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10:46 19 September 2019
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    Präsentation der russischen Rakete vom Typ 9М729 Iskander-M, die nach den US-Angaben gegen den INF-Vertrag verstößt

    Russland und die Nato sollen in den Stationierungswettlauf nicht eintreten - Expertenmeinung

    © Sputnik / Wladimir Astapkowitsch
    Politik
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    Russland wird Mittel- und Kurzstreckenraketen entwickeln, wird sie aber nicht stationieren, bis das die USA tun. Dies erklärte Wladimir Putin am Mittwoch in Helsinki nach Gesprächen mit dem finnischen Präsidenten. Experten kommentierten gegenüber Sputnik die Aussage des russischen Staatsoberhaupts.

    Der Sicherheitsexperte Wolfgang Richter vom Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit hält es für die europäische Sicherheit insgesamt für wichtig, dass die Nato und Russland jetzt nicht in einen Stationierungswettlauf in Europa eintreten.

    „Insofern dienen alle Äußerungen in dieser Richtung diesem Zweck und können dann nur begrüßt werden. Wichtig ist allerdings auch, dass wir solche Äußerungen  untermauern mit sehr konkreten Austauschen, Verifikation und vielleicht auch mit gemeinsamen Erklärungen oder, wenn es aus politischen Gründen nicht geht, dann mit parallelen politischen Erklärungen, dass wir auf solche neuen Stationierungen verzichten wollen“, betonte Oberst a.D. Wolfgang Richter.

    Es wäre eine vertrauensbildende Maßnahme, wenn Russland sich dazu bereitfinden könnte, das neue System SSC-8 (9М729) jenseits des Urals zu verlegen oder so weit weg zu verlegen, dass dieses System europäische Staaten nicht treffen kann, fährt der Experte fort. Wichtig sei bei Disputen, die man zu diesem System oder zu anderen Systemen habe, „dass wir uns bereitfinden, gegenseitig zu verifizieren, dass wir Stellungen öffnen  für gegenseitige vertrauensbildende Maßnahmen, damit das Misstrauen verschwindet, und dass wir nicht neue Spitzen aufbauen in einem ohnehin belasteten politischen Verhältnis. Ich meine, dass diese Äußerung (von Putin) in die richtige Richtung geht, sie muss substantiiert werden.“

    Der Präsident Russlands erinnerte auch daran, dass die USA kürzlich eine Tomahawk-Rakete getestet haben, die für Landstarts angepasst und zuvor nach dem INF-Vertrag verboten war. Darüber hinaus hat ihre Entwicklung laut Putin lange vor dem Austritt Washingtons aus dem Vertrag begonnen.

    „Diese Raketen (der neue landgestützte US-Marschflugkörper) können mit vorhandenen Systemen in Rumänien und möglicherweise in naher Zukunft in Polen abgefeuert werden. Für uns bedeutet dies neue Bedrohungen, auf die wir dementsprechend reagieren müssen“, so Putin.

    Wolfgang Richter wies darauf hin, dass der INF-Vertrag seit dem 2. August Geschichte sei. Das heiße aber nicht, dass das Interesse daran, keine neuen landgestützten Raketen in Europa aufzustellen, verschwunden sei – das  Interesse sei immer noch da. Die Frage sei, wie man es regeln könne, vielleicht durch politische Erklärungen und durch gegenseitige Verifikation? Das wäre ein richtiger und wichtiger Schritt, betont der Militärexperte. Der Test einer neuen amerikanischen Rakete, der am 18. August durchgeführt wurde, wirft laut ihm mehr Fragen als Antworten auf.

    „Der Test einer landgestützten Rakete fand am Montag statt von einer Insel vor Kalifornien aus. Die Rakete gehe offenbar in die INF-Reichweite hinein – genauere Daten haben wir darüber noch nicht, aber es muss sich um eine bodengestützte Rakete handeln, die zumindest die volle Reichweite bis 500 Kilometer ausschöpfen kann. Ob sie mehr kann, wissen wir noch nicht, das müssen wir prüfen. Die USA können jetzt solche Raketen testen, weil der INF-Vertrag nicht mehr gültig ist. Solche Raketen, wenn sie in die INF-Reichweite hineingehen, müssen dann irgendwo stationiert werden. Dabei ist nicht Europa im Zentrum der amerikanischen Überlegungen, sondern Asien“, vermutet Wolfgang Richter, Experte vom Deutschen Institut für Internationale Politik und Sicherheit.

    Der russische Militärexperte Wiktor Murachowski wies seinerseits darauf hin, dass in dem Fall, sollten amerikanische Komplexe in Gebieten eingesetzt werden, von denen aus sie das Territorium Russlands bedrohen, russische Komplexe in den Gebieten eingesetzt werden, die amerikanische Militärstützpunkte im Ausland und möglicherweise das Territorium Amerikas selbst bedrohen werden.  

    „Wir haben reiche Erfahrung. Bereits in der Sowjetzeit wurde ein großes wissenschaftliches und technisches Potenzial für Mittelstreckenraketensysteme geschaffen, sowohl für ballistische Raketen als auch für Marschflugkörper. Wir verfügen über sachgemäße Aufklärungs- und Zielbestimmungswerkzeuge, die deren Anwendung sicherstellen. Niemand sollte daran zweifeln, dass unsere Antwort angemessen sein wird.“

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    Tags:
    Rakete 9M729, Iskander-M, Tomahawk-Marschflugkörper, Mittelstreckenrakete, USA, Russland, INF-Vertrag