05:42 16 Dezember 2019
SNA Radio
    Holodomor-Denkmal in Kiew (Archiv)

    Selenski bittet Netanjahu um Anerkennung von Holodomor als Genozid an Ukrainern

    © AFP 2019 / GENYA SAVILOV
    Politik
    Zum Kurzlink
    4411116
    Abonnieren

    Der ukrainische Präsident Wladimir Selenski hat den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu bei einer gemeinsamen Pressekonferenz aufgerufen, den Massenhunger in der Ukraine der 1930er Jahre (auch als Holodomor bekannt) als Genozid am ukrainischen Volk anzuerkennen.

    Laut Selenski haben die Völker der Ukraine und Israels zusammen alle Tragödien der neuesten Geschichte durchlebt – „Holodomor und Holocaust, den Zweiten Weltkrieg und das totalitäre sowjetische Regime“.

    Netanjahu ließ allerdings Selenskis Vorschlag unkommentiert. Im Rahmen des ersten Besuchs eines israelischen Regierungschefs in der Ukraine seit 20 Jahren wird Netanjahu die Gedenkstätte Babyn Jar besuchen. Hier wurden im Zweiten Weltkrieg Tausende Juden ermordet.

    Was ist Holodomor?

    Als Holodomor wird der Massenhunger in der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik in den Jahren 1932 bis 1933 bezeichnet. Kiew pocht seit Jahren darauf, dass diese Hungersnot von anderen Ländern als organisierter Völkermord Stalins an den Ukrainern anerkannt wird.

    Zu den Staaten, die Holodomor als Genozid anerkennen, gehören unter anderem Polen, Georgien, Australien, Kanada, die USA, Lettland, Estland, Litauen und andere.  

    Doch von dem Massenhunger war nicht nur die Ukrainische SSR, sondern auch viele Regionen der Sowjetunion betroffen: So wurde die kasachische Bevölkerung um ein Drittel reduziert – prozentual weitaus mehr als die ukrainische. In der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (Kasachstan nicht mitgerechnet) sollen es 1,5 Millionen Tote gewesen sein.

    Der russische Historiker Viktor Kondraschin macht Stalins Agrarpolitik und konkret die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft für die Tragödie verantwortlich. Der Hunger habe sich damals keine konkreten Völker ausgesucht und sei auch gegen keine konkreten Ethnien gerichtet gewesen.

    Dass die Hungersnot die Ukraine am schwersten traf, hat laut ihm eine einfache Erklärung: Das war die wichtigste Getreideanbauregion in der gesamten UdSSR, die das ganze Land ernährte und auf die der Großteil der Getreideexporte entfiel. Darum hatte die sowjetische Republik auch überspitzte Ernteziele von der Kommunistischen Partei erhalten.

    Der Massenhunger der 1930er Jahre war eine gemeinsame Tragödie der Völker der ehemaligen Sowjetunion, meint der Historiker. Das Gedenken daran solle diese Völker nicht spalten, sondern vereinen. 

    ta ae

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Familien-Clan baut Haus in Neukölln ohne Genehmigung – Baustadtrat wusste Bescheid
    „Politiker an die Wand stellen“: Greta Thunberg überrascht mit radikalen Worten
    Erdogan droht USA mit Schließung des Luftwaffenstützpunktes Incirlik
    Gruppe junger Männer greift Seniorenpaar in Köln an – Mann schwer verletzt
    Tags:
    Genozid, Holodomor, Benjamin Netanjahu, Wladimir Selenski, Israel, Ukraine