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    US-Präsident Donald Trump (l.) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (r.) beim G7-Gipfel in La Malbaie (Archiv)

    Trump und Macron werben für Russland in G7 - Experte: „Dem Esel wird ‘ne Karotte vor Nase gehalten“

    © AFP 2019 / Ludovic MARIN / POOL
    Politik
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    Nachdem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf Russisch von einem Europa von Lissabon bis nach Wladiwostok schwärmte, spricht sich nun US-Staatschef Donald Trump für Russlands Wiederaufnahme in die G7 aus. USA-Experte Dr. Wladimir Wassiljew und das Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums, Martin Hoffmann, kommentieren politische Spiele.

    „Der Westen, vertreten durch Frankreich und angeblich durch die USA, will dem Russland-Esel wohl ‘ne Karotte vor die Nase halten“, kommentiert der leitende Forscher am Institut für USA und Kanada bei der Russischen Akademie der Wissenschaften, Dr. Wladimir Wassiljew, gegenüber Sputnik die neuerlichen Signale der beiden Präsidenten an Russland. Trump wünschte sich am Dienstag Russland wieder in der G7, weil „eine Menge der Dinge, über die wir reden, mit Russland zu tun haben“. Laut den Beamten der US-Präsidialverwaltung sollen sich Trump und Macron in einem Telefonat auch darauf geeinigt haben, Russland nächstes Jahr zu den G7 einzuladen. 

    „Jetzt, nachdem Kiew eine neue Regierung bekommen hat, schaffen solche politische Spiele den Eindruck, dass Russland in der G7 willkommen ist. Tatsächlich mögen die Kollegen die Aufhebung der entsprechenden Hürden, das heißt, die Regelung der ukrainischen sowie der Krim-Fragen, zur Bedingung für eine vollständige Wiederaufnahme machen“, warnt Wassiljew weiter. Wie Reuters unter Verweis auf eine diplomatische Quelle weiter berichtet, soll Macron die Wiederaufnahme tatsächlich mit dem Fortschritt bei der politischen Lage in der Ukraine verbinden.

    „Sollte die Krise stark genug sein ...“

    Auf der anderen Seite dürfte sich der Westen angesichts der kommenden Wirtschaftskrise absichern, indem er Russland, wie auch schon 2008, zur gemeinsamen Überwindung der Krise auffordere, kommentiert der Wirtschaftswissenschaftler Wassiljew weiter. „Die Sanktionen haben ja auch bewusste Schäden für die Wirtschaften verursacht.“ In dem Sinne könnte eine Rückkehr zu normalen Wirtschaftsbeziehungen eine Art von weicher Landung im Gegensatz zu einer harten sein, meint der Experte. „Sollte die Krise stark genug sein, könnte Russland auch ohne Vorbedingungen zurückkehren und die Ukraine-Frage zur Seite geschoben werden.“ 

    Das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Deutsch-Russischen Forums, Martin Hoffmann, nennt Trumps Signale in einem Sputnik-Gespräch einen „ernsten Vorstoß“. „Man kann Trump viel nachsagen, aber eines ist klar: er nimmt Russland und Wladimir Putin ernst, und auch als Machtfaktor wahr.“ Jedoch müsse klar sein, dass der Faktor Trump, der Faktor Amerika, ein unberechenbarer bleibe. 

    Obama sei von Putin „ausgetrickst“ worden, sagte Trump übrigens am Dienstag, und habe Russland daher aus den G8 ausschließen lassen. Dass Trump sich von Obama abheben will, verbindet Wassiljew in erster Linie mit seinen Wahlkampfaussichten eher als mit einer plötzlichen Sympathie für Russland. Trump wolle sich wohl als ein Antipode des „ungeschickten“ Obama profilieren. Trotzdem spricht sich Trump schon seit 2017 für eine Wiederaufnahme Russlands aus. Im Juli 2018 kommentierte der russische Außenminister Sergej Lawrow eine erneute Befürwortung Trumps.

    Er sagte, dass Russland sich eine Wiederaufnahme nie erbeten habe und die G20 eine aussichtsreichere Alternative wäre. Der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow warnte seinerseits, es dürfe nicht zu einer neuen Situation „Sieben gegen einen“ kommen und schlug vor, das Format unter Einbindung Chinas und Indiens zu einer Gruppe G10 zu erweitern. Hoffmann teilt diese Sorge nicht und meint: „Selbstverständlich sind die oftmals erratischen Bewegungen Amerikas schwer vorhersehbar, und ein positiver Schritt in die richtige Richtung der Zusammenarbeit und der Kommunikation wurde oft von mehreren Rückschlägen gefolgt. Wladimir Putin wird dort aber ein ganz natürliches Gewicht haben.“

    „In vielen Punkten, was die Abrüstungsverträge und die Sanktionen angeht, gibt es oftmals zwischen Europa und Russland schon erheblich mehr Gemeinsamkeiten als mit Amerika. Deshalb braucht man sich nicht zu fürchten, dass es ein „Sieben gegen Eins“ ist“, sagte Hoffmann abschließend.

    Zwischen dem 24. und dem 26. August findet im französischen Biarritz der nächste G7-Gipfel statt. Im Vorfeld hatte sich Macron mit Putin in Südfrankreich getroffen.

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    Tags:
    Rückkehr, G8, G7+1, G7, Krise, Ukraine, Donald Trump, Emmanuel Macron, Frankreich, USA, Russland