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02:44 12 November 2019
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    Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Seine Frau Brigitte treffen den Präsidenten Russlands Wladimir Putin am 19. August 2019

    Will Macron „Lorbeeren eines Friedensstifters“ ernten? Darum trifft er sich nun mit Putin

    © AP Photo / Gerard Julien
    Politik
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    Das multilaterale Format ist laut dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron von allen Seiten angegriffen worden und Frankreichs bilateralen Beziehungen zu Russland kommt daher bei der Suche nach neuen Mechanismen eine Schlüsselbedeutung zu. Am Montag hat Macron seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Südfrankreich empfangen.

    Im Hofe des Forts de Brégançon, einer Residenz von Frankreichs Staatsoberhaupt an der französischen Mittelmeerküste, haben die beiden Präsidenten kürzlich eine Pressekonferenz abgegeben. Der Ort habe mehrere große russische Künstler wie die Schriftsteller Wladimir Nabokow und Iwan Turgenew sowie den Komponisten Igor Strawinski begeistert, sagte Macron zur Begrüßung, und kennzeichne nun eine historische Periode der bilateralen Beziehungen. Macron bekräftigte, mit Putin die Krise in der Ukraine, den Iran und Syrien sowie die Zukunft der ukrainischen Sicherheit besprechen zu wollen, inklusive des zu platzen drohenden INF-Vertrages.  

    „Ich weiß, dass Russland ein europäisches Land ist, ich glaube mit meinem ganzen Herzen daran. Wir glauben an dieses Europa von Lissabon bis Wladiwostok“, fuhr Macron fort. „Und Frankreich will dabei seine Rolle spielen“. 

    Frankreich habe auch alles Mögliche unternommen, um Russland in die Parlamentarische Versammlung des Europarats zurückzubringen. 

    Seinerseits hat sich Wladimir Putin bei Macron dafür bedankt und geäußert, dass Russland auch weiter auf die Unterstützung der Republik beim Aufbau der russischen Beziehungen zur EU setze. Putin verwies auch auf enge wirtschaftliche Kontakte: Russlands Investitionen in Frankreich sollen bei drei Milliarden US-Dollar liegen, wobei der französische Beitrag zur russischen Wirtschaft sich auf 17 Milliarden belaufen soll.

    Der internationalen Sicherheit im Rückblick auf den INF-Vertrag sowie auf Syrien und den Iran, aber auch auf Libyen gab Präsident Putin Vorrang bei der bevorstehenden Diskussion. Im Hinblick auf den G7-Gipfel, der zwischen dem 24. und dem 26. August im französischen Biarritz stattfindet, bestätigte Putin die Bereitschaft Russlands, die Kollegen jederzeit in Russland zu empfangen. „Russland war mal an der Reihe, den G8-Gipfel abzuhalten, aber unsere Partner kamen nicht. Bitte, unsere Partner sind jederzeit im Rahmen der G7 willkommen.“ Seit 2014 darf Russland nicht mehr am Gipfel teilnehmen.

    Experten: Macron will sich von Angela Merkel abheben 

    „Macron scheint Russland wieder ins Konzept der Nationen auf globaler Ebene integrieren zu wollen, denn der G7 hat ohne Russland keinen Sinn“, führt der französische Politikwissenschaftler Pierre-Emmanuel Thomann gegenüber Sputnik aus. „Wollen wir hoffen, dass den Worten Taten folgen. Macron hat auch letztes Jahr die Notwendigkeit einer neuen europäische Sicherheitsarchitektur mit Russland vorgeschlagen, aber die ist immer noch nicht implementiert worden“. Der Experte verwies auch auf einen „Kampf zwischen den Gaullisten und den transatlantisch orientierten Neokonservativen“ in Frankreich, in dem Macron sich profilieren müsse.   

    Macron will den Experten zufolge auch da punkten, wo man der deutschen Regierungschefin, Angela Merkel, schon einen baldigen Sonnenuntergang prophezeit und der neue britische Premierminister, Boris Johnson, noch nicht die nötige Autorität erlangt hat, nämlich an der Spitze der europäischen Politik. Im Blick auf die Ukraine vermutete unter anderem die Expertin vom Russischen Institut für Strategische Studien Nadeschda Usunowa bei einer Diskussionsrunde vor dem Treffen, dass Macron danach strebt, den Führungswettbewerb für Europa zu gewinnen. Ihr zufolge ist er natürlich daran interessiert, dass der Konflikt im Donbass so gut wie möglich gelöst wird und Frankreich „die Lorbeeren des Friedensstifters“ erntet.

    Wie der französische Wirtschaftler, der Direktor der School of Advanced Studies in den Sozialwissenschaften, Jacques Sapir, im Gespräch mit Sputnik mitteilte, sei Paris gerade politisch international isoliert. Zwar habe Macron geglaubt, dass er auf Augenhöhe mit Angela Merkel und Donald Trump agieren könnte, aber das sei ihm bei niemandem gelungen. „In dieser Hinsicht hat Emmanuel Macron seit dem vergangenen Frühjahr nach einer Möglichkeit gesucht, sich an Wladimir Putin zu wenden oder zumindest mit ihm zu sprechen“, so der Experte. Man trete schon bei den Fragen des Iran und Syriens im Einklang gegen die US-Politik auf. Jedoch warnte Sapir Russland vor falschen Hoffnungen, denn die „ideologische Schwerfälligkeit der französischen Außenpolitik ist da“. 

    Der Professor des französischen Instituts für Geopolitik bei der Universität Paris 8 (IFG-Paris 8) André Filler bezeichnete das Treffen seinerseits jedoch als ein positives Signal aneinander und verwies auf die wirtschaftlichen Interessen Frankreichs und den Druck der Vertreter der französischen Industrie, die viel in die russische Wirtschaft investiert hatten. Frankreich sei auch der erste ausländische Arbeitgeber in Russland, so Filler. Alle Wege sollen also zu einer Verbesserung der Beziehungen führen.  

    Vor der Zusammenkunft hatte übrigens auch Frankreichs Ex-Außenminister Huber Vedrin in einem „Le Figaro“-Interview Macron aufgefordert, bessere Beziehungen zu Russland aufzubauen, bevor Donald Trump es tut. Darauf stellte die Zeitung ihren Lesern die Frage, ob Macron mit der Zusammenkunft richtigliege. 86 Prozent haben mit ja geantwortet. Die letzten Treffen der beiden Präsidenten fanden beim G20-Gipfel in Osaka im Juni 2019 sowie im Juli 2019 in Moskau statt, als Macron beim WM-Finale sein Team persönlich im Stadion unterstützen wollte. 

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    Tags:
    Angela Merkel, Wladimir Putin, Emmanuel Macron, Russland, Frankreich