19:55 14 November 2019
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    der ehemalige Außenminister Frankreichs Hubert Védrine (Archiv)

    Frankreichs Ex-Außenminister: Die Russen sind Russen geblieben – deshalb sind wir wütend

    © AFP 2019 / LUDOVIC MARIN
    Politik
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    Der Westen hat Russland nicht verändern können und ist deshalb aufgebracht. Diese Meinung äußerte der ehemalige Außenminister Frankreichs Hubert Védrine in einem Interview für die Zeitung „Le Figaro“.

    Védrine begrüßte das anstehende Treffen zwischen dem französischen Präsidenten, Emmanuel Macron, und seinem russischen Amtskollegen, Wladimir Putin, als einen nützlichen Versuch, Paris oder gar ganz Europa aus der Sackgasse und dem „nutzlosen Positionenkrieg“ herauszuführen.

    Der Westen habe sich Illusionen über eine „schnelle Demokratisierung Russlands“ hingegeben.

    „Aber die Russen sind Russen geblieben. Und deshalb sind wir wütend auf sie. Das ist weder ein demokratisches Regime wie bei uns, noch die Diktatur, die es früher war“, so der ehemalige Chefdiplomat.

    Ein Teil der westlichen Gesellschaft sei deshalb zornig, aber so sei es: „Wir werden Russland nicht verändern können, es entwickelt sich von selbst, in seinem eigenen Tempo und auf seine eigene Art.“

    Seit 30 Jahren zwinge der Westen dem Rest der Welt arrogant seine Werte auf, so Védrine. Dabei sei es für Frankreich wichtig, zu den Staatschefs aller Länder ein gutes Verhältnis zu pflegen, besonders wenn es um die Sicherheit Europas gehe.

    Die anstehende Zusammenkunft zwischen Putin und Macron werde nur von kleinen Gruppen von Menschen kritisiert, die sich im „Zustand eines Kreuzzuges gegen Russland“ befänden. „Sie bieten keine konkrete Lösung für geopolitische Probleme und begnügen sich damit, ineffektive und nutzlose moralistische Posen einzunehmen.“

    Védrine rät zu mehr Realismus in der Politik: Ein hartes Gespräch mit Putin in allen Fragen, die die Franzosen für wichtig halten, schließe einen respektvollen Umgang mit Russland und einen Dialog mit dem Land nicht aus. „Unsere Position muss anspruchsvoll und wachsam sein, aber nicht rachsüchtig und fanatisch“, betont der Ex-Außenminister. 

    Macron hat seinerseits wiederholt gesagt, er wolle Russland zurück nach Europa holen und damit die Fehler des Westens korrigieren, die Russland in den letzten Jahren in die Hände von China getrieben hätten.

    Putin wird am morgigen Montag Frankreich besuchen. Dabei will er mit seinem französischen Amtskollegen die bilaterale Zusammenarbeit und die Ukraine besprechen. Das Treffen findet im Vorfeld des G7-Gipfels statt. Russland war 2014 aus dem Format (damals G8) wegen der Krise im Osten der Ukraine ausgeschlossen worden.

    ta/ae

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    Tags:
    Demokratisierung, Frankreich, Russland