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06:57 13 November 2019
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    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Kriegs-Gedenkveranstaltung in Polen

    Polens „Propaganda-Linie“ geschluckt: Jüdische Organisation kritisiert Steinmeier

    © AP Photo / Czarek Sokolowski
    Politik
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    Mit scharfen Worten hat Efraim Zuroff, Leiter der jüdischen Menschenrechtsorganisation „Simon Wiesenthal Center“, den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier kritisiert. Steinmeier habe bei seinem Besuch in Polen, wo er sich für Deutschlands Gräueltaten im Zweiten Weltkrieg entschuldigte, die „polnische Propaganda“ Wort für Wort übernommen.

    Während sich Steinmeier in zwei Reden für die deutschen Verbrechen entschuldigt habe, habe er mit keinem Wort den Holocaust erwähnt, beklagte Zuroff laut der israelischen Zeitung „Jerusalem Post“. Damit habe der deutsche Präsident den Propaganda-Köder der nationalistischen Regierung in Warschau geschluckt.

    Steinmeier habe auch nicht erwähnt, dass von den sechs Millionen von den Nazis getöteten Polen drei Millionen Juden gewesen seien. Das sei genau das Narrativ der heutigen polnischen Regierung, die das Leiden des polnischen Volkes unter den Nazis hervorzuheben und die Rolle der polnischen Nazi-Kollaborateure bei der Ermordung der Juden herunterzuspielen versuche.

    Laut Zuroff ist Steinmeiers Rede eine „komplette Verharmlosung des Schicksals der Juden“: “Unser Schicksal wurde vom Schicksal der Polen verschluckt.” Dies sei aber historisch nicht ganz korrekt: Die Polen hätten tatsächlich schrecklich unter den Nazis gelitten. Doch die Nazis wollten laut Zuroff nicht jeden einzelnen Polen töten. Sie wollten hingegen jeden einzelnen Juden ermorden.

    Steinmeiers Entschuldigung sei an sich in Ordnung, aber nicht das Verhalten der Regierung in Warschau, die den Schwerpunkt auf das Leiden der Polen lege, die Verbrechen ihres Landes leugne und die Rückgabe des jüdischen Eigentums verhindere.

    Im Zweiten Weltkrieg kamen in Polen fünf bis sechs Millionen Menschen ums Leben – und damit etwa jeder Sechste. Damit ist Polen eines der Länder, die die meisten Toten durch das Hitler-Regime zu beklagen haben. Die Hauptstadt Warschau wurde zudem vor dem Rückzug der Wehrmacht fast komplett dem Erdboden gleichgemacht.

    Auch die Sowjetunion „vergessen“

    Allerdings dürften nicht nur Juden mit Steinmeiers Rede unzufrieden sein. Auch vielen Russen stieß sein Auftritt übel auf: Der Bundespräsident lobte die Rolle der USA beim Sieg über den Nationalsozialismus in höchsten Tönen: „Und die Macht von Amerikas Ideen und Werten, seine Weitsicht, seine Großzügigkeit haben diesem Kontinent eine andere, eine bessere Zukunft eröffnet. Herr Vizepräsident, das ist die Größe Amerikas, die wir Europäer bewundern und der wir verbunden sind.“ Mit keinem Wort erwähnte Steinmeier aber die Sowjetunion, deren Soldaten mehr als 70 Prozent der Nazi-Kräfte vernichteten.

    ta/gs

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    Tags:
    Polen