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    Der Nördliche Seeweg an dem Bildschirm beim Forum Dialograum Arktis in St. Petersburg (Archiv)

    Befürchtungen wegen Russlands Präsenz in der Arktis sind übertrieben – Europäische Think-Tank

    © Sputnik / Alexej Danitschew
    Politik
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    Fachleute des Zentrums für Europäische Politische Strategie der Europäischen Kommission fordern die EU auf, mit Russland in der Arktis zusammenzuarbeiten. Die Experten merken in ihrem Bericht an, dass die Befürchtungen hinsichtlich der russischen Aufrüstung in der Arktis „übertrieben sind“.

    Die Fachleute des Zentrums für Europäische Politische Strategie berichten, dass Brüssel eine eigenständige Politik in der Region führen wolle, trotz der Aufrufe der USA, der „russischen Aggression“ entgegenzuwirken. Nach Expertenmeinung seien die Möglichkeiten der Europäischen Union in der Arktis begrenzt, deswegen sei ein Zusammenwirken mit Russland notwendig. Unter den vorrangigen Bereichen seien Frieden und Stabilität in der Region, nukleare Sicherheit, Umweltschutz, Wissenschaft, Such- und Rettungsaktionen und andere. 

    Die Europäische Union wolle eine eigenständige Rolle in der Arktis spielen, trotz der Aufrufe Washingtons zur Eindämmung Russlands in der Arktis, sagte der Experte des Zentrums für militärpolitischen Journalismus, Boris Rozhin, im Interview mit Sputnik.        

    „Ein Teil des europäischen Establishments ist an einer weiteren Eskalation der Beziehungen mit Russland nicht interessiert. Der Kurs der Euro-Atlantisten, der mit der Eskalation des Wettrüstens, einschließlich in der Arktis, verbunden ist, passt nicht ins Konzept des größten Teils der europäischen Geschäftswelt, die nach akzeptablen wirtschaftlichen Beziehungen mit Russland strebt. Das ist ein Versuch, den Spannungsgrad zu senken, obwohl die USA und die NATO auf der Notwendigkeit des Wettrüstens und des Drucks auf russische Positionen hinsichtlich der Erdöl- und Erdgaslagerstätten auf dem Schelf und auf  der Exterritorialität des Nördlichen Seewegs beharren.“

    Dabei schließt der Experte nicht aus, dass Europa schrittweise in den Eskalationskurs der USA hineingezogen werde, weil die Möglichkeiten Washingtons, Europa zu beeinflussen, groß genug seien.

    Wozu aber braucht Washington die Arktis? Rozhin weist darauf hin, dass die Flugbahn russischer ballistischer Raketen im Falle eines Atomkrieges durch die Arktis verläuft. Darüber hinaus bestreitet Washington das Recht Russlands auf Güterlieferungen auf dem Nördlichen Seeweg. Und drittens: die USA sprechen sich gegen den Wiederaufbau der russischen Militärinfrastruktur in der Arktis aus.

    „Wobei die USA also ihre Militärstützpunkte an den russischen Grenzen in verschiedenen Ländern stationieren, verweigern sie Russland das Recht auf die Stärkung seiner Verteidigungsfähigkeit und bezeichnen seine Handlungen als Aggression. Obwohl es aber nicht Russland ist, das sich den US-amerikanischen Grenzen annähert, sondern umgekehrt.“

    Dabei meint man im Zentrum für Europäische Politische Strategie, dass die Befürchtungen hinsichtlich der militärischen Aktivität Russlands in der Arktis „in vieler Hinsicht übertrieben sind“.

    „Die Aufrüstung Russlands trägt keinen Angriffs-, sondern einen Verteidigungscharakter. Sein Ziel ist in erster Linie die Verteidigung der russischen Grenzen und der nationalen Interessen in der Arktis“, heißt es im Dokument. Dabei heben die EU-Experten besonders hervor, dass das Hauptvolumen von Erdöl und Erdgas, das von Russland gewonnen werde, sich innerhalb der russischen ausschließlichen Wirtschaftszone befinde, „deren Grenzen unanfechtbar sind“.

    Dem Militärpolitologen und Wirtschaftsexperten Oleg Glasunow zufolge wolle die EU mit Russland in der Arktis zusammenarbeiten, um einen Zugang zu seinen Ressourcen zu haben.

    „Das ist hier eine unberührte Lagerstätte, und die EU will einen Zugang dazu haben und sich an der Verteilung von Energieressourcen beteiligen. China zeigt auch großes Interesse für die Arktis, es hat bereits 20 Eisbrecher für die Arktis gebaut. Europa versucht, sich auch an den Energieprojekten zu beteiligen, um nicht zurückzubleiben. Aber die Europäische Union grenzt nicht an die Arktis, nur Norwegen kann am Projekt teilnehmen“, sagte der Politologe gegenüber Sputnik.

    Allerdings könne die Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU in der Arktis positive Ergebnisse bringen, zum Beispiel im Tourismusbereich, meinte der Berater des Verbandes „Turpomoschtsch“, Waleri Korowkin, im Interview mit Sputnik.

    „Der Tourismus füllt die Gebiete über dem Polarkreis mit wirtschaftlicher Tätigkeit. Die Länder am Polarkreis haben gleiche Probleme: eine nicht zahlreiche Bevölkerung und zu wenig Wirtschaftstätigkeit. Zur allgemeinen Kennzeichnung dieser Gebiete gehört Depressivität. Wir wünschen mehr sozial-wirtschaftliches Leben in der russischen Arktis-Zone, als es jetzt gibt. Falls eine Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe möglich wären, wäre der Aufgabenbereich hier enorm.“

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    Tags:
    Druck, Europa, USA, Russland, Wettbewerb, Konkurrenz, Arktis