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    Protest in Belgrad, Serbien (Archiv)

    Streit zwischen Kosovo und Serbien: Was meint Belgrad mit „Gleichmacherei“-Politik des Westens?

    © AP Photo / Darko Vojinovic
    Politik
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    Der Konflikt zwischen Serbien und Kosovo hat zuletzt wieder an Schärfe gewonnen. Vor allem kosovarische Zollbeschränkungen machen eine Einigung in naher Zukunft nahezu unmöglich. Nun hat der Chef der Kanzlei für Kosovo und Metochien bei der serbischen Regierung, Marco Djuric, scharfe Vorwürfe gegen den Westen erhoben.

    Die US-Botschaft in Pristina hat zusammen mit Vertretern Großbritanniens, Deutschlands, Italiens und Frankreichs am Dienstag einen Aufruf an die serbische Regierung und die kosovarischen Behörden verfasst, der diese auffordert, den Dialog unter der Schirmherrschaft der EU in Brüssel wieder aufzunehmen.

    Im Rahmen des neuen Dialogs soll Pristina die im November 2018 eingeführten Zölle in Höhe von 100 Prozent für Waren aus Zentralserbien aufheben. Belgrad soll seinerseits aufhören, bei Drittstaaten für den Widerruf ihrer Anerkennung der selbsternannten Republik Kosovo zu werben.

    Marco Djuric warf daraufhin dem Westen eine „Gleichmacherei“-Politik vor und nutzte hierfür den noch in der Sowjetunion verwendeten negativen Begriff „Urawnilowka“.

    „Der Dialog soll fortgesetzt werden, wenn die Zölle gestrichen werden. Es gibt aber eine eindeutige Tendenz zur Schaffung einer künstlichen ‚Urawnilowka‘, obwohl Pristina eindeutig gegen das CEFTA-Abkommen verstößt und illegale Versuche, internationalen Organisationen beizutreten, (unternimmt)“,  erklärte die Kanzlei.

    Unter ‚Urawnilowka‘ verstand man in der Sowjetunion ein Vorgehen, bei dem alle Beteiligten unabhängig ihrer Leistungen den gleichen Lohn bekommen. Der Begriff ist eindeutig negativ gefärbt.

    Westliche Länder würden auf der einen Seite von Serbien fordern, sich nicht mehr für die Wahrung seiner territorialen Integrität einzusetzen. Auf der anderen Seite verzichten sie aber auf Forderungen an Kosovo, seine Beitritts- und Kandidierungsversuche in internationalen Organisationen einzustellen.

    Das sei nichts anderes als ein Versuch, die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo kompromisslos zu erzwingen.

    Djuric betonte weiterhin, Serbien werde „seine Außen- und Innenpolitik im Kosovo im Einklang mit den nationalen Interessen fortsetzen.“

    Die bewaffnete Konfrontation zwischen albanischen Separatisten aus der Befreiungsarmee des Kosovo und der Armee und Polizei Serbiens führte 1999 zur Bombardierung Jugoslawiens durch Nato-Truppen. Am 17. Februar 2008 erklärten die kosovo-albanischen Strukturen in Pristina einseitig die Unabhängigkeit von Serbien.

    Die selbsternannte Republik wird von Serbien, Russland, China, Israel, Iran, Spanien, Griechenland und einer Reihe anderer Staaten nicht anerkannt.

    ng/mt

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    Albanien, Politik, Kosovo-Befreiungsarmee, Regierung von Kosovo, Parlament von Kosovo, Nordkosovo, Kosovo, Polizei Serbiens, Serbien