03:06 15 November 2019
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    US-Schiffe in Straße von Hormus (Archiv)

    Bahrain beteiligt sich an US-Mission im Golf. Wie geht es weiter?

    © Foto: U.S. Navy/Mass Communication Specialist Seaman Nicholas R. Boris
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    Das Königreich Bahrain ist als erster arabischer Staat der US-geführten Koalition für den Schutz der Schifffahrt im Persischen Golf beigetreten. Das steht in der am Montag vom Pentagon verbreiteten Erklärung des Chefs des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, General Kenneth McKenzie.

    Russische, iranische und arabische Experten erklärten gegenüber Sputnik, welche Gründe und Folgen dieser Schritt für den Persischen Golf hat.

    Wozu braucht Bahrain die Koalition?

    Der regionale Leiter des Britischen Zentrums für Nahoststudien in Bahrain, Amjad Tahah, meint, dass dieser Schritt ziemlich logisch für Bahrain sei. „Das Königreich Bahrain ist eines der Länder, die unter den Handlungen Irans litten und weiterhin leiden. Die Sicherheit des Königreichs und der Länder des Golf-Kooperationsrats wird seit langem bedroht. Deswegen ist es ziemlich logisch, dass Bahrain die USA beim Kampf gegen den Terrorismus des Irans, besonders im internationalen Territorialgewässer unterstützt“, sagte der Experte gegenüber Sputnik.

    Allerdings ist der Koordinator der Nahostprogramme des Russischen Rats für internationale Angelegenheiten, Ruslan Mamedow, etwas anderer Meinung bezüglich der Gründe des Beitritts Bahrains zur US-Koalition. „In Bahrain befindet sich ein großer US-Stützpunkt, zudem ist dort die US-Flotte stationiert. Das Königreich hatte also keine andere Wahl. Zudem widerspiegelt Bahrain die Meinung Saudi-Arabiens bei den Fragen in der Region. Außerdem sind sowohl die USA, als auch Großbritannien die wichtigsten Waffenlieferanten Bahrains, sie haben lange Verbindungen. Ich denke, dass es auch um das Buhlen um die Aufmerksamkeit seitens Washingtons geht. Doch im Ganzen ist Bahrain ein Staat, der die Position Saudi-Arabiens widerspiegelt. Das ist eine traditionelle Situation.“

    Wie werden andere arabische Länder reagieren?

    „Arabische Golfstaaten werden darauf nicht reagieren, weil dieser Schritt wohl mit Saudi-Arabien abgestimmt wurde. Sowie ich verstehe, erklärte Israel seine Bereitschaft, der Koalition beizutreten, doch de jure ist das Land noch nicht da. Ich denke, dass regionale Akteure den Verdacht haben, dass Trump sich freuen würde, wenn Öl aus dem Persischen Golf überhaupt nirgendwohin gehen würde, obwohl er das Gegenteil sagt. In diesem Fall wären die Probleme mit dem Schieferöl in den USA für lange Zeit gelöst. Nothing personal, just business. Deswegen beeilen sich die arabischen Golfstaaten zusammen mit Europa nicht, der Koalition beizutreten – zu hoch sind die Risiken für den Beginn eines großangelegten Krieges“, meint Orientalist Andrej Tschuprygin.

    Ist eine Erweiterung der Koalition durch andere arabische Ländern zu erwarten?

    Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Zentrums für arabische und islamische Studien des Orientalistik-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, Grigori Lukjanow, meint, dass einige Länder der US-Koalition beitreten könnten, obwohl die Wahrscheinlichkeit nicht groß sei. „Alles hängt davon ab, inwieweit die USA beharrlich sein werden. Bezüglich solcher großer Staaten im Sinne geopolitisches Gewicht wie Saudi-Arabien und die VAE wird das davon abhängen, ob sie mehrere andere Streitfragen wie die Jemen-Situation, die die größte Aufmerksamkeit von ihnen erfordert, regeln können. Deswegen können wir schon jetzt sagen, dass die Unterstützung der Koalition auf der Ebene des Golfkooperationsrats kaum wahrscheinlich ist. Kaum wahrscheinlich ist die Unterstützung seitens Katars. Unter Druck Großbritanniens könnte Oman die Koalition unterstützen. Saudi-Arabien könnte sich anschließen. Es wurde ein äußerst ungünstiger Zeitpunkt zur Bildung dieser Koalition gewählt. Die geopolitische Lage im Persischen Golf ist derzeit für die Bildung einer breiten Koalitionen ungünstig.“

    Iran hat eigene Pläne

    Der Direktor des Zentrums für strategische Studien und internationale Beziehungen in Teheran, Amir Musawi, meint, dass die US-Koalition scheitern werde. Es gehe nicht nur um die Militärstärke des Irans, sondern vor allem um diplomatische Fähigkeiten. „Ich bin mir sicher, dass die Amerikaner und Israelis gerade auf Bahrain als Vermittler der eigenen Interessen im Persischen Golf setzen. Das wurde nach der Konferenz in Manama und dem Versuch eines Deals des Jahrhunderts zum palästinensisch-israelischen Konflikt sichtbar. Es liegt eindeutig auf der Hand, dass Bahrain auf diese Schritte auf Forderung der USA einging. Doch ich sehe keinen besonderen Sinn in dieser Allianz. Die Probleme mit Großbritannien wurden bereits gelöst. Zudem besteht ein bestimmtes Interesse an der Zusammenarbeit mit uns seitens solcher Akteure wie Irak, Kuwait, Katar und Oman. Wir hatten bereits Treffen und Verhandlungen mit Vertretern der VAE. Bald kommt eine saudische Delegation zu Besuch nach Teheran. Der Außenminister des Irans sagte gestern, dass bald Einvernehmen in der Region erreicht sein werde. Die USA werden also scheitern“, so der Experte.

    Bezüglich einer möglichen Schaffung eines Sicherheitssystems in der Region fügte der iranische Experte hinzu: „In diesem Zusammenhang würde ein russisches Konzept für die Sicherheit in der Region die beste Alternative sein, weil sie bereits in der Region aktiv unterstützt wird.“

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    Tags:
    Koalition, Kampf, Iran, Golfregion, USA