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14:52 21 Oktober 2019
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    Frank-Walter Steinmeier bei Weltkriegsgedenken in Wielun am 1. September 2019

    Weltkriegsgedenken: Steinmeier bittet Polen um Vergebung

    © AFP 2019 / ALIK KEPLICZ
    Politik
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    Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat gemeinsam mit dem polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda in der polnischen Kleinstadt Wielun an Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs teilgenommen.

    Wielun war am 1. September 1939 als erstes Ziel von der Wehrmacht angegriffen worden. Steinmeier bat am Sonntag die Menschen in Polen um Vergebung für den deutschen Vernichtungskrieg, der Millionen Tote gefordert hatte.

    „Ich verneige mich vor den Opfern des Überfalls auf Wielun. Ich verneige mich vor den polnischen Opfern der deutschen Gewaltherrschaft. Und ich bitte um Vergebung“, sagte Steinmeier. Diese drei Sätze wiederholte er in seiner auf Deutsch gehaltenen Rede nochmals auf Polnisch.

    Beim damaligen Angriff auf Wielun wurde die Stadt zu rund 70 Prozent und das Zentrum sogar zu 90 Prozent zerstört. Rund 1200 Menschen starben nach polnischen Angaben. Duda bezeichnete den Überfall als Terrorangriff und „grausame Barbarei“.

    „Der Zweite Weltkrieg hat die Welt verändert. Das dürfen wir nie vergessen“, so der Staatschef Polens.

    Deutschland „nimmt die Verantwortung an“

    Steinmeier ging auf die Forderung der polnischen PiS-Regierung nach deutschen Reparationen für die erlittenen Schäden nicht direkt ein. Er dankte Polen für die Bereitschaft, trotz des erlittenen Unrechts und Leids den Weg der Versöhnung mit Deutschland gemeinsam zu gehen.

    „Wir werden nicht vergessen. Wir wollen und wir werden uns erinnern. Und wir nehmen die Verantwortung an, die unsere Geschichte uns aufgibt“, versicherte der deutsche Bundespräsident.

    Steinmeier, der am Samstagabend erst per Ersatzmaschine in Polen eingetroffen war, und Duda besuchten drei historische Gedenkorte in der Stadt. Unter anderem legten sie Blumen am Denkmal des zerstörten Allerheiligen-Krankenhauses nieder, das 1939 das erste Ziel der deutschen Sturzkampfbomber gewesen war.

    Von Wielun aus wollten sich beide Staatschefs am Vormittag nach Warschau begeben, um dort der offiziellen Gedenkveranstaltung zum Beginn des Zweiten Weltkriegs beizuwohnen. Auch die deutsche Bundeskanzlerin, Angela Merkel, US-Vizepräsident, Mike Pence, und etwa 250 Gäste aus 40 Ländern wurden erwartet. Der US-Präsident, Donald Trump, sagte wegen Hurrikans über Florida seinen Polen-Besuch ab

    Russland zum Weltkriegsgedenken in Polen nicht eingeladen

    Die russische Delegation wurde von Warschau nicht zu den Gedenkveranstaltungen eingeladen. Der Leiter des polnischen Präsidialamtes, Krzysztof Szczerski, erklärte diese Entscheidung damit, dass Russland weder der EU noch der Nato oder der Ost-Partnerschaft angehöre.

    Laut einer früheren Aussage vom Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Dmitri Peskow, könne in keinem Land der Welt eine dem Zweiten Weltkrieg gewidmete Gedenkveranstaltung als vollkommen gelten, wenn Russland nicht dabei sei.

    Aus der Sicht des polnischen Politologen und Publizisten Adam Wielomskiberücksichtigt die polnische Seite aktuell nicht die Trennungslinie von 1939, sondern die von 2019“.

    Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 und dauerte bis zum 2. September 1945. Insgesamt nahmen 57 Länder teil. Ihre gesamten Verluste im Krieg belaufen sich laut verschiedenen Quellen auf 50 bis 80 Millionen Menschen (Militärs und Zivilisten). Die meisten Verluste entfielen auf die Sowjetunion, die laut offiziellen statistischen Angaben 26,6 Millionen Menschen umfassten. 600.000 sowjetische Soldaten fielen auf dem Territorium Polens.

    mo/ae/dpa/sna

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    Tags:
    Nazi-Deutschland, Deutschland, Polen, Andrzej Duda, Frank-Walter Steinmeier, Zweiter Weltkrieg