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05:12 23 September 2019
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    Jan Böhmermann (Archivbild)

    #Neustart19 – Böhmermanns außergewöhnliche Bewerbung für SPD-Vorsitz

    CC BY-SA 3.0 / © JCS / GFDL
    Politik
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    Wie ein Lauffeuer machte es in Sozialen Medien am späten Donnerstagabend die Runde: Der Moderator Jan Böhmermann hat sich in seiner ZDF-Sendung „NEO Magazin Royale“ offiziell für den SPD-Parteivorsitz beworben. Willy Brandt sei ihm im Traum erschienen, so der 38-Jährige. Allerdings gibt es für Böhmermann nun noch einige juristische Hürden...

    Die Sozialdemokraten suchen händeringend nach einer neuen Parteispitze. Am Sonntag läuft die Bewerbungsfrist für Kandidaten aus, danach sollen sich die Bewerber in zahlreichen Regionalkonferenzen der SPD-Basis stellen. Kurz vor Ende der Frist hat sich nun der Satiriker und Moderator Jan Böhmermann offiziell für das höchste SPD-Amt beworben – per Video.

    ​Willy Brandt sei ihm im Traum erschienen und habe ihm gesagt: „Du musst es machen, der Olaf (Scholz) ist 'ne Pfeife.” Zwar könne es juristische Schwierigkeiten geben, so Böhmermann weiter, aber er wolle Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden. An die Adresse der Parteimitglieder sagte der Entertainer, er sei bereit, die SPD zu retten, wenn sie ihm dabei helfen.

    ​Seine Kampagne hat den Hashtag #Neustart19, ebenso gibt es eine Website mit dem Namen neustart19.de. Jedoch müsse er noch drei Herausforderungen bewältigen, schreibt der 38-Jährige auf der Website: „1. Formell muss die Kandidatur für den Parteivorsitz bis Sonntag um 18 Uhr eingereicht sein. 2. Ich brauche bis dahin die Unterstützung von fünf SPD-Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband. 3. Ich brauche bis dahin eine gültige Mitgliedschaft in der SPD.”

    ​Der Satiriker beteuerte, die Aktion sei kein Witz. Wenn die SPD tatsächlich die effiziente Demokratiemaschine sei, für die er sie halte, müsse es möglich sein, die Formalitäten für seine Kandidatur innerhalb von drei Tagen zu erledigen, so Böhmermann. In seiner Sendung „NEO Magazin Royale“ zeigte er sich aber etwas zurückhaltender:

    „Ich weiß nicht, ob es klappt. Wir haben jetzt nur noch 70 Stunden Zeit.”

    Die Bewerbungsfrist für die Nachfolge von Andrea Nahles als Parteivorsitzende läuft an diesem Sonntag ab. Bislang hat der Wahlvorstand der SPD laut einem Parteisprecher bei fünf Kandidatenduos die nötige Unterstützung anerkannt: Vizekanzler Olaf Scholz und die Brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping, Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann, die beiden Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer, sowie die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis und der Ver.di-Chefökonom Dierk Hirschel.

    ​Was Böhmermann als Kandidaten der SPD tatsächlich attraktiv machen könnte: Der Satiriker hat alleine auf seinem persönlichen Twitter-Account rund 2,1 Millionen Follower, seine ZDF-Sendung noch einmal knapp 680.000 Fans. Hinzu eine Million Abonnenten seiner Seite auf Facebook und 565.000 auf Instagram. Das sind Zahlen, die sicher auch die SPD-Funktionäre interessieren dürften. Böhmermann selbst erklärte:

    „Selbst wenn mich 80% der Wählerinnen und Wähler richtig scheiße fänden, liebe Genossinnen und Genossen: Die übrigen 20% wären eine FANTASTISCHE Arbeitsgrundlage für eine gründliche Neustrukturierung der Partei.“

    Die Reaktionen in den sozialen Medien waren enorm. Auch Politiker der SPD äußerten sich zu der Kandidatur Böhmermanns. „Kluge Kampagne”, kommentierte Juso-Chef Kevin Kühnert das Video von Böhmermanns Bewerbungsrede. Alexander Schweitzer aus dem SPD-Bundesvorstand sagte der Bild-Zeitung, er finde es gut, wenn der Moderator SPD-Mitglied werde. Allerdings solle er beim Mitgliedsbeitrag nicht zu knauserig sein und sich den Vorsitz „schnell wieder abschminken“.

    ​Seit dem Rücktritt von Andrea Nahles ist der Posten an der SPD-Spitze vakant. Derzeit wird die Partei kommissarisch und gemeinsam von Thorsten Schäfer-Gümbel, Malu Dreyer und Manuela Schwesig geführt – bis ein neues Führungsteam gewählt ist. Nach Ende der Bewerbungsfrist folgen 23 Regionalkonferenzen, auf denen sich die Kandidaten vorstellen können. Faktisch bestimmt wird die Spitze in einer Mitgliederbefragung. Ob es Jan Böhmermann aber soweit in dem Verfahren schaffen kann, ist mehr als fraglich. Denn einerseits müsste der Moderator im Eilverfahren als Mitglied in die SPD aufgenommen werden und zweitens fehlt ihm bislang die offizielle Unterstützung von SPD-Unterbezirken oder einem Landesverband. Machbar wäre es, wahrscheinlich ist es aber nicht.

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    Tags:
    Parteivorsitz, Kandidat, Deutschland, SPD, Jan Böhmermann