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18:41 20 Oktober 2019
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    Türkische Soldaten an der Grenze mit Syrien (Archiv)

    „Druck auf die Türkei in Syrien kann für Washington schlimme Folgen haben“ - Experte

    © AFP 2019 / BULENT KILIC
    Politik
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    Das türkische Verteidigungsministerium hat bestätigt, dass in der Provinz Sanliurfa im Südosten des Landes sechs US-Militärs eingetroffen sind, die sich an der Arbeit des Koordinierungszentrums für gemeinsame Einsätze und die Einrichtung einer Sicherheitszone im Norden Syriens beteiligen werden.

    Verteidigungsminister Hulusi Akar erklärte zudem, dass das erwähnte Koordinierungszentrum seine Arbeit in wenigen Tagen beginnen würde. Gleichzeitig warnte er, dass Ankara in diesem Kontext keine Verzögerung dulden werde, und forderte Washington auf, die kurdischen „Selbstverteidigungskräfte“ in Syrien nicht mehr zu unterstützen. Sollten die Amerikaner die gegenseitigen Vereinbarungen ignorieren, könnte Ankara alternative Pläne zu Syrien aus der Schublade holen, ergänzte Akar.

    Über die möglichen „Alternativen“ sprach das ehemalige Mitglied einer Spezialeinheit der türkischen Armee, der Experte für Sicherheit und Terrorbekämpfung Abdullah Agar, in einem Interview mit Sputnik.

    Die meisten Sorgen mache sich die türkische Führung nach seinen Worten „um die Gefahr der Entstehung eines terroristischen quasi-staatlichen Gebildes in der Region, was zur Spaltung Syriens und in mittel- bzw. langfristiger Perspektive auch des Iraks und der Türkei selbst führen könnte“.

    „Wir sehen, dass Amerika diese Besorgnisse in seinem Interesse ausnutzt. Ankara warnt quasi Washington: Sollten getroffene Vereinbarungen nicht in Erfüllung gehen, hätten wir auch alternative Varianten, wobei es um diverse geopolitische, strategische und taktische Instrumente geht. Aktuell setzt Ihr die Türkei unter Druck, um Eure Ziele zu erreichen, aber künftig könnte dieses Doppelspiel für Euch selbst schwere Folgen haben, denn es würde dazu führen, dass die Türkei ihre geopolitischen Vorzüge wechselt“, so der Experte.

    Die USA setzen in Syrien vor allem darauf, „einerseits die kurdischen YPG-Kräfte und die kurdische Arbeiterpartei PKK auszunutzen, andererseits aber eine für Washington nützliche Kooperation mit der Türkei zu entwickeln. Aber eine solche scheinheilige Politik wird negative Folgen haben. Für die Türkei besteht das Problem nicht nur darin, dass sie Amerika in Syrien direkt widerstünde, sondern es geht inzwischen um geopolitische Vorzüge und Prioritäten. Wie lange könnte diese doppelsinnige Situation in den Beziehungen mit den USA noch dauern? Diese Frage wird in der Türkei in letzter Zeit sehr häufig aufgeworfen. Da gibt es jede Menge Kontroversen, denn die 70-jährige Kooperation der Türkei und der USA wandelt sich aktuell und bekommt neue Dimensionen. Offen gesagt sehen wir in letzter Zeit, dass die Multivektoren-Politik der USA scheitert – und was wir heutzutage sehen, sind die schmerzhaften Folgen dieses Prozesses“, schlussfolgerte Agar.

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    Tags:
    Vereinbarungen, Pläne, Syrien, Türkei, USA