen Geschäften Mittel haben, um ihre Interessen in den USA zu lobbyieren, und die Unterstützung gewisser politischer Kreise in Washington genießen, sei allerdings nicht das größte Problem für Belgrad, fuhr Marinkovic fort.

    „Unser größtes Problem ist, dass wir nach 2000 zwölf Jahre verloren haben (2012 kam Präsident Tomislav Nikolic an die Machtspitze, der aber im Kosovo-Kontext eher passiv blieb. Es ist nicht ganz klar, was der Abgeordnete meint – möglicherweise die Unterstützung der Brüsseler Abkommen zwischen Belgrad und Pristina, die unter anderem die Bildung eines „Verbandes serbischer Gemeinden“ im Kosovo vorsahen, einer Art Autonomie, deren Vollmachten jedoch immer noch nicht ganz klar sind. Zudem weigern sich die Behörden in Pristina, das Abkommen einzuhalten – Anm. d. Red.), denn unsere Politiker waren dermaßen verantwortungslos und passiv, dass Kosovo von Tag zu Tag stärker wurde, während Serbien das beobachtete, ohne etwas dagegen zu tun.“

    Jetzt habe sich die Situation aber wesentlich verändert, stellte Marinkovic fest. Belgrad kämpfe inzwischen intensiv um den Kosovo – das sei offensichtlich.

    „Die Hälfte der Länder, die die selbsternannte Unabhängigkeit Kosovos anerkannt haben, machte das nicht deswegen, weil sie glaubten, Kosovo wäre bereit, ein unabhängiger Staat zu sein, und seine Unabhängigkeit würde den Völkerrechtsnormen entsprechen, sondern weil sie von den Kräften unter Druck gesetzt wurden, die Pristina unterstützten. Sie erkannten Kosovo deswegen an, weil wir passiv blieben, weil wir mit diesen Ländern nicht arbeiteten, um ihnen zu zeigen, dass sie falsch vorgehen und gegen das Völkerrecht und die Gerechtigkeit verstoßen“, so der Gründer des Kongresses der serbisch-amerikanischen Freundschaft.

    Zum Abschluss versprach er, dass der erste Auftritt der serbischen Vertreter vor den US-Kongressmitgliedern sicher nicht der letzte sein werde – das sei erst der Anfang der diplomatischen Aktivitäten Serbiens in dieser Richtung.

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    Tags:
    Jugoslawienkrieg, Anklage, US-Kongress, Kosovo-Befreiungsarmee, Organe, Serbien, Kosovo